Deutsche Bahn

Deutsche Bahn: Neue IC-Züge kommen mit Verspätung

Halle (Saale) - Warten auf den Zug - bei der Deutschen Bahn gilt das derzeit auch mit Blick auf die Lieferung von längst bestellten und versprochenen neuen Waggons für IC-Züge. Es sollen erstmals Doppelstockwagen eingesetzt werden, unter anderem auf der IC-Strecke Leipzig-Halle-Hannover. Die derzeitige Flotte aus aufgemöbelten, oft jahrzehntealten Schnellzugwagen soll ersetzt werden. Davon sprechen die Bahnverantwortlichen seit Jahren, Termine verschieben sich allerdings immer wieder. Nun ist von Ende 2015 die ...

Von Johannes Dörries 15.12.2014, 21:22

Warten auf den Zug - bei der Deutschen Bahn gilt das derzeit auch mit Blick auf die Lieferung von längst bestellten und versprochenen neuen Waggons für IC-Züge. Es sollen erstmals Doppelstockwagen eingesetzt werden, unter anderem auf der IC-Strecke Leipzig-Halle-Hannover. Die derzeitige Flotte aus aufgemöbelten, oft jahrzehntealten Schnellzugwagen soll ersetzt werden. Davon sprechen die Bahnverantwortlichen seit Jahren, Termine verschieben sich allerdings immer wieder. Nun ist von Ende 2015 die Rede.

Lieferverzug und Zulassungsschwierigkeiten

Als vor zwei Jahren Magdeburg seinen Anschluss an das ICE-Netz einbüßte, vertröstete der Bahn-Konzernbevollmächtigte Jobst Paul die Kunden: IC-Züge seien dem ICE bei Komfort und Technik ebenbürtig. Und ab 2014, so kündigte Paul an, sollten 27 hochmoderne Doppelstock-ICs fahren. „Damit bekommt Sachsen-Anhalt etwas ganz Neues.“ Die Bahn wartet bis heute auf die Lieferung der Züge durch den Hersteller Bombardier.

Lieferverzögerungen sind kein Einzelfall bei der Bahn. Ein Beispiel ist die Talent 2: Lange galt der Elektrotriebwagen, der auch im hiesigen S-Bahn-Netz fährt, als Sorgenkind. Die Deutsche Bahn hatte mit dem Hersteller Bombardier einen Rahmenvertrag über knapp 300 Züge geschlossen, aus dem dann für einzelne Streckennetze Fahrzeuge abgerufen werden können. Doch rund 100 Talent-2-Züge standen zwei Jahre auf Halde im Hennigsdorfer Bombardier-Werk nahe Berlin. Wegen Softwareproblemen hatte das Eisenbahnbundesamt keine Betriebserlaubnis erteilt. Bombardier klagte seinerseits, die Behörde habe während der Produktion immer wieder Zulassungsnormen verändert. Die Folge: Auf vielen Strecken konnte die Bahn die Triebwagen viel später einsetzen als geplant.

Auch die für die Erweiterung des hiesigen S-Bahn-Netzes Richtung Wittenberg und Dessau vorgesehenen „Talent“-Züge werden nicht pünktlich fertig. Die Bahn hatte erst nach einem langwierigen Vergabestreit den Zuschlag für die Strecken erhalten und die Fahrzeuge deswegen zu spät bestellt. Stattdessen sollen ab Dezember 2015 zunächst Doppelstockwagen eingesetzt werden.

ICE 3: Ende 2008 bestellte die Bahn bei Siemens 16 ICE3-Züge. Sie sollten 2011 ihre Fahrten aufnehmen. Das allerdings verzögerte sich mehrfach, weil die Zulassung durch das Eisenbahn-Bundesamt fehlte - sie wurde erst vor einem Jahr erteilt. Diese Züge, sind auch für den internationalen Einsatz vorgesehen. Der allerdings wird nach Schätzung der Bahn wohl kaum vor Ende 2016 komplett möglich. Wegen der Verzögerungen hatte es Verwerfungen zwischen Bahn, Siemens und Eisenbahn-Bundesamt gegeben.

Die kündigt Bombardier-Sprecher Immo von Fallois nun für das kommende Jahr an. Die Züge sollen zum Fahrplanwechsel im Dezember 2015 fahren. Als Grund für die Verspätung nennt er die Zulassung durch das Eisenbahn-Bundesamt. Dort seien während der Entwicklung mehrfach „zusätzliche Nachweise“ gefordert worden.

Schlechte Kritik für Prototypen

Erste Prototypen der zweistöckigen IC von Bombardier gibt es inzwischen, sie sind im Herbst in Berlin und Leipzig präsentiert worden. Und haben schlechte Kritiken geerntet. Jan Krehl etwa, Regionalsprecher vom bahnkritischen Verkehrsclub Deutschland (VCD) Halle/Saalekreis, sieht eine Verschlechterung gegenüber den jetzt rollenden Waggons. Es gebe zu wenig Platz für Koffer, der Raum im oberen Bereich der Wagen sei beengt, die Sitze seien zu wenig gepolstert und damit unbequem. Krehl: „Die Bahn will mit Nahverkehrswagen im Fernverkehr fahren.“ Ein weiterer Kritikpunkt: In den Doppelstockzügen der künftigen ICs fehlten Bistro- oder Speisewagen. Platz gebe es nur für Automaten. „Da bieten schon die meisten Fernbusse mehr Komfort mit bequemeren Sitzen und einem besseren Catering“, sagte Krehl.

Bahnsprecher Bönisch beschreibt die künftigen IC-Züge anders: Sie hätten „Ausstattungsmerkmale des Fernverkehrs“, etwa bei Sitzabstand sowie der ergonomischen Sitz-Gestaltung. Bombardier-Mann von Fallois spricht von „gehobener Ausstattung“.

Bönisch räumt allerdings ein, dass es in den neuen ICs keine Bistrowagen geben werde. Das „Gastro-Konzept“ ist noch in Arbeit, klar sei aber: Es werde einen „komfortablen Am-Platz-Service“ geben. Erst mit dem Fahrplanwechsel am vergangenen Wochenende hatte die Bahn auf zwei durch Sachen-Anhalt laufenden IC-Verbindungen die Bistrowagen ausrangiert (die MZ berichtete). Für Bahnkritiker Krehl ist das eine versteckte Preiserhöhung: In den IC-Zügen geben es nun fürs gleiche Geld weniger Komfort. (mz)