Künstliche Intelligenz

Firma aus Thale will das Recycling von Bauschutt revolutionieren

Das neue Programm „Mineral Waste Manager“ sei in der Lage, die von Laboren erstellten Gutachten über Bauschutt zu analysieren.

Von Almut Hartung
Carl Wolfgang Finck präsentiert den Mineral Waste Manager.
Carl Wolfgang Finck präsentiert den Mineral Waste Manager. (Foto: Almut Hartung)

Thale/MZ - Für die Entwicklung einer intelligenten, internetbasierten Software zur Analyse von Bodengutachten namens „Mineral Waste Manager“ (kurz MWM) ist das Familienunternehmen RST aus Thale mit dem Bausmart-Preis der Bauindustrie ausgezeichnet worden.

„Bei der Auftragsabwicklung wurde bisher viel per Hand gemacht“, erklärt Carl Wolfgang Finck, Geschäftsführer bei RST und Initiator des MWM. Das soll sich mit dem „Mineral Waste Manager“ jetzt ändern. Dabei stehen die Worte „Mineral Waste“ für mineralische Abfälle.

Das Problem bisher: Auf jeder Baustelle fallen Abfälle an. Bevor der Schutt aber wiederverwendet werden kann, wird im Labor untersucht, ob der Aushub mit Giftstoffen belastet ist oder gar auf einer Deponie entsorgt werden muss. Auf den Abtransport und Wiederaufbereitung der belasteten Materialien spezialisierte Unternehmen wie RST in Thale erstellen dafür Angebote.

Bevor Bauschutt recycelt werden kann, muss untersucht werden, ob er Gifte enthält

Wenn RST eine Anfrage bekomme, müsse ein hochbezahlter Ingenieur die Laborergebnisse erst händisch auswerten und entscheiden, welche Art von Abfall vorliegt, wie hoch die Belastung ist und ob das Unternehmen diesen Abfall überhaupt annehmen darf, erklärt Finck.

Zu den europaweit einheitlichen Abfallschlüsseln für jede Art von mineralischen Abfällen kommen bundeslandspezifische Regelungen hinzu. Die Arbeit läuft nach dem immer gleichen Prinzip ab. „Das verbraucht unnötig viel Zeit und Personalressourcen.“

Kernkompetenz der Software sei es, die Laborgutachten vollautomatisch zu analysieren, so Finck. „Wenn eine Anfrage zuvor in 30 Minuten ausgewertet war, dauert es jetzt etwa 15 Minuten. Der Ingenieur kann sich mehr auf seine Kernarbeit konzentrieren.“

Im Dezember 2020 wurde die Firma „Mineral Waste Manager GmbH“ gegründet

Natürlich sei es ein Wettbewerbsvorteil für ein Unternehmen, wenn es in kürzerer Zeit ein Angebot erstellen könne. Immerhin 250 Millionen Tonnen Bauabfälle werden in Deutschland jedes Jahr bewegt - ein Milliardenmarkt. Ein weiterer Vorteil: Durch künstliche Intelligenz lernt das Programm laufend mit.

Die Idee, solch eine digitale Lösung zu entwickeln, habe er schon vor sieben Jahren gehabt, erzählt Carl Wolfgang Finck. Im Februar 2020 begann schließlich die Arbeit am MWM gemeinsam mit der Partnerfirma Next AG, im Dezember wurde die „Mineral Waste Manager GmbH“ gegründet. Das fertige Produkt ist seit Juli dieses Jahres für die gesamte Branche im Internet verfügbar. Ein erster Erfolg für Finck und sein Team ist der Gewinn des Bausmart Preises, bei dem sie sich gegenüber 50 Mitbewerbern durchsetzen konnten.