Kunst

Wittenberger Künstler verewigt 27 Persönlichkeiten auf einem dreiteiligen Bild

Im März 2021 hat der Wittenberger Michael Rausch, der derzeit in Dietrichsdorf ausstellt, ein Triptychon angekündigt. Wen er darauf verewigt.

Von Corinna Nitz 10.01.2022, 12:54
Er liebt es zu zeichnen: der Wittenberger Michael Rausch, der  gerade in Dietrichsdorf ausstellt.
Er liebt es zu zeichnen: der Wittenberger Michael Rausch, der gerade in Dietrichsdorf ausstellt. FOTO: Thomas Klitzsch

Wittenberg/MZ - Wie lang die Linie ist, die er mit einem Bleistift und einem Braunstift zeichnen kann, will Michael Rausch zur Begrüßung wissen. Und hilft freundlicherweise auf die Sprünge: Mit einer weichen Mine wären es 20 Kilometer und 50 bei Verwendung einer harten Mine. Im Fall einer neuen Arbeit kommen demnach rund 100 Kilometer zusammen. Rausch, Diplom-Designer im (Un)Ruhestand und lange im Einsatz für das einstige Stadtmagazin „Ingo“, muss nun lachen. Irgendwie sei das ja schon Wissen, das keiner unbedingt braucht. Aber uninteressant ist es nicht.

27 sind dabei

Bald ein Jahr ist es her, dass Rausch einige seiner Bilder für den damals neu eingerichteten „Gedenkort Pandemie“ in Wittenbergs Stadtkirche leihweise zur Verfügung gestellt hat. Er hatte diese Zeichnungen den „Helden der Pandemie“ gewidmet, Menschen beispielsweise, die sich qua Beruf um die Covid-Kranken kümmern oder in Supermärkten die Versorgung aufrechthalten. In einem MZ-Gespräch ging es sodann ums große Ganze und: um einen Traum. Er wollte ein Triptychon zeichnen mit weltbekannten Persönlichkeiten, die Liste damals war zwar noch im Entstehen, aber bereits umfangreich. Ab November hat er dann die Stifte gespitzt und ist nach eingehender Recherche zu Lebensdaten und (überlieferten) äußeren Erscheinungsbildern sowie diversen Skizzen zur Tat geschritten.

Insgesamt 27 Menschen hat er gezeichnet, von A wie Assange (Julian) bis Z wie Zetkin (Clara). Dass auch Jesus dabei ist, hatte Rausch bereits 2021 angekündigt, obwohl er nicht religiös sei, wie er ehedem betonte. Um so erstaunlicher, dass er als Text nun gleichwohl ein Bibelzitat adaptiert: „Wer ohne Fehler ist, der werfe den ersten Stein.“ Es scheint, als wollte er damit potenziellen Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen, die über einzelne der Porträtierten sagen könnten, diese seien bei der Durchsetzung ihrer Interessen nicht zimperlich gewesen.

„Aber für mich überwiegt das Positive“, erklärt Rausch und zählt einige der Themen auf, die mit den Abgebildeten verbunden sind und die da lauten: „Befreiung, Gleichheit, Mitgefühl, Mut, Zivilcourage, Umweltschutz.“ Für letzteres tritt in diesen Tagen auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg ein, die es ebenso auf das Triptychon geschafft hat wie etwa Malala Yousafzai: Die aus Pakistan stammende junge Frau setzt sich für Kinderrechte ein, sie überlebte einen Anschlag und wurde für ihr Engagement mit zahlreichen Preisen geehrt. Zusammen mit Jesus im Mittelteil und dem 1968 ermordeten Prediger und Bürgerrechtler Martin Luther King im rechten Teil dominiert die Pakistanerin das dreiteilige Bild, was jedoch Rausch zufolge überhaupt keine Wertung sei.

Repros im Gasthof

Öffentlich zu sehen ist die neue Arbeit indes bislang nicht. Zwar hat Michael Rausch einige seiner Zeichnungen in einem Wittenberger Modehaus gezeigt, aber eine richtige Ausstellung oder die Beteiligung daran ergab sich bisher nicht. Immerhin: Seit Dezember 2021 sind Reproduktionen in Schmidt’s Landgasthof in Dietrichsdorf zu sehen.