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Reichsbürger: Darum muss Adrian Ursache Weihnachten im Gefängnis verbringen

Zeitz/Leipzig - Der ehemalige Mister Germany Adrian Ursache wird Weihnachten aller Voraussicht nach in Untersuchungshaft in einem normalen Gefängnis in Sachsen-Anhalt und nicht im Haftkrankenhaus der Justizvollzugsanstalt Leipzig verbringen. Wie Hans-Jürgen Neufang, Sprecher der Staatsanwaltschaft Naumburg, am Mittwoch auf Anfrage sagte, steht die Verlegung des Mannes, der den Reichsbürgern nahesteht, kurz bevor. Adrian Ursache wird seit Ende August in Leipzig medizinisch versorgt. Zunächst lag er auf einer Intensivstation, daraufhin - bis jetzt - im Haftkrankenhaus in der ...

Von Torsten Gerbank

Der ehemalige Mister Germany Adrian Ursache wird Weihnachten aller Voraussicht nach in Untersuchungshaft in einem normalen Gefängnis in Sachsen-Anhalt und nicht im Haftkrankenhaus der Justizvollzugsanstalt Leipzig verbringen. Wie Hans-Jürgen Neufang, Sprecher der Staatsanwaltschaft Naumburg, am Mittwoch auf Anfrage sagte, steht die Verlegung des Mannes, der den Reichsbürgern nahesteht, kurz bevor. Adrian Ursache wird seit Ende August in Leipzig medizinisch versorgt. Zunächst lag er auf einer Intensivstation, daraufhin - bis jetzt - im Haftkrankenhaus in der Messestadt.

Ursache war im August in Reuden bei einem Schusswechsel mit der Polizei schwer verletzt worden. Der Mann und seine Familie sollten damals unter Zwang ihr ehemaliges Eigenheim in der Reudener Poststraße verlassen. Das Haus war zuvor aufgrund eines Schuldenberges, den die Familie angehäuft hatte, zwangsversteigert worden.

Adrian Ursache wird Totschlag vorgeworfen

Ursache, der auf seinem ehemaligen Grundstück seinen Fantasiestaat „Ur“ ausgerufen hatte, wollte sich offenbar der Zwangsräumung widersetzen. Er war bereits im Vorfeld der angesetzten Zwangsräumung als gewaltbereit eingestuft worden. Deshalb wurde der zuständige Gerichtsvollzieher bei seiner Arbeit von rund 200 Polizisten unterstützt. Letztendlich soll Ursache den Beamten mit einer Waffe entgegengetreten sein und auch als erster das Feuer eröffnet haben. Ihm wird nun versuchter Totschlag vorgeworfen. Der erlassene Haftbefehl gegen ihn ist noch im August verkündet und vollstreckt worden. Sicherheitsbehörden stufen die Tat, die Ursaches vorgeworfen wird, inzwischen sogar als rechtsextrem motivierten versuchten Totschlag ein.

Wann Ursache aus dem Haftkrankenhaus verlegt wird, dazu macht die Staatsanwaltschaft ebenso wenig Angaben wie zu dem Gefängnis, in das er verlegt werden soll. Ein Grund dafür ist laut Neufang die Sorge, dass es zu Aufmärschen und Protesten von Reichsbürgern und Ursache-Sympathisanten kommen könnte. Reichsbürger erkennen die Bundesrepublik nicht als Staat an. Künftig wird die sogenannte Reichsbürger-Bewegung vom Verfassungsschutz beobachtet. Darauf hatten sich die Verfassungsschutzämter von Bund und Ländern geeinigt. Grund: Es gibt laut Innenministerium Anhaltspunkte für extremistische Bestrebungen.

Anklage steht derzeit nichts entgegen

Die Staatsanwaltschaft ist laut Neufang derzeit dabei, aus den bislang vorliegenden Ermittlungsergebnissen die sogenannte Abschlussverfügung zu erstellen. Mit ihr dirigiert die Staatsanwaltschaft sozusagen den Fortgang des Verfahrens. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Verfahren abzuschließen. Es kann zum Beispiel eingestellt werden, weil eine bestimmte Tat nicht nachgewiesen werden kann oder es kann natürlich Anklage erhoben werden.

Über welchen Zeitraum hinweg im konkreten Fall Ursache die Abschlussverfügung erarbeitet wird und was drin steht, dazu sagte Neufang nichts. Aber: „Das dauert ein paar Tage. Es ist ein nicht ganz einfacher Fall.“ Und, in puncto möglicher Anklage gegen Adrian Ursache sagte Neufang: „Ich wüsste nichts, was dem im Moment entgegensteht.“ (mz)