Brunnen steht

Mondsee bekommt ab Sommer neues Wasser

Ab Sommer soll neues Wasser in den Mondsee fließen und so den Verlust der vergangenen Jahre ausgleichen. Welche Kosten dabei entstehen.

Von Tobias Schlegel
Die Betreiber des Mondsees stehen an dem Brunnen, der auf den ersten Blick mehr wie ein Fass aussieht.
Die Betreiber des Mondsees stehen an dem Brunnen, der auf den ersten Blick mehr wie ein Fass aussieht. (Foto: Peter Lisker)

Hohenmölsen - Unscheinbar und leicht zu übersehen steht er da - knapp einen Meter groß. Man könnte meinen, es ist nur ein rotes Fass. In Wirklichkeit handelt es sich hierbei aber um einen Brunnen, der die jahrelange Wasserproblematik am Mondsee endlich beenden soll. In dieser Woche ist der Brunnen nach monatelanger Vorbereitung keine 50 Meter vom Ufer gebohrt worden. In einer Tiefe von 115 Meter war Schluss - das dortige Grundwasser soll ab Sommer in den Mondsee fließen, um den dramatischen Wasserverlust auszugleichen. Über den Stand des Vorhabens hat der Betreiber, der Zweckverband Erholungspark Mondsee, am Donnerstag informiert.

Die Laune von Verbandsdirektor Andy Haugk ist gut an diesem Tag - schließlich gibt es auch gute Nachrichten zu verkünden. Der Brunnenbau hat begonnen, die Bohrungen sind abgeschlossen, Elektroleitungen verlegt und nun soll nur noch weitere Technik um den Brunnen herum installiert werden, damit ab Sommer der See geflutet werden kann. 350 Millionen Liter Wasser sollen insgesamt fließen - so viel, wie der Mondsee durch die geringen Niederschläge seit 2017 verloren hat. Der Pegel ist um über einen Meter gesunken, an manchen Ufern ist das Wasser derart zurückgegangen, dass sich große Sandbänke gebildet haben. Die beliebte Rutsche ist wegen des Wasserverlustes seit drei Jahren schon gesperrt (die MZ berichtete). Seitdem hat der Zweckverband nach Lösungen gesucht, um dem See neues Wasser zuzuführen. Ende 2019 fiel die Entscheidung, einen Brunnen zu bauen und Grundwasser in den See zu pumpen. Seitdem laufen die Planungen für das Vorhaben, Fördermittel wurden beantragt und Genehmigungen - etwa in Sachen Naturschutz - eingeholt.

„Es wird ein langer Prozess, um das Defizit auszugleichen“

Zwei bis drei Jahre werde es wohl dauern, bis die verdunsteten 350 Millionen Liter Wasser wieder in den See gepumpt sind. Der Zweckverband rechnet mit einer Pumpleistung von 20.000 Litern pro Stunde. „Es wird ein langer Prozess, um das Defizit auszugleichen“, sagt Maik Simon, Leiter Kommunikation der Mibrag. Das Bergbauunternehmen betreibt den Erholungspark zusammen mit den Städten Teuchern und Hohenmölsen.

Randy Möller (l.) und Martin Taute vom der Firma „Bohr- und Brunnenbau“ bringen die  Brunnennummer an.
Randy Möller (l.) und Martin Taute vom der Firma „Bohr- und Brunnenbau“ bringen die Brunnennummer an.
(Foto: Peter Lisker)

Aus wirtschaftlichen Gründen - die Ausschreibung für die Bohrleistung schlug Anfang des Jahres fehl, da Firmen zu viel Geld wollten - habe sich die Mibrag dazu entschlossen, die Bohrung selbst vorzunehmen, zumal man über jahrzehntelange Erfahrung und Expertise auf diesem Gebiet verfüge. Ausgeführt wurde die Bohrung von dem Unternehmen „Bohr- und Brunnenbau“, einer hundertprozentigen Tochterfirma der Mibrag. „Wir wollen den Status des Mondsees perspektivisch erhalten. Dieser ist ein touristisches Highlight in der Region“, so Simon.

Brunnenbau an sich kostet rund 265.000 Euro

Dafür nimmt der Zweckverband auch eine Menge Geld in die Hand. Der Brunnenbau an sich kostet rund 265.000 Euro, über ein EU-Programm hat der Verband Fördermittel in Höhe von 130.000 Euro erhalten. Zusätzlich müssen jedoch nun jährlich rund 50.000 Euro an Betriebskosten investiert werden. Allein diese Summe macht etwa 17 Prozent des Jahresbudgets des Zweckverbandes aus. Die Finanzierung übernehmen die Mibrag und die Städte Teuchern und Hohenmölsen komplett. „Die Maßnahme wird keine Auswirkungen auf die Preise am Mondsee haben“, versichert Verbandschef Haugk.

An den Ufern des Sees ist das Wasser spürbar zurückgegangen.
An den Ufern des Sees ist das Wasser spürbar zurückgegangen.
(Foto: Peter Lisker)

Von den Arbeiten und der Flutung werden die Besucher des Erholungsparkes auch nichts merken. Der Brunnen steht nicht im Badebereich, sondern ist einen halben Kilometer davon entfernt. Das Grundwasser, was neu in den See kommt, sei von guter Qualität, versichert die Mibrag. Zumal der Mondsee nach der gleichen Methode Anfang der 1990er Jahre das erste Mal geflutet wurde. Über zwei Tiefbrunnen ist damals Wasser in ein Tagebaurestloch gepumpt worden. Dieses gehörte zum damaligen Tagebau Pirkau.

Tiefbrunnen wurden 2013 entfernt

Diese Brunnen wurden nach der Flutung abgeschaltet. Die jährlichen Niederschläge waren ausreichend, um den Pegel zu halten. Wie Haugk erzählt, musste sogar mal „der Stöpsel gezogen“ und Wasser abgelassen werden, weil sich zu viel in dem See befand. Die Tiefbrunnen wurden 2013 entfernt - auch, weil sie nach jahrelangem Stillstand nicht mehr funktionstüchtig waren.

Das soll nun vermieden werden. Der neue Brunnen wird regelmäßig gewartet - auch dann, wenn in zwei oder drei Jahren der reguläre Pegelstand von 2017 wieder erreicht ist und er erstmal abgestellt werden kann. Als „Reserve“, so Haugk, soll der Brunnen danach dienen, um im Falle eines erneuten Wasserverlustes sofort reagieren zu können. Der Brunnen besitzt laut Mibrag eine Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren. (mz)