Prozess um Postraub von Freyburg Prozess um Postraub von Freyburg: Frau mit Kabelbindern ans Lenkrad gefesselt
Freyburg/Halle (Saale) - Als „kleinen, lustigen Kautz“ habe sie den Angeklagten vor einigen Jahren über eine Bekannte kennengelernt und mit ihm eine lose Bekanntschaft gepflegt, erzählte eine Freyburgerin am Dienstag im Landgericht Halle, als der Prozess wegen räuberischer Erpressung in Freyburg fortgesetzt wurde. Seit 18. Januar vergangenen Jahres, fügte die Frau hinzu, sei das anders, sie sei dem Mann nicht mehr begegnet.
Am Abend besagten Januartages war die Freyburgerin zum Feierabend vor ihrer Arbeitsstätte, der Postagentur mit Bankgeschäft, von einem bewaffneten Mann gezwungen worden, mit ihm in ihrem Auto durch Freyburg zu fahren, wobei dieser ihre linke Hand mit einem Kabelbinder am Lenkrad gefesselt hatte.
Hand der Frau mit Kabelbinder am Lenkrad fesgebunden
Unterwegs hielten sie nahe der Ehrauberge an, wo er aus ihrer Handtasche die Schlüssel der Postagentur an sich nahm und sich erklären ließ, wie er unbeachtet an den Tresor käme. Er ließ sich zurück zur Postagentur fahren, band dort auch die rechte Hand der Frau mit Kabelbinder am Lenkrad fest und verschwand in der Postagentur, um sich rund 20.000 Euro aus dem Tresor zu holen.
Mit der Beute ging es zu einem abgelegenen Parkplatz an der Saale bei Almrich. Dort ließ der Mann die Frau, wieder mit beiden Händen gefesselt, zurück. Als Verdächtiger wurde der Mann später ausfindig gemacht und ist nun angeklagt.
Geisel im Prozess: Kein intimes Verhältnis mit Entführer
Anders als der 28-jährige Angeklagte, der zum Prozessauftakt von einer langen Affäre mit der Frau gesprochen und die Schuld von sich schob, betonte nun die 37-Jährige, dass sie kein intimes Verhältnis gehabt hätten. Allerdings könne sie nicht sagen, ob der Angeklagte der Täter ist. Dieser sei maskiert gewesen. Auch an der Stimme habe sie ihn nicht erkannt, sagte sie.
Als sie auf dem Parkplatz an der Saale von einem Polizisten aus ihrer schrecklichen Lage befreit worden war - eine Passantin hatte die im Auto gefesselte Frau entdeckt und Hilfe geholt -, habe sie einen Nervenzusammenbruch erlitten. Sie wurde ins Klinikum gebracht und 14 Tage lang in der Psychiatrischen Klinik stationär behandelt.
Prozess in Halle: Urteil wird nicht vor Mitte oder Ende Oktober erwartet
Später habe sie über die Berufsgenossenschaft eine psychologische Betreuung erhalten - erst ambulant, später für ein Vierteljahr stationär in Dresden. Die Diagnose: Posttraumatische Belastungsstörung. Seit Dezember 2017 geht sie wieder arbeiten. Noch heute ist sie in ambulanter Behandlung.
Wie letztlich der 28-Jährige als Verdächtiger ausgemacht werden konnte, wurde im Prozess noch nicht erörtert. Weitere Verhandlungstage sind geplant. Das Urteil wird nicht vor Mitte oder Ende Oktober erwartet. (mz)