Gefördert von der EU

Die Kirche in Draschwitz - ein Kleinod wird herausgeputzt

Die Kirche in Draschwitz erhält 43.000 Euro Fördermittel von der Europäischen Union. Was mit dem Geld gemacht werden soll.

Von Yvette Meinhardt
Ein Blick in die barocke Kirche Draschwitz. Joachim Schäfer agiert seit vielen Jahren   als Gemeindekirchenrat.
Ein Blick in die barocke Kirche Draschwitz. Joachim Schäfer agiert seit vielen Jahren als Gemeindekirchenrat. (Foto: Yvette Meinhardt)

Draschwitz/MZ - Stolz erhebt sich der Turm mit seiner markanten Haube der kleinen Kirche in Draschwitz. Der barocke Bau entstand 1745. In diesen Tagen ist das Kirchenschiff eingerüstet. „Wir stemmen erst einmal den Putz ab, danach wird die Fassade mit Luft abgestrahlt“, erzählt Sven Ebeling von der Firma Junghanns in Würchwitz. Schritt für Schritt folgen dann ein Grund- und anschließend ein Deckputz und schließlich frische Farbe. Schätzungsweise 400 Quadratmeter Fassade werden in Draschwitz saniert. Möglich wird dies durch eine Förderung im Rahmen des Leader-Projektes, welches von der Europäischen Union aufgelegt wurde. Rund 58.000 Euro sind für die Sanierung veranschlagt, zirka 43.000 Euro davon sind Leader-Fördermittel.

Der Kirchturm ist ein Wahrzeichen von  Draschwitz.
Der Kirchturm ist ein Wahrzeichen von Draschwitz.
(Foto: Yvette Meinhardt)

„Wir freuen uns sehr über dieses Geld “, sagt Andrea Kabisch, die im Gemeindekirchenrat im Hintergrund agiert und zum Beispiel die Anträge auf Förderung ausgearbeitet hat. Auch auf der Baustelle schaut sie regelmäßig vorbei, freut sich über den Baufortschritt und versorgt die Arbeiter mit Getränken. Doch eigentlich ist hier Joachim Schäfer die „gute Seele im Haus“. Er ist Gemeindekirchenrat in Draschwitz, hält jeden Dienstagnachmittag seine Sprechstunde im Büro im Pfarrhaus, führt die Kirchenchronik und übernimmt zahlreiche organisatorische Dinge. Zum Glück muss er nicht Rasen mähen, das übernimmt seit Jahren ein einheimischer Gärtner.

Das schöne Sandsteingewände rund um die Tür  wurde bereits saniert.
Das schöne Sandsteingewände rund um die Tür wurde bereits saniert.
(Foto: Yvette Meinhardt)

Doch er kümmert sich um die Gräber, vergibt neue Plätze auf dem Friedhof und kassiert die Kirchensteuer. „1997 habe ich mit einer einjährigen Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM) angefangen, extra dafür eine Schulung in der Volkshochschule gemacht, um mich danach als Ortschronist für unser Dorf einzusetzen“, sagt Schäfer. Ortschronistin wurde später die Bürgermeisterin, Schäfer blieb der Kirche treu. Inzwischen gibt es keinen Ortschronistin mehr im Ort.

„Ich bin in Draschwitz geboren und mein Herz hängt bis heute an unserem Ort“

„Ich bin in Draschwitz geboren und mein Herz hängt bis heute an unserem Ort“, sagt der 69-Jährige. Die Kirchenglocken kann er per Knopfdruck von zu Hause aus läuten, doch immer wieder ist er auch vor Ort im Pfarrhaus. Mal kommt der Schornsteinfeger, dann die Ableser für Gas und Wasser. „Es klopfen auch Ahnenforscher an, also Menschen, die die Wurzeln ihrer Vergangenheit und die Stammbäume ihrer Familien erforschen möchten“, erzählt Schäfer. Das älteste Buch in den Kirchenakten stammt dabei von 1580 und ist gut verschlossen im Tresor. „Irgendwann im Laufe der vielen Jahre haben Unbekannte mal eingebrochen. Dem Buch ist zum Glück nichts passiert“, sagt Schäfer.

Dieser Taufstein stammt aus der alten Kirche von Schwerzau.
Dieser Taufstein stammt aus der alten Kirche von Schwerzau.
(Foto: Yvette Meinhardt)

Als er angefangen hatte, gab es 220 Mitglieder in der evangelischen Kirchgemeinde. Heute ist es etwas mehr als die Hälfte, nämlich drei in Maßnitz, 25 in Alttröglitz, 99 zusammen in Bornitz und Draschwitz. Doch die Zahlen seien inzwischen stabil, es ziehen auch mal ein paar neue Kirchenmitglieder in die Elsteraue.

Am 15. Juni 1745 wurde der 61 Ellen hohe neue Turm geweiht

Die kleine Kirche braucht sich nicht zu verstecken, sondern ist durchaus einen Besuch wert. Nur einen Steinwurf weit vom Radweg an der Weißen Elster entfernt, kann man hier durchaus einen Abstecher machen. Schon seit 1422 hatte Draschwitz eine eigene Kapelle. 1452 wird erstmals eine Kirche erwähnt. Im heutigen Gotteshaus erinnert noch ein altes Sakramentshäuschen in einer Seitenwand an die Vorgängerbauten. Nach 300 Jahren drohte die alte Kirche einzustürzen und man beschloss, den steinernen Turm von Grund auf neu zu bauen. Dieser Bau begann am 19. August 1742. Am 15. Juni 1745 wurde der 61 Ellen hohe neue Turm geweiht, die vorhandenen drei Glocken und das ausgebesserte Uhrwerk wieder angebracht. Im Turmknopf liegen Urkunden, die Geschichte über den Turmbau und ein Einwohnerverzeichnis.

Sven Elbing (links) und Dirk Ehrt arbeiten an der  Kirche in Draschwitz.
Sven Elbing (links) und Dirk Ehrt arbeiten an der Kirche in Draschwitz.
(Foto: Yvette Meinhardt)

Im Franzosenkrieg trafen Flinteneinschüsse den Turm, im Zweiten Weltkrieg mussten die Glocken abgegeben werden und die Kirche wurde beschädigt. 1953 wurden Turm und Dach instandgesetzt, 1955 sieben Kirchenfenster saniert. 1982 erneuerte eine Feierabendbrigade das Dach. 1998 riss ein Sturm ein großes Loch ins Dach. Durch Fördermittel wurde das Dach 2004 neu gedeckt. Jetzt folgen also weitere Maßnahmen zum Erhalt der Kirche.