Reichsbürger

Hacker greifen „Königreich Deutschland“ von Peter Fitzek an.

Von Alexander Baumbach
Anonyme Hacker wollen die Webseite des "Königreichs Deutschland" gehacked haben.
Anonyme Hacker wollen die Webseite des "Königreichs Deutschland" gehacked haben. CC0

Wittenberg

"Invasion ins Königreich" titelt die Webseite anonleaks.net am Mittwochnachmittag. Das Portal, das Sprachrohr des Hacker-Kollektivs "Anonymous" in Deutschland ist, will nach eigenen Angaben die Server des Fantasie-Staates "Königreich Deutschland" von Peter Fitzek gehacked haben.

Auf den "offiziellen" Kommunikationskanälen der Reichsbürger schweigt man sich über den Hack bislang aus. Auch die bundesdeutsche Polizei kennt den virtuellen Banküberfall nicht. "Eine Anzeige liegt uns nicht vor", erklärt Polizeisprecher Johannes Braun von der Polizeiinspektion Dessau-Roßlau.

Anonleaks behauptet, dass einige "Anons", so nennen sich die Mitglieder des Kollektivs, die beiden Online-Marktplätze Kadari und Kadari-Kleinanzeigen (steht für "Kauf das Richtige") "angeschaut" hätten. Dort kann man nur in E-Mark zahlen, einer Fantasiewährung, die man durch den Kauf mit Euros bei Fitzek erwirbt. Dabei hätten die Hacker nach eigenen Angaben einen kompletten Datenbank-Dump des "königlichen" Servers erbeutet, inklusive der Datenbanken der sogenannten Gemeinwohl- und Heilkasse.

"Alle Händler, alle Käufer, alle Zugänge, Geldflüsse, Adressen, Geschacher, alles. Auch wer hinter den Händlern steckt und welche Posten sie in der richtigen Welt innehaben. Mehrere Gigabyte an Daten aus mindestens 5 verschiedenen MySQL-Datenbanken, persönliche Daten, die in den Tiefen der Verzeichnisstruktur schlummern, sehr viele Mails, die erst noch ausgewertet werden wollen", führt das Portal in seiner Erklärung an.

Außerdem habe man die Seite "defaced", also umgestaltet, und in einer Optik, die an die Matrix-Filme erinnert, darauf hingewiesen, dass die Seiten gehacked worden seien: “Diese Seite wurde von Anonymous Germany im Rahmen der #OpTinfoil eingenommen. Es ist an der Zeit dem Schwurbel ein Ende zu setzen. Eure Daten haben wir gelöscht, aber es existiert ein Backup eurer Dateien und Datenbanken (archiviert ca. 26 GB) auf unseren Servern“, soll dort zu lesen gewesen sein.

Um 21.59 Uhr meldet Anonleaks dann, dass die Seiten wieder funktionieren würden. Anscheinend habe ein Administrator des "Königreiches" den Hack bemerkt und die Seiten aus einer Sicherungskopie wieder hergestellt.

Unter dem Decknamen "Operation Tinfoil", also "Operation Silberfolie", hat sich das Hacker-Kollektiv gerade die Bekämpfung von Verschwörungstheorien im Internet auf die Fahne geschrieben. Damit spielt die Truppe auf den Alu-Hut aus Silberfolie an. Erstmals wurde ein solcher 1927 in einer Science-Fiction-Geschichte von Julian Huxley erwähnt als Schutz vor telepathischen Strahlen. Mittlerweile ist die metallische Kopfbedeckung zum Synonym für Verschwörungstheoretiker im Allgemeinen geworden.

Seit einem Jahr führt Anonymous die Aktionen unter dem Motto OpTinfoil durch. Der Auftakt war ein Hack gegen "Widerstand2020" am 5. Mai 2020. Zu ihren Zielen zählten in der Vergangenheit der antisemitische Hassprediger und Vegankoch Attila Hildmann sowie der Schweizer Sektenprediger Ivo Sasek. Nach Angaben von anonleaks will man auch die Webseite der neuen Partei "Die Basis" gehacked und dabei zahlreiche Datensätze über Mitglieder und interne Strukturen der Organisation erbeutet haben.

Diese wären faktisch frei zugänglich gewesen, indem man hinter der Webseite der Partei einfach "download" eingegeben und damit freien Zugriff auf die Daten bekommen habe. Die Seite sei nicht mit einem Mindestmaß an Zugriffsschutz versehen gewesen. (mz)