Ärger um Einschulfotos

Ärger um Einschulfotos: Erste Grundschulen verbieten das Fotografieren

Magdeburg - Erste Direktoren verbieten das Fotografieren. Das ist zulässig, sagt das Ministerium - aber nicht zwingend.

Von Hagen Eichler

Viele Grundschuldirektoren befürchten Datenschutz-Verstöße beim Fotografieren von Schulkindern. Bei den Einschulungsfeiern an diesem Sonnabend greifen einige daher zum härtesten Mittel und erlassen ein vollständiges Fotografierverbot. Auch für das private Album dürfen Eltern dort keine Bilder anfertigen. Das sorgt bei Familien für Unmut.

In der halleschen Grundschule Frohe Zukunft etwa wird ein Aushang die Familien der Erstklässler informieren, dass während der gesamten Feier kein Foto gemacht werden darf. „Falls ich jemanden sehe, der dagegen verstößt, werde ich eingreifen“, kündigt Schulleiter Steffen Hunkert an. „Ich gehe aber davon aus, dass alle Verständnis haben.“

Bei einem Info-Abend zur Vorbereitung des Schuljahrs seien nicht alle Eltern einverstanden gewesen, dass ihr Kind fotografiert wird. Die Folge: „Wenn es nicht für alle geht, dann eben für keinen“, sagt Hunkert. Eltern können nur noch das Bild von der Profi-Fotografin kaufen, die eine Woche später Kinder mit vorliegender Erlaubnis ablichtet.

Schuldirektoren befürchten juristischen Ärger

Die Entscheidung ist kein Einzelfall. Auch die Heide-Schule in Halle erlässt ein Verbot. „Bei uns hat die Schulleitung das auch angeordnet“, erzählt die Lehrerin einer weiteren Schule, die anonym bleiben will. „Die Eltern meiner Schüler waren ziemlich sauer und haben diskutiert, ob es nicht doch irgendwie geht.“

Doch viele Schuldirektoren haben Angst vor juristischem Ärger. „Wir tappen da alle im Dunkeln“, sagt eine Schulleiterin aus dem Harz. „Wie sollen wir verhindern, dass Eltern Fotos machen, auf denen auch fremde Kinder zu sehen sind, die sie dann bei Facebook einstellen oder per WhatsApp weiterschicken?“ Auch an ihrer Schule ist nur noch ein Profi-Fotograf zugelassen.

Fotoverbot: Ministerium überlässt Schulen den Umgang damit

Die meisten Schulen im Land erlauben Fotos. Viele appellieren aber an die Vernunft der Eltern. „Ich bitte darum, keine Bilder ins Netz zu stellen. Jeder möchte doch, dass sein Kind behütet ist“, sagt eine Schulleiterin in Köthen.

Das Bildungsministerium überlässt es den Schulen, wie sie mit dem Problem umgehen. Eine Handreichung des Ministeriums nennt drei Möglichkeiten – als erstes ein totales Fotoverbot. Allerdings, warnt das Ministerium, dürfte das „meist auf wenig Zustimmung“ der Eltern stoßen.

Grundschulverband: „Fotoverbote sind inzwischen gang und gäbe“

Möglichkeit zwei sei daher ein Verbot mit einer Ausnahme: Am Ende der Veranstaltung könnten alle Kinder, deren Eltern das wünschten, zu einem Klassenfoto zusammenkommen. Eine allgemeine Fotografiererlaubnis während der Feier könne es - Möglichkeit drei - nur mit Zustimmung aller Eltern geben.

„Fotoverbote sind mittlerweile gang und gäbe“, erklärt Thekla Mayerhofer vom Grundschulverband. „Bei den Eltern gibt das viel böses Blut. Aber die Schulen wollen sich nicht juristische Folgen aufhalsen. Das kann ich als Pädagogin auch verstehen.“

Das Foto-Problem reicht noch viel weiter: Einzelne Schulen haben begonnen, auch alte Klassenfotos aus Schulfluren und von Webseiten zu entfernen. Zu recht, heißt es aus dem Ministerium: „Das Zeigen ist tatsächlich nur zulässig, wenn von jedem einzelnen Abgebildeten eine Erlaubnis vorliegt.“ (mz)