„Pandemieplan wird ständig aktualisiert"

„Pandemieplan wird ständig aktualisiert": Burgenlandkreis ist für Coronavirus gewappnet

Weissenfels - Das Coronavirus breitet sich auch in Deutschland aus. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rechnet mittlerweile mit „einer Coronavirus-Epidemie in Deutschland“. Der bekannte Virologe und Fachmann für Seuchenbekämpfung, Alexander Kekulé von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, warnt einerseits davor, das Virus zu leicht zu ...

Von Angelika Andräs und Michael Tempel

Das Coronavirus breitet sich auch in Deutschland aus. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rechnet mittlerweile mit „einer Coronavirus-Epidemie in Deutschland“. Der bekannte Virologe und Fachmann für Seuchenbekämpfung, Alexander Kekulé von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, warnt einerseits davor, das Virus zu leicht zu nehmen.

„Das neue Coronavirus mit der offiziellen Bezeichnung Sars-CoV-2 ist gefährlicher als die saisonale Grippe“, sagt er. Andererseits ist er überzeugt, dass die Gesundheitsämter und Krankenhäuser gut vorbereitet sind. Das Gesundheitsamt des Burgenlandkreises wäre der zentrale Anlaufpunkt, wenn die Epidemie sich auch im Süden Sachsen-Anhalts ausbreiten würde.

An wen müssten sich die Bürger wenden? Wer würde entscheiden, ob Schulen, Kitas oder andere Einrichtungen geschlossen oder Orte in Quarantäne genommen werden? Mit Unterstützung der Kreisverwaltung und insbesondere der Leiterin des Gesundheitsamtes, Dr. Ina Schmidt, sowie der Kliniken im Burgenlandkreis beantwortet die MZ die wichtigsten Fragen.

Wäre der Burgenlandkreis gut vorbereitet?

Sowohl Kreisverwaltung als auch Kliniken beantworten diese Frage mit Ja. „Hier greift der vorhandene Maßnahmeplan zur Umsetzung des Pandemieplanes Sachsen-Anhalt im Burgenlandkreis“, heißt es von der Kreisverwaltung. Dieser wiederum basiert auf dem des Landes und dem Nationalen Pandemieplan.

Unterstützung kommt vom Robert-Koch-Institut Berlin (RKI), das entsprechende Empfehlungen stetig aktualisiert. Das Robert-Koch-Institut ist die zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -prävention. „Der Pandemieplan wird ständig aktualisiert, alle Krankenhäuser im Land sind über die aktuellen Gefahren durch das Virus informiert“, bestätigt Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD).

Wie sieht es mit der Vorbereitung in der Weißenfelser Asklepios-Klinik und in anderen Kliniken aus?

„Auch wenn wir als Schwerpunktversorger immer auf infektiöse Erkrankungen vorbereitet sind, haben wir uns seit etwa Anfang Februar auch gezielt für mögliche Coronavirus-Fälle gewappnet. Hierfür wurden nochmals alle Isolationsmaßnahmen und -einrichtungen überprüft“, teilte Kliniksprecher Stefan Böttinger mit.

Das Personal werde regelmäßig zum Status und Umgang mit dem Virus geschult. „Sollte ein Patient mit Verdacht auf Coronavirus in der Klinik eintreffen, kann dieser entweder sofort in der Notaufnahme isoliert werden, oder später auf Station. Hierfür wurden spezielle Zimmer eingerichtet.“ Bei einem begründeten Verdachtsfall würde sofort das Gesundheitsamt hinzugezogen.

Der Patient würde in einem Einzelzimmer isoliert, das nur ausgewählte Ärzte und Pfleger und nur mit Schutzkleidung mit Schutzkittel, Handschuhen, Schutzbrille und Schutzmaske betreten dürfen. Auch die Krankenhäuser in Zeitz und Naumburg meldeten, auf mögliche Coronafälle hinsichtlich Personalschulung, Behandlungs- und Isolationskapazitäten sowie Schutzkleidung vorbereitet zu sein.

Wie würde die Zusammenarbeit Asklepios-Klinik-Gesundheitsamt aussehen?

„Im ,Begründeten Verdachtsfall’ wird das Gesundheitsamt sofort informiert und der Patient vor Ort weiter symptomatisch versorgt“, so Kliniksprecher Böttinger. Außerdem würde das Gesundheitsamt selbst nochmal alle nötigen Proben zur Abklärung einer Infektion nehmen und analysieren lassen.

Böttinger: „Wir als Klinik erhalten dann vom Gesundheitsamt die endgültige Diagnose, ob ja oder nein. Danach würden wir entscheiden, ob wir weiter behandeln oder im Falle einer bestätigten Coronavirus-Infektion den Patienten in eines der Behandlungszentren verlegen lassen.“ Solche Behandlungszentren sind in erster Linie die Universitätskliniken im Umkreis.

Wer wären im Notfall die Ansprechpartner für Bürger?

Während der regulären Dienstzeit sind der Hausarzt und das Gesundheitsamt des Burgenlandkreises Ansprechpartner. Parallel dazu hat das Landesamt für Verbraucherschutz ein Infotelefon für Bürgerinnen und Bürger sowie für das medizinische Fachpersonal eingerichtet, wie Amtsärztin Ina Schmidt erklärt.

„Die Telefonnummer lautet: 0391/256 42 22. Außerhalb der regulären Dienstzeit ist der ambulante kassenärztliche Dienst erster Ansprechpartner und leitet die Informationen, wenn notwendig, an die entsprechenden Entscheidungsträger weiter.“

Wie sind Gesundheitszentren und Praxen vorbereitet?

Hier gibt es Hygienepläne. „Die Einrichtungen haben gemäß Infektionsschutzgesetz in ihren innerbetrieblichen Anweisungen, den Hygieneplänen, entsprechende Verfahrensweisen festzulegen“, die Amtsärztin. „Hierbei stehen ihnen neben dem Gesundheitsamt Fachbehörden wie beispielsweise das Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt sowie das Robert-Koch-Institut mit entsprechenden Publikationen beratend zur Seite.“

Sollte bei Atemwegserkrankungen generell mehr auf Coronavirus getestet werden?

„Grundsätzlich muss festgehalten werden, dass sämtliche Maßnahmen und Empfehlungen derzeit einem dynamischen Prozess unterliegen und sich täglich ändern können“, so Schmidt. „Aktuell ist eine labordiagnostische Untersuchung angezeigt, wenn es sich bei dem Betroffenen um einen begründeten Verdachtsfall handelt.“ Hierzu hat das RKI Empfehlungen herausgegeben, die täglich aktualisiert werden.

››Robert-Koch-Institut: www.rki.de, Gesundheitsamt des Burgenlandkreises: 03445/73 16 74 Laut Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau melden die Firmen im Süden Sachsen-Anhalts bislang keine Beeinträchtigungen durch Corona. Die Kammer hat im Internet Infos zum Thema gebündelt: www.halle.ihk.de (mz)