Tag des offenen Denkmals

Schätze ans Tageslicht in Wittenberg

In der Wittenberger Altstadt wird am Vorabend der Veranstaltung eine Freiluftausstellung zum Thema eröffnet. Was zu sehen ist.

Von Irina Steinmann
Zur Denkmalsmeile mit Freiluftausstellung wird am nächsten Wochenende die Wittenberger Altstadt (rechts die ?Schaubaustelle? Markt 3).
Zur Denkmalsmeile mit Freiluftausstellung wird am nächsten Wochenende die Wittenberger Altstadt (rechts die ?Schaubaustelle? Markt 3). (Foto: Paul Damm)

Wittenberg - Für Auswärtige ist es natürlich auch interessant, vor allem aber dürfte es eine spannende Entdeckungsreise für die Wittenberger selbst sein: die Freiluftausstellung „Sein und Schein“, die am Vorabend des bundesweiten Tags des offenen Denkmals in der Lutherstadt eröffnet wird. Erarbeitet im Auftrag der Stadt von der Wittenberger Kunsthistorikerin Insa Christiane Hennen unter Mitwirkung von Mario Titze vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie bietet die Architekturschau eine reizvolle Gegenüberstellung auch weniger bekannter Denkmale aus Stadt und Umland im Wandel der Zeiten.

Kleine Corona-Lektion

Die Ausstellung teilt das Motto der Gesamtveranstaltung und sei, wie Hennen am vorvergangenen Freitag bei der Vorstellung des Gesamtprogramms (die MZ berichtete) launig bemerkt hatte, eine direkte Folge der Corona-Pandemie, als man nämlich lernte beziehungsweise lernen musste: „Alles, was draußen ist, geht.“

Schon das Foto in Schwarz-Weiß, mit dem die Exposition beworben wird, macht Lust auf mehr: Es zeigt, fotografiert vom Schlosskirchenturm, den heutigen Eispavillon, errichtet 1959/1960 als Repräsentationsort der Stickstoffwerke - einschließlich lange verschwundener Slogans an den Mauern der Nachbarhäuser, die genau darauf Bezug nehmen: die 10.000 Chemiearbeiter, die in Piesteritz an der Erfüllung des staatlichen Chemieprogramms arbeiteten. Schon 1976, erfährt man weiter, wurde der Pavillon allerdings zum Eiscafé.

Vorgestellt werden auf den Schautafeln in Bild und Text insgesamt 24 Objekte zwischen Prettin und Wörlitz, Lichtenburg und Eichenkranz, darunter sämtliche Schlösser im Landkreis (es sind mehr als man denkt!), aber eben auch viele technische und/oder sozialistische Erbstücke, vom Wandbild in Cobbelsdorf bis hin zu den ministerialen DDR-Reisezugwagen aus Labetz.

Digital schon verfügbar

Als Freiluft-Veranstaltung ohnehin stärker als andere Programmpunkte vor den Fährnissen der weiteren Corona-Entwicklung geschützt, kann man sich die Ausstellung gleichwohl heute schon im Kleinen ansehen: digital, beispielsweise auf der Website der Stadt Wittenberg.

Der Tag des offenen Denkmals findet am 12. September statt und bietet eine Fülle von Veranstaltungen für alle, die an Geschichte und Architektur interessiert sind. Wittenberg hat in diesem Jahr wie berichtet die Ehre, die Eröffnungsstadt dieser seit 1993 stattfindenden bundesweiten Veranstaltung zu sein. Die mehrstündige Eröffnungsfeier mit Ministerpräsident und Denkmalexperten findet ab 11 Uhr auf dem Marktplatz statt. Die Freiluftausstellung wird dort bereits am Samstagabend eröffnet (19 Uhr).

Das gesamte Programm: www.tag-des-offenen-denkmals.de, www.wittenberg.de/tagdesoffenendenkmals.de und als handliche Broschüre, die es unter anderem im Bürgerbüro und in der Tourismusinformation gibt. Zu der Freiluftausstellung gibt es übrigens eine eigene Broschüre.

Die Altstadt soll leuchten in allen Farben - Freimaurer im Lutherhof

Der Tag des offenen Denkmals findet seit 1993 am zweiten Sonntag im September statt. Die Stadt Wittenberg als diesjährige Gastgeberin der bundesweiten Eröffnungsveranstaltung wartet aber nicht bis zum 12. September, um sich und ihr Erbe in Szene zu setzen. Wie berichtet geht es bereits am Freitag mit einer Fachtagung zur Denkmalpflege in der Stiftung Leucorea los, und schon am Samstag gibt es zahlreiche Führungen und Veranstaltungen, darunter drei Bus-Exkursionen aufs Land.

Dieser 11. September ist auch der Tag, an dem die gesamte Altstadt ins rechte Licht gerückt werden soll, im Wortsinn: Von 19 bis 23 Uhr werden Wittenbergs Denkmale in verschiedenen Farben angestrahlt. „Das leuchtende Band strahlt von der Schlosskirche bis zum Augusteum“, heißt es in der Ankündigung, und es war bei der Pressekonferenz zum Tag des offenen Denkmals der Oberbürgermeister selbst, der aus diesem Anlass schon mal in eine üppige und vielfältige temporäre „Scheinbar“ geladen hat, gemeint sind die im Wittenberger Zentrum ansässigen Restaurants und Lokale.

Nahezu zeitgleich zur Illumination der Altstadt lädt die Stiftung Luthergedenkstätten an diesem Vorabend des Denkmalstags zu einem „Denkmal. Hof. Fest“. Ihr Partner ist wie berichtet das Luther-Melanchthon-Gymnasium, und zwischen Body-Painting und Enthüllungen zur Freimaurerei darf man sich im Lutherhof auf einiges gefasst machen. Beim Vortrag zur Freimaurerei der Schülerin Mara Lena Masser assistiert dieser übrigens Stiftungsdirektor Stefan Rhein.

Rhein verriet bereits, dass auch Wittenberg, historisch im Vergleich zu anderen Städten im Lande eigentlich nicht so sehr als Hort der Freimaurerei bekannt, zwei frühere Gebäude dieser Gruppierung beherbergt, nämlich die AOK-Villa an der Berliner Straße und ein Haus in der Scharrenstraße am „Arsenal“. Demnächst wird man darüber mehr wissen.