„König“ Peter Fitzek

„König“ Peter Fitzek: Königreich Deutschland - Krankenhausgelände in Wittenberg unterm Hammer

Wittenberg - „König“ Peter Fitzeks Königreich Deutschland, eine ehemalige Klinik im Wittenberger Stadtteil Apollensdorf-Nord, soll im Rahmen des Untreue-Prozesses verkauft werden.

Von Michael Hübner

Marco Ginzel bleibt gelassen. Das Leben im Königreich Deutschland - einer ehemaligen Klinik im Wittenberger Stadtteil Apollensdorf-Nord - geht weiter, betont der Mann für die Öffentlichkeitsarbeit. Garten- und Ackerarbeiten stehen auf dem Programm. Eine größere Fuhre Mist ist geordert und wird erwartet.

Das Verwaltungsgebäude ist bewohnt, ehemalige Stationen des Krankenhauses stehen aber leer. Trotzdem scheint auf den ersten Blick alles wie immer: Zöllnerhäuschen, Schlagbaum und Wappen kennzeichnen das Territorium des Fantasiestaates. Der selbst ernannte Monarch ist derzeit aber nicht zu sprechen.

„König“ Peter Fitzek sitzt seit Wochen in Untersuchungshaft. Der selbst ernannte Monarch muss sich gegenwärtig vor dem Landgericht Halle wegen des Vorwurfes der Untreue in Millionenhöhe verantworten. Der Angeklagte beteuert seine Unschuld. Die Staatsanwaltschaft Dessau, die die Anklage vertritt, sieht das deutlich anders und strebt eine mehrjährige Haftstrafe an.

Und es gibt weiteres Ungemach für den 51-Jährigen. Der Anwalt Stefan Oppermann aus Nürnberg prüft im Auftrag der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (Bafin) Abwicklungsmöglichkeiten für das Objekt.

„Das Mindestgebot liegt bei 600.000 Euro“, will Ginzel in Erfahrung gebracht haben.

Untreueprozess gegen Peter Fitzek: „Es geht um knapp drei Millionen Euro“

Oppermann arbeitet im Auftrag der Bafin, bestätigt die Behörde auf MZ-Anfrage. „Das Gelände gehört aber einem Verein, und der ist nicht insolvent“, erklärt Bafin-Pressesprecher Mario Kyriasoglau die komplizierte Rechtslage. Nach seinen Angaben wurden gegen Fitzek drei Zwangsgelder verhängt - unter anderem wegen illegalen Betreibens einer Bank und von Versicherungen. Die Rede ist unter anderem von der Königlichen Reichsbank und von der „Neudeutschen Gesundheitskasse“.

„Es geht um knapp drei Millionen Euro“, so Kyriasoglau. Und deshalb müsse eben geprüft werden, „welche Vermögen abzuwickeln gehen“. Damit die verhängten Zwangsgelder bezahlt werden können. Dabei stehe das gesamte Firmenkonglomerat Fitzeks zur Disposition.

Das Vermögen von Fitzeks Verein „Ganzheitliche Wege“ wurde schon im November 2014 beschlagnahmt. Und jetzt ist eben auch die ehemalige Klinik in den Fokus der Recherchen geraten.

Dabei stellt sich noch eine weitere Frage: Ist jemals die komplette Verkaufssumme - es soll sich um mehr als eine Million Euro handeln - tatsächlich beglichen worden? Der ursprüngliche Eigentümer, die kirchliche Paul-Gerhardt-Stiftung, kann und darf das nicht beantworten. „Wir haben nicht an Herrn Fitzek, sondern an einen Gewerbetreibenden aus dem Landkreis Wittenberg verkauft. Bei der Vertragsunterzeichnung haben wir Stillschweigen vereinbart“, sagt Superintendent Christian Beuchel.

Königreich Deutschland: Krankenhausgelände wurde dem Landkreis Wittenberg angeboten

Für das ehemalige Krankenhaus gibt es durchaus Interessenten. Allerdings sollen deren Angebote laut Ginzel deutlich unter 500.000 Euro liegen.

Oppermann hat inzwischen das Objekt auch dem Landkreis Wittenberg angeboten, bestätigt am Donnerstag Pressesprecher Ronald Gauert. Der Gebäudekomplex mit rund 8.300 Quadratmetern Nutzfläche auf einem Gelände von 90.000 Quadratmetern war als ein Flüchtlingsheim im Gespräch. Die Liegenschaft sei dementsprechend vom Landratsamt tatsächlich geprüft worden. „Das hat sich aber zerschlagen. Es besteht kein Bedarf mehr“, so Gauert.

Im Königreich selbst herrscht kämpferische Stimmung. „Wir werden Apollensdorf nicht aufgeben“, heißt es. Allerdings hat Fitzek schon einmal selbst vorgerechnet, dass die Unterhaltung der Immobilie sehr kostenaufwendig ist. Der „König“ hat in einem Brief an die Bafin angedeutet, dass das Krankenhausgelände überdimensioniert sei. (mz)

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