„So noch nicht erlebt“

Warum sich SPD-Stadtrat derzeit wenig Freunde macht

SPD-Abgeordneter Torsten Fulczynski hat sich in den vergangenen Wochen wenig Freunde im Hohenmölsener Stadtrat gemacht. Welche Kritik es gibt.

Hohenmölsen - Als stiller Beobachter konnte man in den vergangenen Wochen eines feststellen: Der Ton im Hohenmölsener Stadtrat ist merklich rauer geworden. Streitigkeiten treten auf, die gar ins persönliche abdriften, was man aus der Drei-Türmer-Stadt bisher noch gar nicht kannte. Der (vorläufige) Höhepunkte wurde vor Kurzem in einer digitalen Sitzung des Bauausschusses erreicht, als die Fetzen geflogen sind (die MZ berichtete). Im Mittelpunkt: SPD-Stadtrat Torsten Fulczynski, dessen Art und Weise der Kritikäußerung in Richtung Stadt in der Sitzung angeprangert wurde.

Vor allem ging es um das Thema Riebeckberg in Granschütz, wo ein neues Wohngebiet entstehen soll, der Boden aber verseucht und das Grundwasser kontaminiert ist. Fulczynski griff die Verwaltung öffentlich in der MZ an und kritisierte, als Stadtrat nicht über die Bodenproblematik frühzeitig informiert worden zu sein. Der Disput führte letztlich so weit, dass Bürgermeister Andy Haugk (parteilos) ungewohnt schroffe Töne anschlug. „Bleiben Sie bei der Wahrheit“, sagte er in Richtung Fulczynskis.

38-Jähriger sitzt seit 2019 für die SPD im Hohenmölsener Stadtrat

Der 38-Jährige sitzt seit 2019 für die SPD im Hohenmölsener Stadtrat. In dieser Zeit hat der Jurist bereits für mächtig Wirbel gesorgt: Der Mibrag unterstellte er, mit für den Wasserverlust im Mondsee verantwortlich zu sein. Der damaligen Verbandsgeschäftsführerin des Zweckverbandes „Erholungspark Mondsee“, Carina Radon, drohte er öffentlich mit einer Klage, sollte sie ihm angeforderte Unterlagen des Verbandes, in dessen Aufsichtsrat Fulczynski sitzt, nicht aushändigen. Jetzt die Geschichte mit dem Boden am Riebeckberg.

All das sind Sachen, die dem langjährigen CDU-Stadtrat und Vorsitzenden des Bauausschusses, Michael Braun, so gar nicht passen: „Eine Herangehensweise wie von Ihnen habe ich hier so noch nicht erlebt und ich bin seit 1999 im Stadtrat“, sagte Braun in jener emotionsgeladenen Bauausschusssitzung. Alle gewählten Stadträte seien - unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit - angetreten, um die Stadt Hohenmölsen voranzubringen. „Das haben wir in den vergangenen Jahrzehnten mit Bravour hingekriegt und jetzt funktioniert das nicht mehr“, sagte Braun, der Fulczynski öffentlich aufforderte, „mal in sich zu gehen.“ Auch Stadträtin Katrin Schmoranzer von der Wählergemeinschaft „Aktives Hohenmölsener Land“ kritisierte in der Sitzung die Vorgehensweise Fulczynskis im Fall Riebeckberg.

„Ich trage meine Bedenken sachlich vor und werde das auch weiter so tun“

Der wiederum kann dies nicht nachvollziehen. „Ich trage meine Bedenken sachlich vor und werde das auch weiter so tun. Zumal ich Tatsachen und Umstände anspreche, die nachweisbar sind“, sagt der Hohenmölsener auf MZ-Nachfrage. Er und seine Fraktionskollegen hätten zuletzt viele Probleme angesprochen, wie eben jene Bodenverseuchung am Riebeckberg oder die Winterdienstaffäre, bei der dem Bauamt unterstellt wurde, bei Räumungsarbeiten bevorzugt worden zu sein. Einwohner hatten sich damals an die SPD-Fraktion gewandt, die das Thema im Stadtrat - zum Ärgernis anderer Fraktionen und der Stadt - öffentlich ansprach. Die Verwaltung wies die Vorwürfe zurück. „Es gehört einfach dazu, auch mal Dinge anzusprechen, die für die Stadtverwaltung nicht so schön sind“, erklärt Fulczynski.

Rückendeckung erhält er von seinem Fraktionsvorsitzenden Jens Neumann: „Herr Fulczynski ist jemand, der sehr direkt ist, aber Kritik immer sachlich und begründet vorträgt“, so Neumann. Als Fraktion stimme man sich inhaltlich immer ab, vor allem beim Riebeckberg sei die Kritik am Vorgehen der Stadtverwaltung berechtigt gewesen, da die Bodenproblematik nachgewiesen sei. (mz/Tobias Schlegel)