Engagierter Verein

Engagierter Verein: Ein erfolgreiches Team trotz Down-Syndrom

Zeitz - Zwei behinderte Sportler aus dem Zeitzer Reitverein holen in Osterburg zwei Gold- und zwei Bronzemedaillen.

Von Yvette Meinhardt 01.10.2019, 07:00

Stolz und mit eleganter Körperhaltung sitzt Lea Böx im Sattel. Sie treibt ihr Pferd an, lässt es verschiedene Gangarten und Figuren reiten. Lea hat ADHS und nimmt am therapeutischen Reiten beim Zeitzer Reit- und Fahrverein teil. Bei den „Offenen Sportspielen für Menschen mit geistiger Behinderung“ - oder auch Special Olympics genannt - in Osterburg kam sie mit zwei ersten Plätzen zurück.

Ihr Vereinskamerad Toni holte zwei dritte Plätze. Toni ist 33 Jahre alt, hat das Down-Syndrom und lebt in Weißenfels. Bereits seit zehn Jahren kommt der junge Mann zum Training nach Zeitz.

Erfolgreicher Verein

„Wir sind der einzige Verein, der zu den offenen Sportspielen zwei Starter schickte, alles andere waren Institutionen und Behinderteneinrichtungen“, sagt Ernst Ebenhoch. Mehr als 500 Athleten gingen in neun Sportarten an den Start. Eine solche Sportveranstaltung mit geistig Behinderten erfordert einen immensen Betreuungsaufwand. So wurden die Sportler von 100 Trainern, 45 Familienangehörigen und 120 freiwilligen Helfern begleitet.

Mit diesen Erfolgen will der Zeitzer Verein die therapeutische Arbeit weiter fortsetzen. Denn mit Juliane Dietrich hat man bereits ein besonderes As. Die 31-Jährige aus Weißenfels holte in diesem Jahr bei den Special Olympics in Abu Dhabi gleich zwei Goldmedaillen. In diese Fußstapfen wollen jetzt vielleicht auch Lea und Toni treten. Bei den Special Olympics unterscheidet man grundsätzlich zwei Wertungsgruppen, das sind zum einen die Geschicklichkeitswertung, zum anderen die Dressuren. Hier werden zum Beispiel die Sitzhaltung des Reiters und die Ausführungen der geforderten Elemente gewertet.

„Ich bin eher zufällig zum Reitsport gekommen“

„Ich bin eher zufällig zum Reitsport gekommen. Meiner Erzieherin im SHHZ in der Elsterstraße hat mich mal zum Training mitgenommen und das hat mir gefallen“, erzählt das Mädchen. Das war schon im Jahr 2014, seitdem hat Lea an diesem Hobby Gefallen gefunden. „Ich reite auf Anton“, erzählt sie. Doch bevor sie reiten darf, gehören auch Ausmisten und Striegeln zur Stallarbeit. Trainiert wird bei Joachim Bock aus Taucha bei Leipzig. „Ich habe mich seit sehr vielen Jahren dem heilpädagogischen Reiten verschrieben. Denn es ist gut geeignet, um bei verhaltensauffälligen, lern- und geistig behinderten Kindern und Jugendlichen positive Verhaltensveränderungen zu erreichen“, sagt Bock.

Man müsse sich in das Tier einfühlen, spüre seine Wärme und seine Nähe. Aus körperlicher Sicht werden beim Reiten Haltung und Gleichgewicht trainiert. Auch sensorische und motorische Fähigkeiten werden trainiert. Seit vielen Jahren trainiert Bock die Reiter in Zeitz. 2023 richtet Deutschland in Berlin die Weltspiele der Special Olympics aus. Das ist ein Ziel, welches die Sportler aus dem Reitverein gemeinsam in Angriff nehmen. (mz)