Wanderweg an den Bahngleisen

Wanderweg an den Bahngleisen: Immer auf den Pfad beharrt

Alexisbad - Nach zweieinhalb Jahren können Wanderer die Bahngleise in Alexisbad wieder sicher passieren. Bis zur Eröffnung am Samstag war es ein steiniger Weg.

Von Benjamin Richter 25.03.2019, 11:27

Drei Meter bis zur Gleismitte - die Zahl hat sich in Horst Schönes Gedächtnis eingebrannt. Diesen Abstand müssen Wanderer einhalten, um sicherzugehen, dass sie im Selketal nicht von einem Zug der Harzer Schmalspurbahnen (HSB) erfasst werden.

An den meisten Stellen ist das kein Problem, denn die Schienen und die Wege kreuzen sich in der Regel so, dass Wanderer den Gefahrenbereich gleich wieder verlassen. Anders sah die Lage aber jahrelang an der Brücke im Norden von Alexisbad aus.

Bis der Bahnparallelweg am Samstag eingeweiht und ein jahrhundertealter Wanderweg wieder verbunden werden konnte, lag ein gewaltiges Stück Arbeit vor Schöne, dem Vorsitzenden des Harzklub-Zweigvereins Harzgerode, und dessen Mitgliedern.

Wanderweg an den Bahngleisen: Schockmoment nach Urlaub

Alles fing mit einer Bauberatung im Oktober 2015 an, erinnert Schöne.

„Die Brücke sollte ersetzt werden.“ Das geschah anschließend auch - bis Ende 2017 dauerte der Bau. Ein Schock wartete jedoch auf Schöne, als er im November 2016 aus dem Urlaub zurückkam: Neben der Brücke hatten Arbeiter die Böschung komplett weggebaggert. Sie hatte bis dahin gewährleistet, dass Wanderer den Sicherheitsabstand zu den Gleisen einhalten konnten.

Doch es kam noch dicker: Zwei neu aufgestellte Schilder verkündeten an beiden Seiten der Schienen, dass das „Betreten der Bahnanlage verboten“ sei.

Sofort suchte Schöne das Gespräch mit den HSB und wandte sich wenig später auch an den Landesforstbetrieb. Die Suche nach einer Lösung lief jedoch ins Leere.

„In dieser Zeit suchten sich Wanderer eben ihren Weg“, schildert Schöne und hält ein Foto hoch, das er gut sichtbar für die rund 50 Wanderlustigen ausgedruckt hat, die sich an diesem Tag zum Anwandern der neuen Saison versammelt haben.

„Viele gingen direkt an der Mauer entlang. Wenn ein Zug gekommen wäre, hätten sie keine Möglichkeit zum Ausweichen gehabt.“

Wanderweg an den Bahngleisen: Landesforst droht mit Anzeige

Angesichts dieses Handlungsbedarfs organisierte Schöne selbst einen Stahlträger und befestigte ihn mit einigen Helfern an der Böschung.

Im Sommer 2018 folgte die nächste Überraschung: Der Landesforstbetrieb kündigte an, Anzeige zu erstatten, weil sich der Weg auf Landesgrund befindet und dem Harzklub die Ausbesserung nicht erlaubt worden sei.

Entsetzt wandte sich Schöne per E-Mail an Landesumweltministerin Claudia Dalbert (Grüne), die wenige Minuten später geantwortet und ihm versprochen habe, sich der Sache anzunehmen.

So wurde die Anzeige abgewendet und der Harzklub-Zweigverein konnte das Wegstück samt Geländer vollenden. Das Geld für die grüne Farbe für Träger und Geländer habe der Landesforstbetrieb schließlich beigesteuert.

Wanderweg an den Bahngleisen: 20.000 Euro investiert

„Ich freue mich, dass wir das zusammen hinbekommen haben“, zeigte sich Dalbert erleichtert. 20.000 Euro, bezifferte Schöne, habe die Aktion gekostet - Geld, das allein die Mitglieder des Zweigvereins zusammengetragen hätten.

„Bis auf die Farbe sind weder für den Landesforst noch für den Harzklub oder die Gemeinde Kosten entstanden.“

Auch Harzgerodes Bürgermeister Marcus Weise (CDU) sowie HSB-Betriebsleiter Jörg Bauer und der stellvertretende Harzklub-Präsident Klaus Dumeier schnitten daraufhin das symbolische Band zum Bahnparallelweg durch.

Wanderweg an den Bahngleisen: Weg kurzfristig umbenannt

Der kam kurz darauf noch zu einer Umbenennung: Als sich die Wanderer mit Gulaschsuppe vom Vitalhotel Alexisbad für den Weg stärkten, schlug Harzklub-Mitglied Kurt Kuchinke vor, dem Weg an den Gleisen den Namen „Der Schöne Weg“ zu geben.

Die Idee, die beharrliche Arbeit von Horst Schöne auf diese Weise zu ehren, fand bei den Versammelten sofort große Zustimmung. (mz)