Harzer SchmalspurbahnenHarzer Schmalspurbahnen: Schienenersatzverkehr, weil Heizer fehlen

Quedlinburg/Wernigerode - Der Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) geht der Dampf aus. So soll es auf der Strecke der Selketalbahn zum ersten Mal in der nunmehr über 25-jährigen Geschichte der HSB mit Start des Sommerfahrplanes „Einschränkungen bei geplanten Zugfahrten“ geben, heißt es in einer ...

Von Detlef Horenburg 19.04.2017, 07:55

Der Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) geht der Dampf aus. So soll es auf der Strecke der Selketalbahn zum ersten Mal in der nunmehr über 25-jährigen Geschichte der HSB mit Start des Sommerfahrplanes „Einschränkungen bei geplanten Zugfahrten“ geben, heißt es in einer Pressemitteilung.

Demnach müsse ein Teil der Züge ab 29. April durch Busse ersetzt werden. Dies betreffe etwa ein Drittel der Fahrten auf dieser Strecke.

Dampflokheizer sind „abhandengekommen“

Hintergrund ist, dass der HSB die Dampflokheizer abhandengekommen sind: „Einige sind altersbedingt ausgeschieden“, teilte Dirk Bahnsen, Leiter Unternehmenskommunikation der HSB, auf MZ-Nachfrage mit.

Insgesamt fehlten sechs Dampflokheizer, um alle ursprünglich geplanten Fahrten abzusichern. Doch dies sei nur eine „Baustelle“, mit der das Unternehmen zu kämpfen habe. Neben Heizern gebe es auch zu wenig Dampflokführer und Zugbegleiter. „Unsere seit längerem intensivierte Suche nach geeigneten Mitarbeitern für den Eisenbahnbetriebsdienst war bislang nur teilweise erfolgreich“, so der HSB-Sprecher.

Ausbildung dauert fünf Jahre

Nach seinen Worten sei auf dem freien Markt kein entsprechend ausgebildetes Dampflokpersonal zu bekommen. Zwar bilde das kommunale Unternehmen selbst Berufsnachwuchs aus, aber dies benötige Zeit: So dauert beispielsweise eine Dampflokführerausbildung etwa fünf Jahre.

Würde man jetzt geeignete Bewerber als Dampflokheizer finden, könnten diese frühestens in zwei Monaten eingesetzt werden. „Es gab zwar schon Bewerber, mit denen man den Engpass hätte überwinden können, aber viele meldeten sich nicht wieder“, umriss er das Problem.

Ständig wechselnde Arbeitszeiten im Schichtdienst sowie Wochenendarbeit gehörten hier zu „den Faktoren, die wie bei vielen anderen Unternehmen in der Dienstleistungsbranche die Personalsuche zunehmend erschweren“ würden, erinnerte er.

Was der zusätzliche Schienenersatzverkehr an Mehrkosten für die HSB verursachen würde, darüber konnte sich Bahnsen zur Zeit nicht äußern: „Die genaue Anzahl der benötigten Busse muss erst ermittelt werden.“

Auch anderes Fachpersonal fehlt

Warum der Ausfall der Dampfzüge wenigstens nicht durch den Einsatz von Triebwagen kompensiert werden kann, begründete Bahnsen mit Blick auf das hierfür ebenfalls fehlende Fachpersonal.

Festes Ziel der HSB sei es jedoch, noch während „des laufenden Sommerfahrplans weitgehend zum ursprünglich geplanten Zug-Angebot“ auf der Selketalbahn zurückzukehren, versicherte er.

Hierfür will das kommunale Bahnunternehmen seine bisherigen Anstrengungen zur Personalgewinnung noch einmal in Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur oder durch Marketingaktionen verstärken.

Anschluss zum Brocken ist abgesichert

Grundsätzlich brauchten aber Benutzer der Selketalbahn auch im Sommerfahrplan nicht auf den Dampfzugbetrieb zwischen Quedlinburg, Hasselfelde und Eisfelder Talmühle mit Anschluss an den Nordhäuser Dampfzug zum Brocken verzichten.

So fährt täglich ein Dampfzug ab 8.30 Uhr in Richtung Brocken und ist 19.25 Uhr wieder zurück. Der Zugverkehr auf den Strecken der Harzquer- und Brockenbahn wird im Vergleich zum Vorjahr laut HSB unverändert durchgeführt.

Nähere Informationen zum Sommerfahrplan sowie zu den Fahrzeiten der Ersatzbusse im Selketal gibt es in Kürze in allen Verkaufsstellen der HSB, telefonisch unter 03943/55 80 sowie im Internet unter www.hsb-wr.de.

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Sommerfahrplan startet ab 29. April

Der in Kürze beginnende Sommerfahrplan der HSB gilt bis einschließlich 5. November und entspricht in weiten Teilen dem ausgedehnten Fahrtenangebot des Vorjahres.

So werden wieder insgesamt elf tägliche Zugpaare zum Brocken dampfen. Die erste Fahrt startet dabei um 8.55 Uhr in Wernigerode, die letzte Bahn verlässt den Gipfel um 18.31 Uhr. Mehr als 40 Brockenfahrten des historischen Traditionszuges ergänzen das Angebot. Auch im Bereich Nordhausen bleibt im Vergleich zum letztjährigen Sommerfahrplan alles unverändert. Der tägliche Dampfzug zum höchsten Harzgipfel fährt wie gewohnt um 10.24 Uhr in der Rolandstadt ab und erreicht sein Ziel um 13.44 Uhr. Die Bedürfnisse des Schülerverkehrs sowie die Anschlüsse aus Richtung Erfurt und Halle (Saale) werden hierbei auch weiterhin so weit wie möglich berücksichtigt. (mz)