Datenschutz beim Arzt

Datenschutz beim Arzt: Dürfen Patienten noch mit Namen aufgerufen werden?

Zeitz - Bekommen Patienten in Praxen künftig Nummern in die Hand gedrückt, damit die Damen vom Empfang die Arztbesucher nicht mehr mit Namen aus den Wartezimmern rufen müssen?

Von Torsten Gerbank 31.05.2018, 08:26

Bekommen Patienten in Praxen künftig Nummern in die Hand gedrückt, damit die Damen vom Empfang die Arztbesucher nicht mehr mit Namen aus den Wartezimmern rufen müssen?

Diskutiert wurde jene Frage jüngst in einem Wartezimmer. Hintergrund der Diskussion ist die Datenschutzgrundverordnung (DSVGO), die am Freitag europaweit in Kraft getreten ist. Sie soll den Menschen mehr Sicherheit für ihre persönlichen Daten bescheren.

Mehr Bürokratie durch Datenschutzverordnung in Arztpraxen

Zeitzer Ärzte, mit denen die MZ jetzt bei einer Umfrage ins Gespräch kam, winkten jedoch ab. Man solle schon die Kirche im Dorf lassen, hieß es da. Aus jetziger Sicht werde sich an dem Prozedere, wie die Patienten aufgerufen werden, nichts ändern. Schließlich, so hieß es, könne man ja nicht die Stühle nummerieren oder die Patienten anhand ihrer Kleidung aufrufen und zum Beispiel sagen „die Frau im roten Pullover bitte“.

Dass Patienten nun nicht mehr öffentlich beim Nachnamen genannt werden dürfen, bezeichneten Mediziner als „völlig aus der Luft gegriffen“, sogar als „Blödsinn“. Allerdings haben natürlich auch Arztpraxen mit der neuen Verordnung zu tun. Schließlich, so hieß es, bräuchten die Praxen und Ärzte das Einverständnis der Patienten, dass persönliche das Daten an Vertragspartner weitergegeben werden, zum Beispiel an Labore oder an Röntgenstellen.

Auch die Landesärztekammer teilte auf Anfrage mit, das aus aktueller Sicht nichts dagegen spreche, Patienten auch weiterhin mit Namen anzusprechen. Schließlich gehöre die persönliche Anrede zum ganz normalen Umgang miteinander, hieß es. Die Kassenärztliche Vereinigung erklärt, dass in vielen Arztpraxen bisher darauf Wert gelegt worden sei, mit dem persönlichen namentlichen Aufruf der Patienten einen persönlichen Umgang zu pflegen und eine positive Behandlungsatmosphäre zu schaffen.

Aus datenschutzrechtlicher Sicht dürfte nach ihrer Ansicht das Inkrafttreten der DSGVO nichts an dieser Art und Weise des Umgangs miteinander ändern. Eine Mittwochnachmittag an den Landesdatenschutzbeautragten gesandte Anfrage war Freitagabend noch nicht beantwortet. (mz)