Landrat entschuldigt sich bei den Grünen

„Im Fach Diplomatie bin ich versetzungsgefährdet“

Thomas Balcerowski nimmt Stellung zu seinem Facebook-Kommentar „Grüne sind Gift für den Harz“ und lädt Fraktion zu Gespräch ein.

Von Rita Kunze
Der Harz war Vorreiter im Land mit seinem Modellprojekt zur Außengastronomie, doch daran gab es auch Kritik. (Foto: Pertra Korn)

Halberstadt - Landrat Thomas Balcerowski hat sich in der Kreistagssitzung am Mittwoch für seine Äußerungen auf Facebook entschuldigt. In dem sozialen Netzwerk hatte er am 12. April geschrieben, Grüne seien „Gift“ für den Harz. Anlass für seinen Kommentar war ein Interview der Vorsitzenden der Grünen-Landtagsfraktion, Cornelia Lüddemann. Sie hatte angesichts hoher Corona-Infektionszahlen das Harzer Modellprojekt zur Öffnung der Außengastronomie kritisiert und Ministerpräsident Reiner Haseloff in dem Zusammenhang als „Geisterfahrer“ bezeichnet. Balcerowski hatte den Grünen daraufhin pauschal Inkompetenz und ideologische Scheuklappen vorgeworfen: Wer so Politik mache, habe „in einem Parlament nichts zu suchen“.

Pauschale Schmähungen werden zurückgewiesen

Der Post hatte in den Reihen der Bündnisgrünen für heftige Kritik gesorgt. Der Vorsitzende der Kreistagsfraktion, Prof. Bernhard Zimmermann, nahm die Kreistagssitzung zum Anlass für eine Erklärung: „Diese pauschalen Schmähungen weisen wir als Kreistagsfraktion und Ehrenamtler entschieden zurück.“ Auch wenn Balcerowski den Beitrag mittlerweile gelöscht habe, „bleiben die Vorwürfe bestehen. Das Internet und auch analoge Pressearchive vergessen nicht“.

„Die Bürgerschaft zusammenzuführen und nicht zu spalten“, gelte für den Landrat „in besonderem Maße“, so Zimmermann, der Balcerowski im Namen seiner Fraktion aufforderte, „in Zukunft Ehrenamtler und ganze Gruppen im Harzkreis nicht zu diffamieren“ und „zur Sacharbeit“ zurückzukehren. „Ihr Amtseid ist auch der sicherste Weg, zu besseren Noten im Fach Diplomatie zu gelangen“, sagte Zimmermann.

„Wir werden alle daran gemessen, was wir erreicht haben“

„Im Fach Diplomatie bin ich derzeit noch versetzungsgefährdet“, entgegnete der Landrat, der diejenigen um Entschuldigung bat, die sich durch seine Äußerungen beleidigt fühlten. Er verwies noch einmal auf Lüddemanns „Geisterfahrer“-Aussage: „Viele Mitarbeiter haben sich sehr viele Gedanken zum Modellprojekt gemacht“, deswegen habe er sich ob dieser Aussage „angegriffen und beleidigt gefühlt“. Lüddemann habe sich auch noch nicht danach erkundigt, wie das Modellprojekt gelaufen sei. „Wir werden alle daran gemessen, was wir erreicht haben“, so Balcerowski weiter, der die Grünen-Fraktion zu einem Gedankenaustausch einlud, sobald die Außengastronomie wieder öffnen dürfe. (mz)