Erdbeben zwischen Leipzig und Halle

Erdbeben zwischen Leipzig und Halle: Warum das in der Region nicht ungewöhnlich ist

Halle (Saale) - Ein Erdbeben hat in der Nacht zu Sonnabend die Region Leipzig-Halle erschüttert. Zwar waren der Polizei in beiden Städten bis zum Montagnachmittag keine damit zusammenhängenden Schäden oder Ereignisse bekannt. Wer in der Gegend wohnt, konnte das Beben aber spüren. MZ-Redakteurin Antonie Städter sprach über das geologische Ereignis mit Professor Frederik Tilmann. Er ist Seismologe am Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches Geoforschungszentrum ...

01.05.2017, 17:10
Auf einem Seismographen wurden Erdstöße aufgezeichnet.
Auf einem Seismographen wurden Erdstöße aufgezeichnet. dpa

Ein Erdbeben hat in der Nacht zu Sonnabend die Region Leipzig-Halle erschüttert. Zwar waren der Polizei in beiden Städten bis zum Montagnachmittag keine damit zusammenhängenden Schäden oder Ereignisse bekannt. Wer in der Gegend wohnt, konnte das Beben aber spüren. MZ-Redakteurin Antonie Städter sprach über das geologische Ereignis mit Professor Frederik Tilmann. Er ist Seismologe am Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches Geoforschungszentrum (GFZ).

Herr Professor Tilmann, waren Sie überrascht, als Sie von dem Beben im Raum Leipzig-Halle erfahren haben?

Tilmann: Nein, das war keine besondere Überraschung für mich. Es hatte eine Stärke von 3,0 und war damit ein leichtes Erdbeben. Erdstöße dieser Größe kommen immer wieder vor.

Was genau ist passiert?

Tilmann: Um kurz vor drei Uhr in der Nacht zu Samstag ereignete sich das Beben in der Nähe von Schkeuditz, nicht weit von der Grenze zu Sachsen-Anhalt entfernt. Der Bebenherd befand sich nach unseren Auswertungen rund elf Kilometer unter der Erdoberfläche. Dabei waren die Erdstöße ungefähr eine Minute lang messbar.

Wie fühlt sich ein Beben dieser Stärke an?

Tilmann: Für die Menschen in dem betreffenden Gebiet ist die Erschütterung deutlich spürbar - ähnlich wie ein großer Lastwagen, der ganz dicht am Haus vorbeifährt, aber stärker und etwas länger anhaltend. Es kann sein, dass die Gläser im Schrank klirren, eine Lampe schwingt. Doch auch wenn solch ein Beben für die Menschen, die in der Gegend wohnen, natürlich ein außergewöhnliches Ereignis ist - für uns Seismologen ist dies in der Region Leipzig-Halle nichts Ungewöhnliches und keine Seltenheit. Ganz in der Nähe hatte zuletzt am 16. April 2015 die Erde gezittert. Das Erdbeben damals hatte die Magnitude 3,3.

Wieso kommen solche Beben gerade in dieser Gegend immer wieder vor?

Tilmann: Der Ort und die Herdtiefe sprechen dafür, dass die Ursache der Erdstöße in der Regensburg-Leipzig-Störungszone liegt. Das ist eine kleinere Schwächezone in der Erdkruste mit vielen kleinen geologischen Verwerfungen, die in einer Nord-Süd-Linie von Leipzig aus verläuft. Im Bereich Leipzig-Halle ist die seismische Aktivität jedoch relativ gering. Andere Gegenden - zum Beispiel das deutsch-tschechische Grenzgebiet im Bereich des Vogtlands - sind stärker und häufiger von Beben betroffen.

Sind Nachbeben zu erwarten?

Tilmann: Es ist fast sicher, dass kleinere Nachbeben stattfinden werden. Sie werden für die Bewohner vor Ort aber wohl nicht spürbar sein, da die Stärke solcher Nachbeben meist deutlich geringer ausfällt. Im konkreten Fall wäre dies also eher unterhalb der Wahrnehmungsgrenze. Es gibt keinen Grund, sich Sorgen zu machen. (mz)