Über Ehre und Klischees

Vorfreude bei Fußball-Legende Peter Neururer: Wittenberger Benefizteam gegen die Kliekener Traditionsmannschaft

Peter Neururer betreut mit Karl-Heinz Röthel Wittenbergs Benefizteam. Am Sonntag wird in Klieken gegen die dortige Traditionsmannschaft gekickt.

Trainerlegende Peter Neururer ist am Sonntag in Klieken der Cheftrainer für das Wittenberger Benefizteam.
Trainerlegende Peter Neururer ist am Sonntag in Klieken der Cheftrainer für das Wittenberger Benefizteam. (Foto: David Inderlied/dpa)

Klieken/MZ - Fußball-Trainer Karl-Heinz Röthel ist die Vorfreude schon anzumerken. Am Sonntag wird um 10.30 Uhr in Klieken das Wittenberger Benefizteam gegen die Kliekener Traditionsmannschaft auflaufen. „Unser Ziel ist es, zu gewinnen. Das ist der sportliche Ehrgeiz“, sagt der Coach, der auf „altbewährtes Personal“ zurück greifen kann.

Und das Team, das Event-Organisator Raik Stepputtis zusammen stellt, hat sogar in den vergangenen Jahren schon internationale Erfolge gefeiert. Herausragend war der Länderspielsieg - in Hin- und Rückspiel nach den Europacup-Regeln - über den Vatikan. „Das Besondere sind die Prominenten“, verrät Röthel. Dieses Mal ist Kult-Trainer Peter Neururer der Star.

„Ich freue mich auf den erfahrenen Guru, der im TV in jeder Fußball-Sendung auftaucht“, sagt Röthel, der davon überzeugt ist, dass der Star aus der Bundesliga zum Publikumsmagneten wird. „Wir haben in Wittenberg einen aktiven Schalke-Fanclub. Die Mitglieder werden die Chance für ein Gespräch oder Foto nutzen“, meint Röthel. Peter Neururer ist aktuell Vorstand in Wuppertal und hat einen vollen Terminkalender. Trotzdem nimmt er sich Zeit für das Event in Klieken. Das Gespräch mit dem 66-jährigen gefragten Bundesligatrainer führte Michael Hübner.

Sie haben sich aufgrund zahlreicher kurzfristiger Anstellungen den Ruf eines „Feuerwehrmannes“ in der Ersten und Zweiten Bundesliga erarbeitet, da Sie überwiegend Mannschaften übernahmen, die sich im Abstiegskampf befanden. Wen oder was wollen Sie nun am Sonntag in Klieken retten?

Peter Neururer: Dieses Klischee ist nicht passend. Und ich kann es auch überhaupt nicht leiden. Ich habe über 30 Jahre als Trainer gearbeitet. Dabei ging es in der zweiten Liga um den Aufstieg und in der Bundesliga um den Klassenerhalt. In Klieken sollen aber die Zuschauer ein interessantes und attraktives Fußballspiel sehen. Es soll allen Beteiligten Spaß machen.

Ihr Team wurde bisher betreut von den ostdeutschen Trainer-Legenden Dixi Dörner und Ede Geyer. Sie sind der erste Chef aus dem Westen. Gibt es im Fußball immer noch Ost-West-Befindlichkeiten?

Peter Neururer: Das ist für mich eine große Ehre. Ich schätze Kulttrainer Ede Geyer sehr. Wir standen uns auch schon als Rivalen gegenüber in seiner Cottbuser Zeit. Mit Dixi Dörner hatte ich bisher weniger Kontakt. Aber er ist der Beckenbauer des Ostens und ein Weltklasse-Fußballer. Und ich habe überhaupt keine Ost-West-Befindlichkeiten. Ich bin 1955 geboren und habe als Kind Gesamtdeutschland und die Trennung erlebt. Als die Mauer fiel, war ich gerade mit dem Auto nach Braunschweig unterwegs, als mir plötzlich hupende Trabis entgegen kamen. Ich hatte in dem Moment sogar Tränen in den Augen.

In ihrem Kader steht mit Bert Grabsch ein echter Radsport-Weltmeister. Der Mann ist aber ein bekennender Bayern-Fan. Darf er trotzdem mitspielen?

Peter Neururer: Natürlich. Das ist kein Problem. Ich komme aus dem Ruhrpott und das war mal die Weltmacht im Fußball. Das hat sich jetzt aber verschoben in Richtung München. Deswegen bin ich kein Bayern-Fan, aber auch kein Bayern-Hasser. Ich erkenne die Leistungen der Münchener an. Anders würde der Fall liegen, wenn sich jemand zu Dortmund bekennen würde.

Der Champion ist auch noch Anhänger von Union Berlin...

Peter Neururer: Das ist ein geiler Club.

Sie werden in Klieken sicherlich auf Schalke 04 angesprochen. Sie kennen den Traditionsclub und die zweite Liga aus eigener Erfahrung. Können Sie den Anhängern Trost spenden oder sogar Mut zusprechen?

Peter Neururer: Ich hoffe, dass Schalke 04 in die Bundesliga zurück kehren wird, aber ich habe die Überzeugung, dass dies in diesem Jahr noch nicht erfolgen wird. Als ich Schalke 04 1990/1991 übernommen habe, stand die Elf kurz vor der dritten Liga. Nach dem Klassenerhalt habe ich noch den Kader für das Aufstiegsteam zusammenstellen dürfen. Danach musste ich gehen.

Peter Neururer (li.) hat auch schon Brachstedt trainiert.
Peter Neururer (li.) hat auch schon Brachstedt trainiert.
(Foto: Lutz Winkler)

Im Vorjahr trennten sich das Benefizteam und Klieken 2:2. Wie geht es in diesem Jahr aus?

Peter Neururer: Wir sollten versuchen, im Interesse der Zuschauer das Ergebnis zu verdoppeln.

Welche Taktik werden Sie wählen?

Peter Neururer: Wir sollten die Ketten so verschieben, dass wir das angestrebte Resultat auch tatsächlich erreichen können.

Lassen Sie sich bei Ihrer Mannschaftsaufstellung von den persönlichen Eindrücken leiten oder hören Sie auf den Rat Ihres Co-Trainers?

Peter Neururer: Ich reise am Vorabend an. Aber die Zeit für persönliche Eindrücke ist viel zu kurz. Ich werde mich also selbstverständlich auf den Co-Trainer verlassen. Aber ich stehe zu 100 Prozent hinter der Mannschaft.

Sie sind aktuell Vorstandsmitglied in Wuppertal und sollen als Fachmann dem Verein auf unterschiedlichen Feldern helfen und ihn weiterentwickeln. Macht Ihnen das Spaß und können Sie sich ein Comeback als Bundesligatrainer vorstellen?

Peter Neururer: Nein. Allerdings, wenn Schalke 04 oder der 1. FC Köln mich brauchen, stehe ich zur Verfügung. Aktuell habe ich mehrere Anfragen aus dem Ausland. Aber offiziell bin ich Rentner, und trotzdem bin ich voll ausgelastet. In Wuppertal bin ich für Kommunikation und Marketing verantwortlich. Für den TV-Sender Sport1 bin ich außerdem in der zweiten Liga und auch bald in der Champions League im Einsatz.