Tod nach Faustschlägen

Tod nach Faustschlägen: Das sagt der Vater des getöteten Marcus Hempel

Wittenberg - Die AfD-Veranstaltung fordert zwei Jahre nach dem Tod von Marcus Hempel juristische Aufklärung. Mehrere Aktionen werben für ein friedliches Miteinander.

Von Thomas Liersch 30.09.2019, 10:10

Genau zwei Jahre nach dem Tod des Wittenbergers Marcus Hempel infolge einer Auseinandersetzung mit einem syrischen Flüchtling hat am Sonntagnachmittag in Wittenberg eine Kundgebung stattgefunden. Zu der Veranstaltung auf dem Schlossplatz mit anschließendem „Gedenkmarsch“ hatte wie im Vorjahr die AfD-Landtagsfraktion aufgerufen.

Das Motto: „Gerechtigkeit für Marcus Hempel!“. Nach Einschätzung der Polizei nahmen etwa 250 Menschen an der Demonstration teil, die ruhig verlaufen sei. Parallel dazu setzten Kirchen und Bürgerschaft mehrere Zeichen für ein friedliches Miteinander.

Der Vater von Marcus Hempel, Karsten Hempel, sprach bei der Kundgebung auf der AfD-Bühne. Für ihn sei das keine politische Veranstaltung, sondern ein Gedenken an seinen Sohn, hatte er der MZ zuvor gesagt. Am Samstag kritisierte er die schleppende juristische Aufarbeitung und beklagte: „Marcus wird nie heiraten können, nie Kinder bekommen und ich werde nie Enkelkinder erleben. Das ist der ständig von unserer Bundesregierung publizierte Rechtsstaat.“ Die AfD-Landtagsabgeordneten Oliver Kirchner und Thomas Höse erklärten, sie würden weiter auf Aufklärung des Falles drängen.

Warten auf die Aufarbeitung

Noch immer ist der Vorfall vom 29. September 2017 juristisch nicht aufgearbeitet: Aufnahmen von Überwachungskameras zeigen, wie Marcus Hempel an jenem Tag mit dem Flüchtling Sabri H. vor dem Wittenberger Einkaufszentrum Arsenal in Streit geriet. Sabri H. schlug Hempel, der dadurch aufs Pflaster fiel und an den Sturzverletzungen starb. Genau das wird Sabri H. inzwischen auch zur Last gelegt. Die Dessauer Staatsanwaltschaft war in einer Pressemitteilung unmittelbar nach der Tat noch „von einer Notwehrhandlung mit tragischen Folgen“ ausgegangen.

Das Verfahren gegen Sabri H. ist nach Angaben des Landgerichts Magdeburg erst im Dezember eröffnet worden, weitere Termine stehen noch nicht fest. Ursprünglich sollte der Prozess am 18. Juni weitergeführt werden, der Termin war laut Gericht aufgehoben worden wegen anderer, vorrangiger Verfahren. Das Gericht erklärte dazu, es sei vollkommen unpolitisch und behandele alle Fälle gleich.

Eine Rolle bei der Verzögerung des Prozesses soll wie berichtet auch das Alter des Angeklagten spielen. Lange ist davon ausgegangen worden, dass die Angaben von Sabri H. stimmen, zur Tatzeit noch 17 Jahre alt gewesen zu sein, weshalb er unter Jugendstrafrecht angeklagt wurde. Nun bestehen Zweifel, ein Gutachten soll sein Alter ermitteln.

Die AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt fordert zuletzt sogar den Rücktritt der Justizministerin Anne-Marie Keding (CDU) wegen der schleppenden gerichtlichen Aufarbeitung. Damit solle sie „die politische Konsequenz aus den Verzögerungen der Anklage und der Eröffnung der Hauptverhandlung gegen Sabri H. sowie der offensichtlichen fachlichen Fehlbewertung der Tötung von Marcus Hempel durch die damals zuständige Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau“ ziehen.

Zeichen für den Frieden

Parallel zu der AfD-Veranstaltung gab es mehrere Aktionen für Demokratie, Weltoffenheit und Nächstenliebe in der Stadt, wie der Amtierende Direktor der Evangelischen Akademie, Tobias Thiel, betont. Dazu gehörten am Vormittag Gottesdienste in der Schlosskirche und in der katholischen Kirche. Danach sind mit Kreide auf dem Schlossplatz sowie zwischen katholischer Kirche und Arsenal „Zeichen des Friedens, der Versöhnung, der Liebe und Menschenfreundlichkeit“ aufs Pflaster gezeichnet worden.

Am Nachmittag haben Vikare gemeinsam mit Wittenbergern auf der Innenseite des Schlossplatzes, in Hör- und Sichtweite der AFD-Demo, gesungen. Jeweils an der Touristinfo und an der katholischen Kirche hing ein Banner „Wittenberg Weltoffen“. An der Schlosskirche hatten Vikare Banner für Menschenfreundlichkeit angebracht.

Um 15.30 Uhr fand das angekündigte Friedensgebet in der Stadtkirche statt. Dort hatten sich etwa 50 Menschen eingefunden, um ein Zeichen für den Zusammenhalt in der Stadtgesellschaft zu setzen. Stadtkirchenpfarrer Johannes Block sagte: „Mit unserem Verstand sollten wir Gefühle und Ängste wahrnehmen und auf die Stärke des Rechts vertrauen.“ Die Bürger sollten versuchen, Brückenbauer und Friedensstifter zu sein.

(mz)