Eiserne Hochzeit

Eiserne Hochzeit in Thale: Antrag am Straßenrand

Thale - Die Eheleute Anni und Udo Wurscher aus Thale feiern Eiserne Hochzeit

Von Sabine Herforth

Als Udo Wurscher die große Liebe seines Lebens das erste Mal traf, trug sie ein eng anliegendes, grau-schwarz-kariertes Kleid, das ihre schönen Beine betonte. „Das werde ich nie vergessen“, erzählt der 87-Jährige. Am Freitag feierten die beiden Güntersberger im Senioren-Wohnpark Thale, wo die 83-Jährige seit einem Schlaganfall untergebracht ist, die eiserne Hochzeit.

In der gemütlichen Runde gab Udo Wurscher einige unterhaltsame Anekdoten aus den Anfängen ihrer Beziehung zum Besten. So habe er zum Beispiel auf recht ungewöhnliche Weise um die Hand seiner Anni angehalten. Denn die beiden waren schon vor der Ehe ein Paar, was damals eher unüblich gewesen sei.

Der lange Weg zur Trauung

Seiner Mutter habe das so sehr missfallen, dass sie gesagt habe, er solle erst wiederkommen, wenn die beiden verlobt seien. Der damals gerade 20-Jährige reagierte trotzig: „Ich bin dann bei meiner Anni geblieben“, berichtet der 87-Jährige und die Gäste lachten herzlich.

Heiraten wollte er seine Liebste schon, aber so ein Antrag war auch vor über 65 Jahren eine große Herausforderung. „Ich hab’ das zum ersten Mal gemacht“, gesteht Udo Wurscher und bringt seine Zuhörer erneut zum Lachen.

Als er dann eines Tages mit seinem künftigen Schwiegervater unterwegs war, wollte dieser auf dem Rückweg kurz bei Udo Wurschers Mutter anhalten. Alle Ausreden nützten nichts, also musste der junge Mann irgendwie mit der Sprache herausrücken.

„Ich habe angehalten und gesagt ‚Es wird feierlich, nimm Haltung an!‘“, erinnert sich Wurscher als wäre es gestern gewesen. Dem verwirrten Vater seiner Zukünftigen habe er dann erklärt: „Ich möchte um die Hand deiner Tochter anhalten.“ Dieser habe geantwortet: „Bist du betrunken?“ Schließlich habe Wurscher ihm erklärt, dass er seiner Mutter erst wieder unter die Augen treten könne, wenn die Hochzeit beschlossene Sache sei.

Erst beim Polterabend habe sein Schwiegervater die Umstände der kuriosen Verlobungsgeschichte verraten. Udo Wurscher bleibt sie noch immer bestens im Gedächtnis. „Ich könnte die Stelle, wo ich angehalten habe, heute noch zeigen“, erklärt er und setzt direkt zur nächsten Geschichte an.

Denn 1951 stand schließlich die Hochzeit an. Die katholische Kirche habe ihn - römisch-katholisch - und sie - evangelisch - nicht trauen wollen. Der Pastor in Sipptenfelde willigte aber ein, sofern Wurscher drei Stunden Religionsunterricht nehmen würde. Aus dem Unterricht wurde eine lange Diskussionsrunde. „Ich wollte den Pfarrer vom Marxismus überzeugen“, gibt der Jubilar zu.

Die Retourkutsche kam dann bei der Eheschließung. Der Pfarrer fand einen passenden Vergleich, um seinen Glauben zu erklären und fragte Udo Wurscher, damals als Elektriker tätig, ob er an seinen Strom glaube. Diesen könne er zwar nicht sehen, dennoch gebe er Kraft, Wärme und Licht - und wenn er nicht aufpasse, gebe es einen Schlag.

„1:0 für den Pfarrer dachte ich.“ Als der Pastor bei der Taufe der Tochter noch einmal nachlegte und den jungen Vater aufklärte, dass auch das ein Wunder Gottes sei, konterte dieser, dass er für dieses Wunder verantwortlich sei. 1:1 für Wurscher.

Familienglück im Harz

„Es gab natürlich auch traurige Sachen in unserer Ehe“, erzählte er. Doch das Paar, das gemeinsam viele Jahre in Güntersberge lebte, halte es wie eine Sonnenuhr und erinnere sich am liebsten an die heiteren Stunden. Dazu gehörten die Geburt ihrer Töchter Ursula 1953 und Heike, die 1958 zur Welt kam. Später wurden dann die Enkel Gita, Inga und Uta geboren.

Anni Wurscher war zunächst im Haushalt der Eltern sowie in der Landwirtschaft tätig. Udo Wurscher arbeitete als Elektromeister im Raum Harz und später in Berlin im Braunkohlerevier Senftenberg.

(mz)