Sonderausstellung im Zeughaus

Sonderausstellung im Zeughaus: Mystisches aus aller Welt

Wittenberg - Zeughaus zeigt „Objekte der Verehrung“ und lädt damit zu einer Expedition durch drei Jahrtausende und auf alle Kontinente.

Von Stefanie Hommers 05.12.2017, 10:05

Die Kugel in der Glasvitrine ist winzig – und doch hat man sich von ihr einst großes erhofft. Sie wurde aufgestellt, um Hexen und böse Geister einzufangen. Die sogenannte Hexenkugel stammt aus England und ist eines von zahlreichen Exponaten, die ab kommendem Sonnabend in der neuen Sonderausstellung des Wittenberger Zeughauses der Öffentlichkeit präsentiert werden.

„Objekte der Verehrung“ lautet der Titel und sie lädt ein zu einer Reise ins Reich des Magischen, des Glaubens, wie des Aberglaubens.

Es ist eine Expedition, die durch drei Jahrtausende führt und auf alle Kontinente. Denn heilige Objekte hat es zu allen Zeiten und in allen Religionen gegeben. Gemeinsam mit dem Freundeskreis des Riemer Museums wurden die Exponate aus den Beständen der Städtischen und der Riemerschen Sammlung sowie aus Privatbesitz ausgewählt, um einen Blick auf verschiedenen Kulte und Kulturen zu eröffnen und so letztlich auch die eigenen Glaubensüberzeugungen von einer neuen Perspektive aus überprüfen zu können.

Am Sonnabend eröffnet Oberbürgermeister Torsten Zugehör im Museum im Zeughaus die Sonderausstellung „Objekte der Verehrung – Materielle Zeugnisse von Glauben, Ehrfurcht und Gedenken in den Kulturen der Menschheit“.

Die Exposition wird bis zum 1. April 2018 auf der Sonderausstellungsfläche im Erdgeschoss in der Juristenstraße 16 in Wittenberg gezeigt.

Thematisch knüpft die Ausstellung am Ende eines ereignisreichen Jahres 2017 an das Reformationsjubiläum an. Denn schließlich war es Martin Luther, der die Reliquiensammlung von Friedrich dem Weisen einer Glaubenskritik unterzog, die heilsbringende Kraft der Exponate in Zweifel zog und sich daran machte, sie zu entmystifizieren. Von jenen 19.000 Objekten, die der Kurfürst im 16. Jahrhundert zusammengetragen hatte, ist zwar heute in Wittenberg nichts mehr zu finden – keine Knochensplitter von Heiligen, kein Dorn von der Krone Christi existiert mehr und auch jener magische Tropfen Milch von der Jungfrau Maria ist verschollen.

Wohl aber kündet das im Auftrag Friedrichs publizierte Heiltumsbuch noch von den Hoffnungen, die sich mit den Sammlerstücken verbanden. Die Ausstellung zeigt einen Reprint des Buches aus dem 19. Jahrhundert und zieht von Wittenberg aus in die Welt.

Gezeigt werden etwa Schwirrhölzer aus Australien, blutgetränkte Erde Kerbalas, Amulette aus der Südsee und der Sarg einer Spitzmaus aus Afrika. Auch einige zeitgenössische Objekte sind ausgestellt: der Playmobil-Luther aus Plastik steht neben einem afrikanischen Ebenbild des Reformators aus Ebenholz und zeugt davon, dass heutige Reliquien in der Gestalt von Kitsch daherkommen.

Wer vergangene Heilserwartungen belächele, blicke zu kurz, sind die Ausstellungsmacher überzeugt. Auch in einer säkularisierten Zeit gebe es immer noch zahlreiche Zeugnisse des Glaubens an Magisches und Mystisches. „Es ist gar nicht so einfach, die Sphäre des Religiösen zu verlassen“, findet Michael Solf vom Riemer Freundeskreis. Schon wer auf einem Lottoschein ein bestimmtes Muster ankreuze mystifiziere.

„Im Grunde genommen“, ergänzt der Berliner Ethnologe Nils Seethaler, „ist alles mystisch“.

Den Blick für diese Erkenntnis zu öffnen, haben sich die Ausstellungsmacher auf die Fahnen geschrieben und sie geben dem Betrachter ein paar augenzwinkernde Hinweise: In der Vitrine der Gegenwart ruht ein Hühnergott. „Spannend“, findet der Leiter der Städtischen Sammlungen Andreas Wurda die „Objekte der Verehrung“ und hofft, dass sich zahlreiche Gäste auf Betrachtungen aus einem etwas anderen Blickwinkel einlassen.

Geöffnet ist Dienstag, Mittwoch, Sonnabend und Sonntag jeweils zwischen 9 und 12 Uhr sowie zwischen 13 und 17 Uhr. (mz)