Viele „artfremden“ Einsätze

Frust bei Brandbekämpfern im Burgenlandkreis

Im Vergleich zu anderen Landkreisen werden Ehrenamtliche im Burgenlandkreis oft zu „artfremden“ Einsätzen gerufen. Welche Probleme die Betroffenen darin sehen.

Von Martin Walter
Die Feuerwehrleute im Burgenlandkreis werden häufiger als andernorts zur Absicherung von Hubschrauberlandungen angefordert. Foto: Peter Lisker

Weißenfels/Zeitz - Es ist ein wiederkehrendes Thema im Innenausschuss des Burgenlandkreises: Einsätze der Feuerwehren, die eigentlich nicht in ihren primären Aufgabenbereich fallen, allen voran die Absicherung von Hubschrauberlandungen und Türöffnungen in Notfällen. In der jüngsten Sitzung stand das Thema erneut auf der Tagesordnung und wurde von Zahlen der Kreisverwaltung unterfüttert. Das Fazit ist ernüchternd: Obwohl die Verantwortlichen von der Leitstelle und den Rettungsdiensten sensibilisiert worden seien, die Feuerwehren nur zu Einsätzen zu rufen, in denen sie unabdingbar sind, bleiben die Zahlen im Burgenlandkreis auf einem ähnlich hohen Niveau.

„Was machen die anderen Landkreise anders?“, fragte der Weißenfelser Kreistagsabgeordnete Rüdiger Erben (SPD) und wies darauf hin, dass es im vergangenen Jahr beispielsweise nur einen Einsatz in Mansfeld-Südharz gab, bei dem Feuerwehrleute eine Hubschrauberlandung abgesichert hätten. Im Landkreis Börde sei das sogar gar nicht vorgekommen. Warum es hier verhältnismäßig viele Hubschraubereinsätze gibt, begründet die Kreisverwaltung mit der guten Lage zwischen den Städten Halle, Leipzig und Jena.

Wann die Feuerwehr zu Hubschrauberlandungen hinzugezogen wird

Die Frage bleibt jedoch, ob es dazu so oft eine Absicherung durch die Feuerwehr braucht. Als einen seiner Meinung nach unsinnigen Einsatz führte Rüdiger Erben beispielhaft eine Hubschrauberlandung an einem Sonntagvormittag in der Nähe der Weißenfelser Schwimmhalle an, bei dem vier Feuerwehrleute vor Ort waren, obwohl es nicht nur hell war, sondern der Landeplatz auch keiner zusätzliche Absicherung bedürft habe.

Zwar habe sich die Kreisverwaltung bereits mit den umliegenden Landkreisen ausgetauscht. Diese würden es unterschiedlich handhaben, ob und wann die Feuerwehr zu Hubschrauberlandungen hinzugezogen wird. Zu einer klaren Erkenntnis, warum es dort weniger Einsätze als im Burgenlandkreis gibt, sei man jedoch nicht gelangt, sagte Frank Schröder, Leiter des Amts für Brand- und Katastrophenschutz.

ADAC Luftrettung mit Sitz im sächsischen Dölzig

Im vergangenen Jahr habe die ADAC Luftrettung mit Sitz im sächsischen Dölzig laut Rüdiger Erben 144 Einsätze in ganz Sachsen-Anhalt geflogen - einige davon auch in Landkreisen, in denen die Feuerwehren die Landungen nicht absichern. Eine Vielzahl von ihnen dürfte sich aber im Burgenlandkreis abgespielt haben. Ein Vertreter der Organisation soll nun in eine der nächsten Sitzungen eingeladen werden. Die Mitglieder des Innenausschusses und die Mitarbeiter der Kreisverwaltung erhoffen sich dadurch, ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen, warum die Kameraden im Burgenlandkreis so oft hinzugezogen werden.

Ebenfalls nicht in den eigentlichen Aufgabenbereich der Feuerwehren fallen Türöffnungen in Notfallsituationen. Laut dem Naumburger Feuerwehrmann Maik Zeugner sei jeder fünfte Einsatz der örtlichen Feuerwehr im vergangenen Jahr auf eine Türöffnung zurückzuführen. Und bei wiederum jedem fünften dieser Einsätze sei die Tür bereits offen gewesen. Solche „Fehlalarme“ würden zu „Desillusion und Frust“ führen und die künftige Einsatzbereitschaft der Kameraden mindern, befürchtete der Naumburger Stadtwehrleiter Christian Schirner.

Frank Schröder wandte dazu ein, dass die Disponenten in der Leitstelle höchstens eine Minute Zeit hätten, um zu entscheiden, ob die Feuerwehr alarmiert wird. Dass Schlüsseldienste in solchen Fällen nur selten herangezogen werden, begründete Kreisbrandmeister Silvio Suchy mit einem Fall, bei dem das versucht worden sei. Der Mitarbeiter hätte jedoch angegeben, rund eineinhalb Stunden bis zur Einsatzstelle zu brauchen. Dass die Feuerwehr dann gerufen wird, wenn es um Leben und Tod geht, war unstrittig. „Doch müssen nicht alle Kameraden alarmiert werden. In solchen Fällen reichen zwei Mann“, gab Udo Mänicke, Bürgermeister von und Feuerwehrmann in Freyburg zu bedenken. (mz)

Hubschrauberlandungen und Türöffnungen

Trotz wiederkehrender Kritik hat sich die Anzahl der Einsätze zur Absicherung von Hubschrauberlandungen kaum geändert. Zahlen laut Kreisverwaltung:

2016: 65 Einsätze

2017: 38 Einsätze

2018: 64 Einsätze

2019: 55 Einsätze

2020: 45 Einsätze

2021 (Prognose): 62 Einsätze

Auch zu Türöffnungen rücken die Feuerwehren im Burgenlandkreis häufig aus:

2019:

256 Einsätze

2020: 240 Einsätze

2021 (Prognose):254 Einsätze