Erbe

Stiftung Denkmalschutz lobt Wittenberg

Deutsche Stiftung Denkmalschutz zeigt sich beeindruckt von Wittenberg und dem reichhaltigen Programm. Anerkennung gibt es verbal und mit einem Preis.

Von Carla Hanus
Das Wittenberger ?Selfisch-Haus? wurde zum Betrachten geöffnet.  Die Schlange zum Eintritt riss nicht ab.
Das Wittenberger ?Selfisch-Haus? wurde zum Betrachten geöffnet. Die Schlange zum Eintritt riss nicht ab. (Foto: Thomas Klitzsch)

Wittenberg - Eine Menschenschlange vor Markt 3 in Wittenberg? Diese Zeiten, an die sich noch so mancher erinnern dürfte, der dort nach Warenanlieferung einkaufen wollte, sind schon lange Geschichte. Inzwischen gehören sie jedoch zur Geschichte eines Denkmals. Denn als Wohnhaus der Drucker, Verleger und Buchhändler Christoph Schramm und Samuel Selfisch aus dem 16. Jahrhundert ist Markt 3 eine der wichtigesten bürgerlichen Hofanlagen der Renaissance in Wittenberg. Zwar stammt die Schaufensterfront des Vorderhauses erst aus dem Jahr 1927, doch ist sie damit noch immer ein frühes Beispiel der klassischen Moderne in der Lutherstadt.

Da bei so viel Bedeutung die Stiftung Denkmalschutz das Vorhaben unterstützt hat, Musterachsen im Innenhof als Vorbereitung der folgenden Restaurierungsmaßnahmen anzulegen sowie eine Steinrestaurierung am Brunnen vorzunehmen, war das Haus am Tag des offenen Denkmals wieder Anziehungspunkt. Die Adresse gehörte, wie auch die große Saalkirche in Dobien, das Hofgestüt Bleesern und das Mausoleum Lüdecke-Bonin auf dem Friedhof in der Dresdener Straße - zu den vier Schaubaustellen in Wittenberg. Als solche waren diese Denkmale bundesweit beworben worden, denn Wittenberg war diesmal der Eröffnungsort für den Denkmaltag.

Würdig und gewürdigt

Ein würdiger Ort, wie Oberbürgermeister Torsten Zugehör (ptl.) und Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) beim Festakt auf dem Marktplatz befanden. Ein zu würdigender Ort, wie der Vorsitzende des Stiftungsrates der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Jörg Haspel betonte.

Oberbürgermeister Torsten Zugehör nahm den Denkmalschutz-Preis von Steffen Skudelny,  Vorstand der Stiftung Denkmalschutz,   entgegen.
Oberbürgermeister Torsten Zugehör nahm den Denkmalschutz-Preis von Steffen Skudelny, Vorstand der Stiftung Denkmalschutz, entgegen.
(Foto: Thomas Klitzsch)

Eigentlich hatte Wittenberg ja schon im vorigen Jahr die Blicke der Denkmalfreunde Deutschlands als Eröffnungsstadt auf sich ziehen sollen. Damals war dieser traditionelle Tag , wie so vieles im Jahr 2020, ins Internet verlegt worden. Professor Haspel hat der Verschiebung um ein Jahr indes tatsächlich Gutes abgewinnen können. „Wir haben kein Jahr verloren“, meinte er, „wir haben zwölf Monate Vorbereitungszeit gewonnen!“

Mitarbeiter der Jugend-Bauhütten  machen Lehmwickelstaken.
Mitarbeiter der Jugend-Bauhütten machen Lehmwickelstaken.
(Foto: Klitzsch)

Eine einmalige Fülle

Für Haspel, der gern auch noch einmal auf die Vortags- und Vorabendveranstaltungen verwies, zeigte sich das unter anderem in dem Angebot in Wittenberg. Es sei in der Geschichte der Eröffnungen des Denkmaltages einmalig, dass eine Stadt dieser Größe und dieser Einwohnerzahl ein solches Programm mit „30 hochkarätigen Stationen und Denkmaltouren“ zusammengestellt hat. „Das ist wirklich einmalig“, anerkannte er und nannte unter anderem die vier Schaubaustellen, Speedführungen, Hof- und Straßenfest sowie Fotowettbewerbe.

Lobesworte fand Haspel freilich noch mehr. Er richtete diese vor allem an alle, die sich für Denkmale einsetzen. Von den Eigentümern über Fördervereine bis hin zu Unterstützern, die nicht zuletzt der Stiftung Spenden zukommen lassen.

Die Wittenberger Malerinnung um Matthias Pohl.
Die Wittenberger Malerinnung um Matthias Pohl.
(Foto: Klitzsch)

Dem Lob an die Stadt mit ihrem „unwiderstehlichen Charme“ folgte übrigens ein Preis. Steffen Skudelny, Vorstand der Stiftung Denkmalschutz, erklärte, dass die Stiftung für die Eröffnung des Denkmaltages den „Star unter den Denkmalstädten“ gesucht habe. So gehe es darum, wie eine Stadt mit Strategie ihr historisches Kapital sichtbar macht. Wittenbergs professionelle Bewerbung sei bestaunt worden. Als Skudelny den Award für denkmalpflegerische Leistung der Lutherstadt Wittenberg an „einen glücklichen Oberbürgermeister“ Zugehör überreichte, verband er damit aber den Auftrag, „sich vor alle bedrohten Denkmale zu werfen“.

Großes Interesse

Davor werfen mussten sich die Besucher aus Wittenberg und von weither an diesem Sonntag freilich nicht. Allerdings davor warten, denn das Interesse sich die Besonderheiten anzuschauen, war groß. Womit die Menschenschlange vor dem Gebäude, Am Markt 3, sozusagen denkmaltagsaktuell wurden. (mz)