Wittenberger Altstadt

Wittenberger Altstadt: Wieder geht’s um die Wurst

Wittenberg - Stadt hat mobile Imbisse legalisiert - Uwe Bechmann wartet trotzdem noch immer auf Grill-Erlaubnis.

Von Irina Steinmann 25.04.2017, 14:52

Es ist Frühling, die Touristen sprießen prächtig - und Uwe Bechmann ist ein bisschen angefressen. Vor vier Wochen hat der Stadtrat die neue Sondernutzungssatzung beschlossen, die ihm und seinesgleichen endlich einen legalen Status verpassen soll.

Fast ebenso lange ist es her, dass Bechmann, seit gut einem Jahrzehnt Wittenbergs erster und einziger Rikscha-Fahrer, sich um eine entsprechende Genehmigung für seinen an die Rikscha angeschlossenen mobilen Imbiss bemüht hat. Nur um die Wurst geht es.

Doch die Sondernutzungssatzung kommt nicht aus dem Knick und vor der Veröffentlichung im Amtsblatt gilt sie nun mal nicht. Seitens der Stadtverwaltung begründet man dies mit der noch ausstehenden Wahlwerbesatzung.

Beide - dies hatte der zuständige Fachbereichsleiter Jörg Jordan bereits bei der Entscheidung über die Sondernutzungssatzung angekündigt - sollen gemeinsam in Kraft treten (wegen der kleinen inhaltlichen Schnittmenge Wahlplakat, die ja auch irgendwo geregelt sein will). Die Wahlwerbesatzung aber war und ist noch lange nicht soweit.

Eigentlich zur Entscheidung vorgesehen für die Stadtratssitzung an diesem Mittwoch, dreht sie überdies noch einmal eine Ehrenrunde durch die Gremien, nachdem der Hauptausschuss sie am Gründonnerstag lediglich in erster Lesung behandelt hatte und sich also demnächst erneut damit befassen wird.

Was das jetzt alles mit Würstchen zu tun hat? Nun, die Stadt Wittenberg hat sich wie gesagt dazu durchgerungen, künftig drei (3) mobile Imbisse in der auch in dieser Hinsicht besonders geschützten Altstadt zuzulassen, was bisher nicht erlaubt war.

Vor knapp einem Jahr war es deshalb zu einem kleinen Clinch gekommen, woraufhin sich Uwe Bechmann mit seiner Grill-Rikscha auf privates Terrain zurückzog - er fand Unterschlupf neben dem Eispavillon am Schloss. Dort steht er auch jetzt wieder.

In Kürze, hofft nicht nur Uwe Bechmann, dürfte die Angelegenheit dann aber auch ein gutes offizielles Ende finden. Man habe sich am Freitag innerhalb der Verwaltung darauf verständigt, bis zum Inkrafttreten der Sondernutzungssatzung (und der Wahlwerbesatzung) mit „Duldungen“ zu arbeiten, sagte eine Sprecherin auf MZ-Anfrage.

Vorausgesetzt, versteht sich, die Anbieter „erfüllen die Voraussetzungen“ der Sondernutzungssatzung (in spe).

Man habe am Montag damit begonnen, die Duldungen zu bearbeiten und werde die Entscheidungen im Laufe der Woche den Betroffenen „zur Kenntnis geben“. Im Mai dürfte also auch ganz offiziell angegrillt werden in der Wittenberger Altstadt.

Bis dahin teilen sich zwei Griller - Bechmann und das vom Hauptbahnhof bekannte Wurst-Rad - das kleine Exil am Eiscafé. „Einvernehmlich“, sagt Uwe Bechmann. „Ich mach’ das Mittagessen - und er das Abendbrot.“ Die Passanten greifen gerne zu. (mz)