Boxen

So trainieren die Wittenberger Nachwuchsboxer in Pandemiezeiten

Die Situation ist für Übungsleiter und Kinder eine Herausforderung. Kontaktsport wird kontaktlos. Wie Einheit Wittenberg den Nachwuchs bei Laune hält.

Von Michael Hübner
Die Steppkes freuen sich auf das „Box“-Training auf dem Wittenberger Platz der Jugend.
Die Steppkes freuen sich auf das „Box“-Training auf dem Wittenberger Platz der Jugend. (Foto:Thomas Klitzsch)

Wittenberg

Das ist für Boxer noch etwas gewöhnungsbedürftig: Der Blick auf den Regenradar. Ausgerechnet als Wittenberg am Mittwoch mit einem heftigen Schauer konfrontiert wird, muss die Entscheidung fallen. Die Prognose ist aber freundlich: Für 16 bis 18 Uhr soll es trocken bleiben.

Grundlagen werden vermittelt

Und so geben die Eltern grünes Licht: Das Training fällt nicht dem Wetter zum Opfer. Die Freiluft-Übungseinheiten für fünf Kinder - mehr lässt der Gesetzgeber in Pandemiezeiten nicht zu - starten pünktlich um 16.15 Uhr auf dem Platz der Jugend. „Am Anfang ist es langweilig“, sagen die Trainer. Aber eine Erwärmung müsse sein.

Eine Runde geht es zum Auftakt um den Sportplatz. Zwei Trainer kümmern sich auch um die Fitness der Steppkes. Liegestütze und Rumpfbeugen stehen unter anderem auf dem Programm. Beim Schulen der Reflexe und dem Üben der richtigen Beinstellung ist schon erkennbar, dass es sich hier nicht um allgemeinen Kindersport handelt. Mit großer Freude sind die Kids bei Bewegungs- und Lockerungsspielen dabei. Wer verliert, muss zusätzliche Liegestütze oder Kniebeugen absolvieren.

Es gibt sogar - „Vor dem Training nichts essen“ - Ernährungstipps. Die jüngsten Mitglieder sind mit viel Freude bei der Sache und doch wird mehrfach die Frage gestellt, wenn es wieder in die Halle und zum Sandsack geht. Konkrete Antworten kann es noch nicht geben. Für die Übungsleiter ist diese Situation - kontaktloses Training in einer Kontaktsportart - schon eine große Herausforderung, zumal sich die Trainer auf jeden Schützling einstellen müssen. „Jedes Kind besitzt ein eigenes Level“, berichtet Julia Kaatz, „aber das ist alles besser als gar kein Training. Wir können Grundlagen vermitteln.“

Die Frau ist Kickboxerin, Trainerin und Abteilungsleiterin. Sie kämpft also nicht nur im Ring, sondern auch um den Nachwuchs. Interessenten seien herzlich willkommen, betont sie.

Über Mütter und Frauenpower

„Es gibt aber Mütter“, berichtet die Expertin, „die schicken ihre Kinder nicht gern zum Boxen.“ Dabei seien viele Vorurteile unbegründet. „Boxen ist eine verletzungsarme Sportart“, sagt sie. Wettkämpfe gebe es erst im Erwachsenenbereich ab 14 Jahre. Die Kinder absolvieren höchstens mal einen Vergleichskampf „im Vollschutz“ mit Dessau. Diese Begegnungen enden dabei alle remis. Die letzte Verletzung resultiere aus einen Basketballspiel. Der Sportler sei einfach umgeknickt.

Im Übrigen sei das Boxen bei Einheit durchaus keine reine Männerdomäne. Auch eine Frauengruppe ist zahlenmäßig stark. „Das sind vor allem Kickboxerinnen. Sie haben durch den Sport Selbstbewusstsein gewonnen und können sich im Ernstfall auch verteidigen. Darüber hinaus verbrennen sie mehr Kalorien als beim Joggen“, so die Chefin der Abteilung, und auch die Vorsitzende des Gesamtvereins ist eine Frau.

Bei Einheit haben also die Frauen das Sagen. Doch das sei unproblematisch, betont Julia Kaatz. „Viele Männer kennen das ja schon von zuhause“, sagt die Abteilungsleiterin.

Früh übt sich, wer ein Meister werden will.
Früh übt sich, wer ein Meister werden will.
(Foto: Thomas Klitzsch)
Julia Kaatz gibt Hinweise.
Julia Kaatz gibt Hinweise.
(Foto: Klitzsch)