Instrumententeile sind beisammen

Sanierung in Hausneindorf: Hausorgel von Baumeister Röver erklingt wieder

Hausneindorf - Das Instrument von Ernst Röver erklingt wieder auf der Burg.

Von Uwe Kraus 30.05.2017, 11:55

Heinrich Pfaud hat sich aus Augsburg auf die Reise in den Harzkreis gemacht, sein jüngster Bruder kam aus dem Elsass, der andere Bruder aus Niederbayern, die Schwester aus Donauwörth. Sie sind die Urenkel von Orgelbaumeister Ernst Röver.

„Ich bin gerne hier“, sagt Heinrich, mit seinen 80 Jahren der älteste noch lebende Nachkomme. Er bringt ein Geschenk für den Heimatverein mit, eine kolorierte Bleistiftzeichnung der Burg, 1929 von A. Werner signiert, der zu den Freunden der Familie gehört haben soll.

Historischer Moment aus der Burg Hausneindorf

Anlass der Reise der Röver-Nachkommen ist ein „historischer Moment“, wie ihn Sabine Richter, Vorsitzende des Hausneindorfer Heimatvereins nennt.

Auf der Burg des Dorfes öffnet ein kleiner Konzertsaal seine Türen. In ihm erklingt nun die Hausorgel von Orgelbaumeister Röver. „So eine Orgel gehörte zum Zuhause wie heute die Musikanlage oder der Fernseher“, erklärt Sabine Richter.

Der Weg des Instrumentes nach Hausneindorf sei zuweilen abenteuerlich gewesen. Teile der Orgel lagerten beim Halberstädter Orgelbaumeister Reinhard Hüfken, andere im Kloster Michaelstein.

Langfristige Leihverträge ermöglichen, dass die Hausorgel nun in der Burg ihre Heimstatt fand. Vorher hatten die Orgelbaumeister Reinhard und Johannes Hüfken die Restaurierung von Korpus und Pfeifen übernommen.

Spezielle Herausforderungen für Spezialisten

„Mehr als ein halbes Jahr stand das Instrument bei uns in der Werkstatt, und es stellte uns wie jede Arbeit vor spezielle Herausforderungen“, erinnert sich Hüfken junior, der bereits bis nach Moskau seine Handwerkskunst bewiesen hat.

Sabine Richter freut sich, dass nun die Burg einen neuen Schatz birgt. Die Heimatfreunde hatten allein in diesem Jahr in die Gestaltung des Musikzimmers 368 Stunden gesteckt, in dem nun das Orgel-Unikat einen Platz findet.

Für Sanierung fanden sich viele Förderer

Sie hebt die vielfältige Unterstützung hervor. „Die Sanierung der Röver-Hausorgel wurde durch die Ostdeutsche Sparkassenstiftung, die Harzsparkasse und das Landesverwaltungsamt gefördert. Aber auch der Lionsclub und private Spender halfen uns.“

So richtet auch Heinrich Pfaud „ein dreifaches Dankeschön“ an jene, die Arbeitsstunden leisteten, Informationen und Fotos weitergaben und dazu beitragen, dass „die Burg ein weiteres Kleinod“ beherbergt. Der kleine Ort könne auf sein Museum mit tragfähigem Konzept stolz sein.

„Ja, Hausneindorf ist ein kulturhistorisch wertvoller Ort“, hebt Lutz Wille hervor. „Ist Ströbeck das Schachdorf am Harz, sollte man hier den Begriff Orgeldorf prägen“, schlägt der Autor des Buches „Die Orgelbauwerkstatt Reubke in Hausneindorf am Harz und ihre Instrumente 1838-1884“ vor. „Zu dieser Zeit existierte hier eine der bedeutendsten Orgelbauwerkstätten in Deutschland.“

Ein Buch mit kuriosen Wurzeln

Sein Buch, das am Samstag in Hausneindorf von Wille vorgestellt und signiert wurde, hat eine kuriose Wurzel. Als Mitglied des Heimatvereins Benneckenstein war er gebeten worden, für eine CD mit Einspielungen von Reubke-Orgeln das Booklets zu schreiben.

„Plötzlich stellte sich heraus, die Orgelbauerfamilie gleicht einer weißen Fläche.“ So forschte der emeritierte Professor für Kindermedizin nach, und das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie publizierte sein Werk. „Da es um Musik geht, liegt dem Buch eine CD bei“, ergänzt der Autor.

Und wie es bei der Einweihung eines Musikzimmers mit heimgekehrter Orgel sein muss, erklingt dann das Instrument. Der pensionierte Kirchenmusikdirektor Gottfried Biller hat dazu ein sehr abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, das von Werken Johann Sebastian Bachs über Theodor Grünbergs Präludium und Fuge bis zu Stücken von Hermann Bönicke reicht. (mz)