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  7. Kerstin Ott auf Tour in Magdeburg: Interview - Was verbinden sie mit Sachsen-Anhalt?

Interview Kerstin Ott auf Tour 2024: Was verbindet die Sängerin mit Sachsen-Anhalt?

Die Sängerin Kerstin Ott ist in einer Pflegefamilie aufgewachsen. Am 1. März kommt sie nach Magdeburg. Die Redaktion hat mit ihr über ihr Leben, Auftritte und Musik gesprochen.

Aktualisiert: 08.02.2024, 11:24
Die 42-jährige Sängerin tourt ab Mitte Februar bis Anfang November durch ganz Deutschland.
Die 42-jährige Sängerin tourt ab Mitte Februar bis Anfang November durch ganz Deutschland. (Foto: Philipp von Ditfurth/dpa)

Magdeburg. - Vor acht Jahren feierte Kerstin Ott ihren Durchbruch mit einem Lied, das inzwischen vermutlich jeder kennt: „Die immer lacht“. Inzwischen hat der Schlagerstar vier Studioalben und tausende Fans in ganz Deutschland. In diesem Jahr geht sie auf „Best Ott“-Tour. Dabei ist ein Stopp in Sachsen-Anhalt vorgesehen.

Auch einige Schlagernächte stehen auf ihrem Plan. Isabell Sparfeld hat von der „Regenbogenfarben“-Sängerin erfahren, was sie inspiriert und antreibt.

Kerstin Ott im Interview - Sängerin kommt im März nach Magdeburg

Wir leben in chaotischen Zeiten. Soll Ihre Musik dabei helfen, die Gegenwart besser zu ertragen?

Kerstin Ott: Auf jeden Fall. Ich denke mal, dass viele Menschen jetzt gerade ein bisschen mit Ängsten durch das Leben gehen, und ich mag es gerne auch Musik zu machen, die Mut macht.

Wie schaffen Sie es, Ihre Musik mit kommerziellen Ansprüchen zu verbinden?

Kerstin Ott: Das ist nicht so ganz einfach. Oftmals ist es so, dass gerade das Kommerzielle ganz einfach ist, weil es merkfähig ist. Aber das ist ein bisschen Glück, ob die Menschen das gerade abfeiern oder ob es nicht so oft gehört wird, weil es zu tiefgründig ist. Mit „Die immer lacht“ oder „Regenbogenfarben“ ist es mir schon ein paar Mal gelungen und ich hoffe, dass es so weiter geht.

2016 gelang Ihnen mit einem selbst geschriebenen Song der Durchbruch. Schreiben Sie alle Ihre Songs selbst?

Kerstin Ott: Ja, die schreibe ich alle selbst. Ich habe immer zwei Teams. Einmal in Husum, da bin ich mit meinem Produzenten und noch einem weiteren Schreiber. Dort haben wir bis jetzt die meisten Songs geschrieben. Und dann habe ich noch ein Team in Berlin.

Fällt es Ihnen leicht, neue Lieder zu schreiben?

Kerstin Ott: Das ist abhängig davon, ob ich gerade kreativ drauf bin oder nicht. Mal geht das richtig schnell und mal sitzt man da wirklich tagelang dran und kommt nicht weiter.

Was inspiriert Sie am meisten?

Kerstin Ott: Ich glaube, ich hole ganz viel aus verschiedenen Gesprächen raus. Ich überlege mir zum Beispiel Themen für Lieder, wenn ich mit Freunden spreche, die irgendwas gerade bewegt. Dann finde ich da meistens meine Intuition für den nächsten Song.

Der Titel der aktuellen Single „Alte Liebe rostet nie“ klingt etwas kitschig. Wie sind Sie zu dem Song gekommen?

Kerstin Ott: Ich wollte unbedingt einmal alte Songs oder Melodien mit neuen Beats ausprobieren. Das hatte ich eigentlich schon seit ein paar Jahren vor. Jetzt bin ich endlich mal dazu gekommen, und ich fand den Spruch „Alte Liebe rostet nie“ irgendwie passend zu der Melodie, die ich da angestrebt habe, und dann habe ich einen Text dazu gemacht.

Planen Sie noch mehr alte Melodien aufzugreifen?

Kerstin Ott: Ja, kann ich mir sehr gut vorstellen. Bestimmt so ein, zwei Songs werde ich definitiv noch machen in dem Stil.

Sie haben Gold- Multiplatin- und den höchstmöglichen Diamant-Award erhalten. Welche Ziele verfolgen Sie noch in Ihrer Karriere?

Kerstin Ott: Mein Ziel ist ein Duett mit Pink und dann höre ich auf (lacht).

Welches sind Ihre Höhepunkte in Ihrer bisherigen Karriere?

Kerstin Ott: Also ich glaube, gerade die Duette mit Helene Fischer, Andrea Berg, Howard Carpendale – das sind schon wirklich Höhepunkte, auf die ich gerne zurückblicke. Und dass jedes meiner Alben mit Gold und Platin ausgezeichnet wurde, ist natürlich auch der Wahnsinn.

In den vergangenen Jahren waren Sie viel auf Tour. Was treibt Sie an, so viel auf der Bühne zu stehen?

Kerstin Ott: Erstmal Geld verdienen (lacht). Nein, also das gehört natürlich auch dazu. Aber ich habe mich jetzt wirklich an dieses Tour-Leben gewöhnt. Ich bin auch gerne in verschiedenen Städten unterwegs. Meine Frau ist immer dabei und das macht einfach Spaß.

Haben Sie mit Lampenfieber zu kämpfen?

Kerstin Ott: Kommt drauf an. Manchmal hat man so einen Tag, wo man etwas schüchterner unterwegs ist. Ich habe jetzt nicht mehr so ein schlimmes Lampenfieber, wie ich das früher hatte – Gott sei Dank nicht. Aber wenn ich mal zurückgezogener an dem Tag bin und nicht, wie soll ich das sagen, so „rampensaumäßig“, dann habe ich schon Lampenfieber.

Kerstin Otts Leben gleicht einer Achterbahnfahrt. Inzwischen steht sie regelmäßig deutschlandweit auf den Bühnen.
Kerstin Otts Leben gleicht einer Achterbahnfahrt. Inzwischen steht sie regelmäßig deutschlandweit auf den Bühnen.
(Foto: IMAGO/ Bildagentur Monn)

Wie gehen Sie damit um?

Kerstin Ott: Viel Ruhe. Also ich bereite mich dann immer ein bisschen doller vor. Ich singe mich länger ein oder gehe die Texte öfter durch. Das gibt mir die Sicherheit, dass ich alles getan habe, um mich auf der Bühne zu entspannen.

Neben Ihrer Tour sind Sie in diesem Jahr auch bei einigen Schlagernächten. Was macht Ihnen mehr Spaß?

Kerstin Ott: Meine eigenen Konzerte sind natürlich mit viel mehr Arbeit verbunden, aber auch mit viel mehr Emotionen, würde ich sagen. Weil da mal ein paar ruhigere Texte gesungen werden und der Auftritt an sich länger ist. Da kann man das Publikum noch mehr mitnehmen. Aber Schlagernächte sind auch toll, weil da sehr viele Menschen auf einem Haufen sind und generell immer eine sehr schöne Stimmung herrscht.

Was verbinden Sie mit Sachsen-Anhalt?

Kerstin Ott: Gerade im Osten Deutschlands ist es so, dass die Leute die Musik Schlager extrem feiern. Und es macht immer Spaß da aufzutreten, weil man sofort ab Minute eins diese tolle Stimmung hat. Das ist sehr schön.

Sie waren vor Ihrer musikalischen Karriere als Malerin tätig. Fehlt Ihnen inzwischen die handwerkliche Arbeit?

Kerstin Ott: Nein, weil ich mich zu Hause immer noch austobe. Wenn wir frei haben, ist es mein Ausgleich geworden, in der Werkstatt zu sein, oder einfach mal das Haus auf Links zu drehen. Da hole ich mir meinen Ausgleich und mache das.

Ihr Leben gleicht einer Achterbahnfahrt: Sie waren im Kinderheim, sind in einer Pflegefamilie groß geworden, lebten für einige Zeit am Existenzminimum und haben sich da herausgekämpft. Inwiefern hat Sie das geprägt?

Kerstin Ott: Das hat mich, glaube ich, sehr geprägt. Dadurch bin ich heute sehr sicherheitsliebend. Ich schmeiße überhaupt nicht gern mit Geld um mich und sehe auch immer zu, dass ich alles gut mache, damit es so bleibt, wie es ist und ich nicht nochmal ins Straucheln gerate.

Sie leben vegan, trinken keinen Alkohol und haben mit dem Rauchen aufgehört. Welche Laster bleiben da noch übrig, die Sie gern ablegen würden?

Kerstin Ott: Ja, das frage ich mich auch jeden Tag (lacht). Also momentan ist es so, dass ich mit diesen drei Sachen wirklich mehr als genug zu tun habe. Man glaubt gar nicht, wie viel Zeit das alles in Anspruch genommen hat. Von daher bin ich jetzt erstmal mit den ganzen Umstellungen beschäftigt. Ich glaube, keinen Alkohol trinken – das wird nicht für immer so sein. Aber mit dem Rauchen habe ich schon vor acht oder neun Monaten ganz aufgehört. Das möchte ich wirklich gern beibehalten.

Und die vegane Lebensweise ist auch erst neuer dazugekommen.

Kerstin Ott: Im März lebe ich seit einem Jahr vegan. Es ist am Anfang auch eine Wahnsinnsumstellung gewesen. Man glaubt gar nicht, wie lange das dauert, bis man weiß, was man einkaufen soll, welche Produkte, welche nicht, was schmeckt, was schmeckt nicht. Ich bereue es aber nicht einen einzigen Tag.