Grundschulen in Wittenberg

Grundschulen in Wittenberg: Wo sollen Kinder eingeschult werden?

Wittenberg - Der Stadtrat billigt die Umverteilung von Erstklässlern im früheren Neubaugebiet. Warum trotzdem diskutiert wird.

Von Irina Steinmann 25.05.2019, 06:54

Der Kommunalwahlkampf ist in die heiße Phase getreten und das macht sich auch im Stadtrat bemerkbar: Man schenkt sich gegenseitig nichts. Ruppigkeiten und Schaufensterpolitik haben zugenommen in dem sonst zumeist besonnenen Gremium. Einvernehmliche Entscheidungen kommen trotzdem zustande auf dieser letzten Sitzung in alter Besetzung.

Alte Schule, neue Schulen

So haben die Stadträte am Mittwoch erwartungsgemäß den Weg frei gemacht für die Neufestlegung der Schulbezirke im Stadtgebiet. Bei nur einer Enthaltung sprachen sie sich dafür aus, dass bereits ab diesem Schuljahr ein Teil der Erstklässler nicht die Geschwister-Scholl-Schule sondern die nächstgelegenen Grundschulen „Käthe Kollwitz“ und „Diesterweg“ besuchen werden.

Die Stadt verspricht sich davon eine gleichmäßigere Verteilung der Schüler in dem Gebiet, so Bürgermeister Jochen Kirchner. Ziel sei der Erhalt aller Grundschulen in Wittenberg. Von der Umverteilung werden im ersten Jahr 25 Jungen und Mädchen betroffen sein, über die nächsten Jahre zusammen 146. Die Aufteilung sei „aus unserer Sicht alternativlos“, betonte Kirchner angesichts steigender Kinderzahlen im alten Neubaugebiet.

Diese Entwicklung hatte an der Geschwister-Scholl-Schule im Zusammenspiel mit weiteren Faktoren bereits zu Problemen geführt. Dass nach einem entsprechenden Kreistagsbeschluss nun auch die aufnehmende Käthe-Kollwitz-Schule Schulsozialarbeit bekommt, bezeichnete Kirchner als sehr positiv und wichtig.

Überaus einig in der Sache nutzten einige Stadträte gleichwohl die Gelegenheit sich abzugrenzen. „Wir müssen das jetzt so machen, weil es ist, wie es ist“, erklärte Dirk Hoffmann (AfD) - nicht ohne seinen Vorschlag zu erneuern, Kinder von Migranten gesondert zu beschulen, weil sie ja „nur auf Zeit hier sind“.

Unabhängig davon, dass derlei ohnehin nicht in die Kompetenz eines Kommunalparlaments fällt, rüffelte ihn dafür CDU-Stadträtin Insa Christiane Hennen: Er möge bitte „nicht jedes Mal so ein Fass aufmachen“, sagte sie. Schüler „auszugrenzen“ sei „ziemlich traurig“. Gut gemischte Schulen seien ein Beweis praktizierter Weltoffenheit, erklärte an Hoffmann gewandt Stefan Kretschmar (Freie Wähler). „Wir wollen Schulen haben, die funktionieren.“

Leiterin verbittet sich Lob

Dass Kretschmar dafür die Rosa-Luxemburg-Schule lobte, die sich sehr erfolgreich um Integration bemühe, kam wiederum bei deren Leiterin nicht gut an: Dies möge er bitte unterlassen und ihr selbst überlassen, rief, ungewöhnlich genug, aus dem Plenum Daniela di Dio (SPD).

„Wir haben immer noch Sprachklassen“, stellte die Leiterin der künftigen Gemeinschaftsschule im Übrigen klar, „die Grundschüler hatten dieses Glück nicht“. Sie wolle, dass die Geschwister-Scholl-Schule entlastet werde.

Das wollen, wie gesagt, alle. Das Schlusswort in der Debatte sprach Reinhard Rauschning, Fraktionschef der Sozialdemokraten. „Die Sache ist rund“, konstatierte er.

(mz)