Spitzenwert für den Nachwuchs

Spitzenwert für den Nachwuchs : Fischadler für die Schweiz

Wittenberg - Sachsen-Anhalt unterstützt Wiederansiedlungsprojekt und liefert Jungvögel.

Von Henrik Klemm 06.09.2016, 09:45

Holger Gabriel ist bester Laune. Die Fischadler haben diese Saison für reichlich Nachwuchs gesorgt. Der Mitarbeiter in der Biosphärenreservatsverwaltung „Mittelelbe“ und langjährige ehrenamtliche Greifvogelberinger konnte zwischen Wittenberg und Schönebeck entlang der Elbe sowie an der Unteren Mulde insgesamt elf Fischadler-Brutpaare registrieren - zehn von ihnen haben 26 Jungvögel groß gezogen. Im vergangenen Jahr waren in diesem Gebiet nur acht Brutpaare mit 17 Jungvögeln erfolgreich.

Positive Entwicklung

„Das ist ein Spitzenwert im Vergleich zu den Vorjahren“, sagt der Experte. Und weil Sachsen-Anhalt damit langsam aber sicher zum Fischadlerland emporsteigt, konnten erstmals Jungvögel aus dem Biosphärenreservat exportiert werden - drei aus dem Zuständigkeitsbereich von Gabriel und drei aus dem Jerichower Land.

„Wir haben aus Horsten mit drei Jungen jeweils einen Fischadler entnommen, alle etwa vier Wochen alt, um ein Wiederansiedlungsprojekt in der Schweiz zu unterstützen“, erklärt Gabriel.

In der Schweiz gibt es seit 1914 keine brütenden Fischadler mehr, vom Menschen wurden sie ausgerottet. 2015 nahmen dann Naturschützer des Westschweizer Vereins „Nos Oiseaux“ Anlauf, die Greifvögel wieder heimisch werden zu lassen. Aus Schottland kamen die ersten Jungvögel auf das Gelände beim Gefängnis Bellechasse, das öffentlich nicht zugänglich ist und daher die nötige Abgeschiedenheit und Ruhe bietet. In diesem Jahr wurden dorthin sechs aus Norwegen eingeflogen und eben so viele aus Sachsen-Anhalt per Nachtfahrt ohne Komplikationen mit dem Pkw in die Schweiz gebracht. Im Kanton Freiburg haben sie Ende Juni ihre neue Heimat gefunden - jetzt sind sie bereits ausgeflogen. Im Herbst werden sie gen Süden fliegen und hoffentlich nach einigen Jahren an den Murtensee zurückkommen, so dass auch in der Schweiz wieder ein paar Fischadler brüten und Nachwuchs aufziehen. Das wird in ihrem dritten oder vierten Lebensjahr sein, bis dahin sind die Greifvögel in Junggesellentrupps an der Westküste Afrikas unterwegs.

Seeadler in der Elbaue

Ihren Nachwuchs haben in diesem Jahr in der Elbaue zwischen Wittenberg und Schönebeck auch die Seeadler bestens groß gezogen, wie Gabriel berichtet. Vergangene Saison sah das noch ganz anders aus, da hatte der Greifvogelexperte gegenüber der MZ von einem „Totalausfall“ gesprochen. Orkan „Niklas“, der Ende März 2015 über Deutschland zog und auch in der hiesigen Region die Seeadlerhorste mit Eiern bzw. Jungvögeln von den Bäumen fegte, war daran Schuld gewesen. Doch dieses Jahr blieben die Seeadler von solchen Attacken verschont. „Von neun Brutpaaren waren sechs erfolgreich, sieben Jungvögel wurden aufgezogen“, berichtet Gabriel zufrieden. Da sich zwei neue Paare im Gebiet angesiedelt haben, sind nun alle Lücken zwischen den Territorien der Seeadler geschlossen. „Lebensraum und Nahrungsangebot passen also“, fügt er hinzu.

Göritzer Falken wieder da

Und er kann noch von einer weiteren Erfolgsgeschichte berichten. Die haben Wanderfalken geschrieben. Zum einen jene auf den Gittermasten der Stromversorger brütenden vier Paare, die im Zuständigkeitsbereich von Beringer Gabriel immerhin 13-mal Nachwuchs das Lebensnotwendige beibrachten. Besonders jedoch die auf Bäumen brütenden Greifvögel. „Landesweit gibt es inzwischen vier solcher Brutpaare - jeweils ein Brutpaar im Landkreis Wittenberg (Göritz) und im Landkreis Anhalt-Bitterfeld (Golmenglin), zwei weitere bei Stendal bzw. im Jerichower Land“, informiert Gabriel. Sie zogen elf Jungvögel auf.

Zur Erinnerung: 2014 zog nach über fünf Jahrzehnten erstmals wieder ein Wanderfalkenpaar in Sachsen-Anhalt hoch oben auf einen Baum im Göritzer Forst Junge auf. Im vergangenen Jahr gab es in dem alten Kolkrabenhorst und auch in dessen Umfeld keinen Nachwuchs. Doch diesmal sei es richtig gut gelaufen, sagt Gabriel.

Nils Schumann, der zuständige Förster im Landesforstbetrieb Sachsen-Anhalt, hatte Gabriel, als er Revierverhalten von Wanderfalken bemerkte, informiert. Der kam sofort und brachte einen geflochtenen Kunsthorst in einem Baumwipfel an. Genau dort brüteten die Göritzer Wanderfalken und zogen drei Jungtiere auf.

(mz)