Premiere der Schlossgeister Harzgerode

Premiere der Schlossgeister Harzgerode: Ein ehrenwerter Ausweg

Harzgerode - Die Schlossgeister Harzgerode zeigen ab Freitag die schwarze Komödie „Bubblegum und Brillanten“ im Schlosskeller.

Von Sabine Herforth 09.03.2017, 10:46

Die Gabel fliegt in hohem Bogen über den Tisch, als Butler Mortimer diesen decken will. Sir George überspielt die Situation gekonnt, während die Schauspielkollegen im Publikumsraum sich vor Lachen kaum mehr halten können. „Das lassen wir so“, schallt es nach vorn. Denn das urkomische Missgeschick stand bisher nicht im Drehbuch.

Die Mitglieder der Schlossgeister Harzgerode haben an ihrer alljährlichen Aufführung selbst große Freude. Bei den letzten Proben vor der ersten öffentlichen Vorstellung amüsieren sie sich prächtig.

Selbstmord mit Hindernissen

Am Freitag, 10. März, feiert das Stück „Bubblegum und Brillanten“, Premiere im Schlosskeller Harzgerode. Lampenfieber haben die Schauspieler dann aber kaum noch „Ich bin wirklich nicht mehr sehr aufgeregt“, sagt Uta Zacharias.

„Wenn man eine große Rolle hat, dann ja“, meint Detlef Böttcher, der den Butler spielt.

Die schwarze Komödie im englischen Stil stammt von dem deutschen Autor Jürgen Baumgarten.

„Es geht um einen englischen Lord, der extrem verschuldet ist“, verrät Böttcher. Im Haus ist bereits alles verpfändet. Sir George sieht aus seiner Misere nur einen Ausweg, der für den gescheiterten Geschäftsmann auch ehrenwert ist: Selbstmord.

Lady Ellen, seine Gemahlin, will jedoch nicht auf dem Schuldenberg sitzenbleiben und beschließt, ebenfalls den Freitod - „eine wunderbare Alternative“ - zu wählen. So leicht, wie die beiden sich das mit dem geplanten Ableben dachten, ist das Ganze jedoch nicht.

Stückauswahl ist jedes Jahr eine Herausforderung

Die Auswahl der Stücke ist jedes Jahr wieder eine Herausforderung. Schließlich müssen eine ganze Menge Männer und Frauen in einer Besetzung untergebracht werden.

„Das hat dieses Jahr etwas länger gedauert“, erklärt Böttcher. Für eine Besetzung mit 17 Personen sei es immer schwerer, passende Stücke zu finden. Zumal die Schauspieler mit einer recht kleinen Bühne auskommen müssen.

Letztlich wurden sie aber doch noch fündig und entschieden sich für das Stück „Bubblegum und Brillanten“. Sind alle Schlossgeister einverstanden, geht es an die Rollenverteilung. „Im Allgemeinen funktioniert das ganz gut“, meint Böttcher zufrieden.

„Wir sind immer heilfroh, wenn ein Mann einen Mann und eine Frau eine Frau spielen kann“, fügt er an. Aber es sei auch schon vorgekommen, dass eine der Schauspielerinnen in die Rolle eines Mannes schlüpfte. „Das ist dann anders witzig.“

Seit Januar proben die Laienschauspieler etwa zweimal in der Woche das Stück.

Vorführungen seit Jahren im Schlosskeller

Die Vorführungen finden seit Jahren immer Schlosskeller statt. „Wir spielen auch noch in Straßberg“, ergänzt Böttcher. Theoretisch gebe es noch weitere Spielstätten, an denen die Truppe auftreten könne.

In der Praxis sei der Auf- und Abbau des Bühnenbildes aber so aufwendig, dass sie sich auf zwei Orte mit jeweils fünf Aufführungen beschränke.

Die Kulissen gestaltet die Gruppe für jedes Stück neu, greift dabei aber immer auf den gleichen Bühnenaufbau zurück. „Die Wände bespannen wir jedes Mal mit neuem Stoff“, verrät Böttcher.

Ein fester Stamm an Mitgliedern

Angefangen hätten die Schlossgeister Harzgerode mit Kindertheater im Schlosssaal. „Erwachsenentheater machen wir inzwischen seit etlichen Jahren.“ Dabei hat sich nach und nach ein fester Stamm an Mitgliedern gebildet. Da darf der Humor bei den Proben auch mal etwas spezieller und derbe ausfallen.

„Das passt bei uns alles“, sagt Uta Zacharias. Denn das Wichtige komme nicht zu kurz: der Spaß. Selbst wenn es mal etwas eng wird.

Schweißgebadet hinter der Bühne

Bis zu zwölf Leute quetschen sich während der Vorstellung hinter den kleinen Verschlag hinter der Bühne. „Man steht Mann an Mann - schweißgebadet“, erzählt Detlef Böttcher, was während der Aufführungen vor sich geht. Der Hochstimmung tut das aber keinen Abbruch: „Hinter der Bühne ist es vor allem lustig“, so Zacharias. (mz)