Einnahme durch Kirchensteuer

Kirchensteuer Sachsen-Anhalt: Weniger Christen zahlen immer mehr

Magdeburg - Die evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) hat erneut Steuereinnahmen in Rekordhöhe verbucht. 2018 waren es nach eigener Schätzung rund 120 Millionen Euro.

Von Hagen Eichler 02.01.2019, 05:10
Die Stadtkirche St. Marien, mit einem Altar von Lucas Cranach d. Ä. in Wittenberg
Die Stadtkirche St. Marien, mit einem Altar von Lucas Cranach d. Ä. in Wittenberg imago stock&people

Die evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) hat erneut Steuereinnahmen in Rekordhöhe verbucht. 2018 waren es nach eigener Schätzung rund 120 Millionen Euro.

Das sind 38 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Grund für den rasanten Anstieg ist die gute Konjunktur mit hoher Beschäftigung und steigenden Haushaltseinkommen, die auch dem Staat hohe Steuereinnahmen bescheren. Kirchenmitglieder zahlen auf ihre Lohn- und Einkommenssteuer einen Aufschlag von neun Prozent.

Kirche in Mitteldeutschland schrumpft

Die EKM umfasst den größten Teil von Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Steuermehreinnahmen stehen in hartem Kontrast zur Zahl der Mitglieder: Jahr für Jahr schrumpft die Kirche um etwa 20.000 Menschen. Das liegt vor allem daran, dass die Zahl der Todesfälle die der Taufen deutlich übersteigt. 2018 dürfte die Zahl der Mitglieder unter 700.000 gesunken sein; offizielle Zahlen gibt es noch nicht.

Für den Zuwachs bei der Kirchensteuer ist nur ein kleiner Teil der Kirchenmitglieder verantwortlich. Sehr viele Christen haben das Erwerbsleben bereits hinter sich und zahlen daher keine Kirchensteuer. Ihre stärksten Jahrgänge hat die EKM bei den 70- bis 80-Jährigen. Insgesamt entrichtet nicht einmal jedes dritte Mitglied Kirchensteuer. Die einkommensstärksten sechs Prozent bringen 65 Prozent der Steuereinnahmen auf.

EKM auf finanzielle Hilfe angewiesen

Trotz der stetig wachsenden Einnahmen ist die EKM weiterhin auf Hilfe angewiesen. Die reichen Landeskirchen im Westen und Süden steuern auch im kommenden Jahr 25 Prozent des Budgets bei. Von einer „chronisch ungesunden Finanzierung“ spricht EKM-Finanzdezernent Stefan Große. Weitere 20 Prozent der Einnahmen zahlt der Staat als Kompensation für die Enteignung von Kirchenbesitz vor mehr als 200 Jahren.

Die katholische Kirche in Sachsen-Anhalt hat für 2018 noch keine Steuer-Prognose abgegeben. Im vergangenen Jahr kassierte das Bistum Magdeburg rund 15,4 Millionen Euro Kirchensteuer und damit ähnlich viel wie in den Vorjahren. Stabil sind die Erträge auch bei der kleinen evangelischen Landeskirche Anhalts.

Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft kassierte die evangelische Kirche in diesem Jahr deutschlandweit 7 Milliarden Euro, die katholische Kirche 8,2 Milliarden Euro. Laut Studie steigen die Einnahmen noch bis ins Jahr 2023.

In Sachsen-Anhalt stellen sich die Kirchenlenker bereits jetzt auf schlechtere Zeiten ein. Das hat Folgen für den sogenannten Verkündigungsdienst, also Pfarrer, Kirchenmusiker und Gemeindepädagogen. Die EKM hat die Zahl der Stellen zum Jahresbeginn um 80 auf 958 gekürzt.

Steuer auf Moscheen?

Unterdessen wird der Einzug der Kirchensteuer durch staatliche Finanzämter auch als Modell für Deutschlands Muslime diskutiert. Politiker der Union, von SPD und Grünen haben sich offen für eine „Moscheesteuer“ gezeigt. Ihr Ziel ist es, die Abhängigkeit islamischer Gemeinden von ausländischen Geldgebern zu verringern.

Derzeit zählt etwa Saudi-Arabien zu den Ländern, die eine radikale Auslegung des Islam durch Geld und Entsendung von Predigern fördert. Damit Moscheen Steuern erheben können, müssten sie als Körperschaft des öffentlichen rechts anerkannt sein. (mz)