Miteinander unter Nachbarn

Das steckt hinter dem Bank-Geheimnis von Taucha

Wie es dem 32-jährigen Tauchaer Marcus Paul und seinen Nachbarn gelingt, ein gutes Miteinander zu pflegen.

Von Andrea Hamann-Richter
Marcus Paul (l.), Simone Hieke, Nils Rittgarn und Andreas Keil haben es sich  auf der Bank gemütlich gemacht.
Marcus Paul (l.), Simone Hieke, Nils Rittgarn und Andreas Keil haben es sich auf der Bank gemütlich gemacht. (Foto: Andrea Hamann-Richter)

Taucha - Marcus Paul sitzt auf einer Bank in Taucha und er genießt das sommerliche Wetter. Bänke gibt es viele in dieser Straße, die Am Bornberg heißt. Vor fast jedem Haus steht ein Exemplar. Bei Marcus Paul fehlte vor kurzem noch so eine Sitzgelegenheit. Er ist eigentlich gebürtiger Weißenfelser, der in Zorbau aufwuchs. Dann lernte er seine Freundin kennen, die Am Bornberg ihr Haus besaß, zog zu ihr und gründete seine kleine Familie, zu der auch ein Kind gehört. So ist der Mann seit 2011 in Taucha heimisch geworden. Er genießt das Miteinander in der Straße und sagt, dass es einfach schön sei, dort zu leben. Dass das so ist, hat mit dem „Bank-Geheimnis“ zu tun: Denn damit das Glück in der Straße vollkommen ist, gehört aber eben auch eine eigene Bank dazu.

So hatte der 32-Jährige sich in diesem Jahr auch entschlossen, das endlich zu ändern. Er sollte aber ein Unikat sein und damit fiel ein Kauf aus. „Als erstes habe ich einen Bauplan erstellt“, sagt der Angestellte einer Krankenkasse. Anschließend besorgte er sich das Material und baute aus Europlatten seine eigene Bank zusammen, die er dann noch mit Polstern bestückte. Da es in der Straße oft vorkomme, dass sich die Nachbarn dazugesellen, habe er sogar noch Sitzelemente in Reserve, die er bei Bedarf anstellen könne, sagt Marcus Paul. Nachdem die Bank aufgestellt war, wurde bei der Ortsbürgermeisterin Katrin Schmoranzer nachgefragt, ob die beiden Blumenkübel aus Beton, die bis dahin ungenutzt in der Nähe standen, genutzt werden könnten, erzählt Marcus Paul. Mit ihrem Einverständnis wurden die Kübel rechts und links neben seiner Bank aufgestellt und mit bunten Blumen bestückt.

„Hier ist die Welt noch in Ordnung“

Nils Rittgarn wohnt schräg gegenüber von Marcus Paul und er hat aufmerksam zugehört. „Hier ist die Welt noch in Ordnung, die Kinder können unbesorgt spielen und wachsen so miteinander auf“, sagt er. Die Bank vor seinem Haus ist übrigens neu, weil das vorherige Modell gut genutzt und daher schon in die Jahre gekommen war, sagt er lachend. Den Zusammenhalt könne er nur bestätigen und er erzählt, dass es beispielsweise donnerstags zur schönen Tradition gehöre, dass die Menschen aller dort lebenden Generationen sich am frühen Abend zusammenfinden und gemeinsam Eis essen. „Da freuen wir uns die ganze Woche drauf“, verrät der Mann.

Außerdem sei es eine Selbstverständlichkeit, dass beim Nachbarn auch mal mit Lebensmitteln ausgeholfen werde, oder gefragt werde, ob ihm vom geplanten Einkauf etwas mitgebracht werden solle, sagt er. Zudem treffe sich die Nachbarschaft auch, um gemeinsam zu essen, so wie jüngst für fast 20 Einwohner ein Spargelessen veranstaltet wurde.

Nun hat sich auch noch Andreas Keil hinzugesellt. Er ist mit Marcus Paul befreundet und daher gerade auf einem Besuch bei ihm. Der 33-Jährige wohnt nämlich in Markwerben. Er komme aber immer gerne in diese Straße in Taucha, weil auch er die freundschaftliche Stimmung dort genießt. „Jeder kennt hier jeden und jeder hilft hier jedem“, sagt er anerkennend. Hinziehen wird er dennoch nicht. Er habe in Markwerben ein idyllisches Zuhause. Das muss er auch nicht aufgeben, denn wenn der Mann Familie Paul besucht, ist für ihn immer ein Schlafplatz vorhanden.

Dann kommt noch Anwohnerin Simone Hieke und so langsam füllt sich die Bank von Marcus Paul. Es wird geplaudert und gelacht und so einmal mehr die friedliche Stimmung deutlich. (mz)