Ausstellung in der Franziskanerklosterkirche

Ausstellung in der Franziskanerklosterkirche: Rasoul Pourmoradi zeigt Botschaften in Schwarz-Weiß

Zeitz - Rasoul Pourmoradi ist Fotograf und Filmemacher. Iraner. Politischer Flüchtling. Seit November 2015 in Deutschland lebt er jetzt in Merseburg. Die ersten Fotos, noch in der Flüchtlingsunterkunft, machte er mit dem Handy. Gudrun Woitke war und ist begeistert. Zum Glück. Denn die Merseburgerin ist Vorsitzende des Vereins Neue Wege - Miteinander. Besser konnte es Pourmoradi nicht treffen. Jetzt organisiert, begleitet und kuratiert der Verein bereits die zweite Ausstellung des 1971 Geborenen. Nachdem Arbeiten seines Kunstprojektes „Isolation“ in Berlin gezeigt worden sind, wird am Mittwoch, 19. Oktober, 17 Uhr, die Ausstellung in der Franziskanerklosterkirche in Zeitz ...

Von Angelika Andräs 16.10.2016, 15:00

Rasoul Pourmoradi ist Fotograf und Filmemacher. Iraner. Politischer Flüchtling. Seit November 2015 in Deutschland lebt er jetzt in Merseburg. Die ersten Fotos, noch in der Flüchtlingsunterkunft, machte er mit dem Handy. Gudrun Woitke war und ist begeistert. Zum Glück. Denn die Merseburgerin ist Vorsitzende des Vereins Neue Wege - Miteinander. Besser konnte es Pourmoradi nicht treffen. Jetzt organisiert, begleitet und kuratiert der Verein bereits die zweite Ausstellung des 1971 Geborenen. Nachdem Arbeiten seines Kunstprojektes „Isolation“ in Berlin gezeigt worden sind, wird am Mittwoch, 19. Oktober, 17 Uhr, die Ausstellung in der Franziskanerklosterkirche in Zeitz eröffnet.

Möglich geworden ist das durch das Engagement des Zeitzer Rotary Clubs. In besonderem Maße durch den aktuellen Vorsitzenden Norbert Müller. „Jeder Präsident setzt sein Projekt. Meinem Vorgänger lag die Restaurierung des Stadtwappens im Rathausgarten am Herzen, ich möchte diese Ausstellung in Zeitz zeigen.“ Zumindest die organisatorischen Wege sind kurz. Gudrun Woitke ist seine Schwester. Er ist Mitglied des Miteinander-Vereins. Gegründet wurde der Verein 1999. Damals noch nicht mit Blick auf eine mögliche Flüchtlingswelle und ganz neue Anforderungen an Integration. Wie Müller beschreibt, ging es damals darum, Jugendliche zu integrieren, die Probleme haben, sich um soziale Brennpunkte zu kümmern - es ging und geht um innovative Konzepte der soziokulturellen Integrationsarbeit. „Aus Gegeneinander oder Nebeneinander wollen wir Miteinander machen“, sagt Gudrun Woitke. Damals wie heute. Und immer wieder, indem kulturelle Vielfalt erlebbar wird.

Keine Titel unter den Fotografien

Deshalb ist ihnen die Ausstellung so wichtig in Zeitz. Und alle sind gleichermaßen gespannt auf die Reaktionen, auf die Gespräche, darauf, Menschen kennenzulernen, ihr Verständnis von den Fotografien zu erfahren. Denn eines hat Rasoul Pourmoradi anderen Ausstellenden schon einmal voraus: Es wird keine Titel unter den Fotografien geben. Und er wird auch nicht zu einer geführten Bildbetrachtung einladen. Da müssen die Betrachter schon selbst etwas tun. „Jeder kann in den Fotografien etwas anderes sehen, das will ich auch“, sagt Pourmoradi, „es geht nicht um das eine oder andere konkrete Problem oder Erlebnis eines Einzelnen, es geht um Probleme aller Menschen in der ganzen Welt.“ Isolation, das ist der Spiegel körperlicher Folter ebenso wie seelischer. Die ihren Ausdruck in ganz verschiedenen Formen findet - in der Ausübung wie in der Auswirkung. Und so geht Pourmoradi davon aus, dass jeder Betrachter etwas anderes fühlt, wenn er die Bilder sieht. Vielleicht beim zweiten Hinschauen wieder einen anderen Gedanken hat. Und genau so soll es sein. Wer Blut, Wunden, Tote und zerbombte Häuser erwartet, wird enttäuscht sein. Seine fast ausschließlich schwarz-weißen Fotografien sind von ungewöhnlicher Ästhetik, fesselnder Ausdruckskraft, starker Symbolik. Jede ein Kunstwerk, das an sich wirkt, bei dem sich aber erst in der Nachhaltigkeit und Nachwirkung fast perfide das eigentliche Thema offenbart: Isolation. Schmerz, Leid, Zerbrechen, Verlust...

Das ist die Ausdrucksform, die der Fotograf gewählt hat. Zwar fließt hier persönliches Erleben ein, seine Familie war vom Krieg zwischen Iran und Irak unsäglich betroffen. Er erlebte gedemütigte, gequälte Menschen, den Mangel an Presse- und Meinungsfreiheit, den Verlust der Menschenwürde. Er war wütend. „Ich habe dann Boxen gelernt, war acht Jahre im Kickbox-Nationalteam des Iran“, sagt er. Ein Kanal für seine Wut. Doch zeitgleich begann er mit Film- und Fotoarbeiten und studierte an der University oft Arts in Teheran Fotografie und Filmkunst. Nach all diesen Erlebnissen musste er all diese Themen, die wütend und hilflos zugleich machen, zum Thema seiner Arbeit machen. Die Folgen blieben nicht aus: Er wurde verfolgt und ihm blieb 2015 nur noch die Flucht. Seit Februar 2016 arbeitet er ehrenamtlich im Verein Miteinander in Merseburg. Deutsch lernt er erst noch. Aber er spricht sehr eindringlich über seine Fotos. (mz)