„Grausame Fakten verharmlost“

Jugendwaldheim Wildenstall bei Wettelrode: Tierrechtsorganisation Peta unterstellt einseitige Informationen über Jagd

Ballenstedt/Grillenberg - Schüler vom Wolterstorff-Gymnasium Ballenstedt zimmerten Ansitze für Jagd: „Unter dem Deckmantel der Naturverbundenheit“ würden „grausame Fakten verharmlost“, schreibt Peta.

Von Rita Kunze

Die Tierrechtsorganisation Peta hat dem Ballenstedter Wolterstorff-Gymnasium „unkritische Wissensvermittlung“ vorgeworfen: „Unter dem Deckmantel der Naturverbundenheit“ würden „grausame Fakten verharmlost“, schreibt der Verein in einer Pressemitteilung.

Er bezieht sich auf einen einwöchigen Aufenthalt einer neunten Klasse aus Ballenstedt im Jugendwaldheim „Wildenstall“ im Landkreis Mansfeld-Südharz.

Schüler hatten Ansitze für Drückjagd gezimmert

Auslöser des empörten Aufschreis war der Umstand, dass eine Schülergruppe während dieses Aufenthaltes aus frisch gefällten Fichten Ansitze für die Drückjagd gezimmert hat. Den Jugendlichen werde „mit einseitigen Informationen ein ausschließlich positives Bild der Jagd vermittelt“, behauptet Peta.

„Um alle Aspekte zu lehren, sollten Schulprojekte nicht nur Ansichten der Jäger transportieren, die eine geschönte Perspektive der Jagd und deren Konsequenzen darstellen.“

Leiter des Jugendwaldheims ärgert sich über Halbwissen

Was genau die Mitarbeiter des Jugendwaldheims den Jugendlichen vermitteln, weiß man bei Peta offenbar nicht. „Ich bedaure zutiefst, dass so etwas daraus gemacht wird“, sagt Harald Schreier, ehemaliger Revierförster und seit 20 Jahren Leiter des Jugendwaldheims. Peta habe keinen Kontakt zu ihm aufgenommen, sagt Schreier im MZ-Gespräch.

Auf den Aufenthalt der Ballenstedter im „Wildenstall“ aufmerksam geworden ist der in Stuttgart ansässige Verein Peta Deutschland offenbar durch einen Medienbericht: „Unsere Kampagnenreferate haben Alerts im Internet“, sagt Sprecher Denis Schimmelpfennig.

Das heißt, dass Informationsdienste regelmäßig Meldungen zu bestimmten Themen liefern. „Wir bekommen auch Hinweise aus der Bevölkerung und von Unterstützern.“

Offenbar gab es keinen Kontakt zwischen Peta und Jugendwaldheim

Ob die Tierrechtsorganisation Kontakt zum Jugendwaldheim oder zum Gymnasium aufgenommen hat, konnte Schimmelpfennig nicht sagen. Zumindest erklärt der Verein aber in seiner Pressemitteilung, der Schule Unterrichtsmaterial und ein Referat vor Ort angeboten zu haben.

„Wir haben von Peta noch nichts bekommen“, sagt Schulleiterin Christa Weber. Die Peta-Vorwürfe weist sie zurück. „Wir haben gerade eine Projektwoche, in der Kinder mit dem Tierheim zusammenarbeiten“, sagt sie gegenüber der MZ.

Auch eine der Lehrerinnen, die mit der neunten Klasse im Jugendwaldheim war, ist über die Vorwürfe entrüstet: Jagd sei als Unterrichtsthema in Sachsen-Anhalt nicht vorgesehen. „Wenn wir uns mit dem Ökosystem Wald beschäftigen, werde ich Fragen der Schüler natürlich beantworten und die verschiedenen Sichtweisen auf die Jagd berücksichtigen“, so die Lehrerin.

Land betreibt Jugendwaldheim als außerschulischen Lernort

Das vom Land Sachsen-Anhalt getragene Jugendwaldheim sei ein außerschulischer Lernort, in dem Jugendliche praktische Erfahrungen sammeln - beispielsweise durch das Verfüllen von Schlaglöchern auf Forststraßen oder das Freischneiden von Wegen im Wald, sagt Schreier. Daneben würden die Schüler im Rahmen des Biologie- oder Mathematikunterrichts Boden- und Wasserproben analysieren oder Raummaße bestimmen.

Das von den Tierschützern kritisierte Herstellen von Ansitzen - in erster Linie für den staatlichen Forstbetrieb - sei ein Teil der Arbeiten: „Hier werden täglich forstliche Produkte hergestellt. Wir hätten aus der Fichte auch Zaunlatten oder Produkte für den Baumarkt machen können“, sagt Schreier, der die Vorwürfe der Tierschutzorganisation als „unfachmännisch“ zurückweist.

Auch der staatliche Forst habe die Aufgabe, die Wildbestände zu regulieren, so der ehemalige Revierförster. Ansitze würden nicht nur zum Schießen genutzt, sondern auch, um das Wild zu beobachten. „Ich gehe zehnmal auf den Ansitz, bevor ich einen Schuss loslasse“, sagt Schreier. (mz)