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Stiftung Christliche Kunst Wittenberg Stiftung Christliche Kunst Wittenberg: Dialog mit Cranach

Von Corinna Ritz 22.05.2015, 12:53
Blick in die Ausstellung „Cranach und die Moderne“, deren Besuch im Alten Rathaus sich unbedingt lohnt.
Blick in die Ausstellung „Cranach und die Moderne“, deren Besuch im Alten Rathaus sich unbedingt lohnt. Klitzsch Lizenz

Wittenberg - Die Stiftung Christliche Kunst Wittenberg erweitert erneut ihre Sammlung: Wie Jutta Brinkmann, Geschäftsführerin der Einrichtung, bestätigt, wird das Bild „Die Sünderin“ von Katerina Belkina angekauft. Diese hatte dafür im April wie berichtet den Internationalen Lucas-Cranach-Preis 2015 erhalten. Zu sehen ist das Werk seither in der Wittenberger Exerzierhalle in der Ausstellung „Cranach 2.0“. Wann genau die Stiftung das Bild der in Berlin lebenden Künstlerin bekommt, sei momentan noch nicht ganz klar.

Über 70 Werke aus dem Bestand

Wo es hängen soll, weiß Brinkmann allerdings schon genau: im Alten Rathaus, Sitz der Stiftung, die dort - ebenfalls seit 18. April und auch im Rahmen des Projekts „Cranach-City“ - ihren Beitrag zu den Veranstaltungen rund um Lucas Cranach den Jüngeren 2015 die Ausstellung „Cranach und die Moderne“ präsentiert. Über 70 Werke aus dem Bestand der Sammlung, die Hunderte Original-Grafiken der klassischen Moderne umfasst, sind bis zum 1. November zu sehen. Alle ausgestellten Arbeiten nehmen Bezug zu Werken Cranachs des Jüngeren, von denen Brinkmann jeweils hochwertige Reproduktionen drucken ließ. Diese sind Bildern von Künstlern wie Ernst Barlach, Max Beckmann, Fritz Cremer, Otto Dix, George Grosz, Edouard Manet, Kurt Mühlenhaupt, Joseph Beuys, Palle Nielsen, Werner Tübke oder Marc Chagall gegenüber gestellt. Auch ein Damien Hirst ist dabei.

Mit dieser fotografischen Selbstinszenierung, genannt „Die Sünderin“, hat die zum Zeitpunkt der Entstehung des Bildes noch hochschwangere Katerina Belkina den ersten Preis des Internationalen Lucas-Cranach-Preises 2015 gewonnen. Die Verleihung fand wie berichtet am 18. April in der Wittenberger Exerzierhalle statt. Dort sind die Arbeiten der Preisträger und von Nominierten bis Juli zu sehen, danach wird die Schau in Kronach gezeigt.

Die Stadt gehört wie u. a. die Cranach-Stiftung und die Stiftung Christliche Kunst Wittenberg zu einem breiten Bündnis, das den Wettbewerb ausgelobt hatte. Letztere wird nun nicht nur Belkinas Arbeit ankaufen, sondern auch jene von Edgar Knobloch. Dieser hatte den von der Stiftung Christliche Kunst zusätzlich gestifteten Kunstpreis gewonnen.

Am 30. Mai, 14 Uhr, lädt die Cranach-Stiftung zur Führung durch die Ausstellung „Cranach 2.0“ in die Exerzierhalle ein. Diese ist bis 5. Juli zu sehen; „Cranach und die Moderne“ der Stiftung Christliche Kunst im Alten Rathaus bis 1. November. Beide Cranach-Ausstellungen können dienstags bis sonntags zwischen 10 und 17 Uhr besucht werden

Im Mittelpunkt der Schau stehen zentrale Themen wie Taufe, Abendmahl, Gethsemane, Kreuzigung, Auferstehung, Christus und die Ehebrecherin sowie David und Bathseba. Letztere ist im Original das einzige Werk in der Ausstellung von Cranach dem Älteren, zu dem Picasso und Chagall in Dialog treten. Was das Bild „Christus und die Ehebrecherin“ betrifft: Dort, sagt Brinkmann, möchte sie gern auch Belkinas „Sünderin“ zeigen. Ihre Arbeit wäre in guter Gesellschaft mit Karl Schmidt-Rottluff.

Nicht wenige der ausgestellten Werke entstanden einst unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs. Besonders bei Arbeiten von Dix, Beckmann oder Grosz ist das Grauen spürbar. Regelrecht fröhlich kommen da die Farblithografien eines James Ensor daher: Die Taufe etwa lässt er Johannes vollziehen, indem dieser gleich einen großen Bottich Wasser über Jesus ausschüttet. Doch täusche der erste Blick, denn bei genauer Betrachtung erkenne man auch Dämonen.

Bibelstellen inklusive

Um auch weniger bibelfesten Besuchern die Ein- und Zuordnung der Bilder(Geschichten) und das Verständnis zu erleichtern, hat Brinkmann jeweils die entsprechenden Textstellen auf Stoffbahnen drucken lassen. Zur Ausstellung ist zudem ein Katalog in deutscher und englischer Sprache erschienen, darin auch Picasso zitiert wird: „In der Kunst gibt es für mich weder Vergangenheit noch Zukunft. Wenn ein Kunstwerk nicht in der Gegenwart weiterlebt, spielt es keine Rolle mehr.“ Die Arbeiten in der Schau „Cranach und die Moderne“ haben dieses Problem nicht. (mz)

Die Sünderin
Die Sünderin
Archiv/Kuhn Lizenz