Gesundheit in Wittenberg

Gesundheit in Wittenberg: Amtsarzt: „Corona ist mehr ein Kopf-Problem“

Wittenberg - „Null Infektionen im Land und damit natürlich auch im Landkreis“, vermeldete am Donnerstag der Amtsarzt des Landkreises Wittenberg, Michael Hable. Das bedeute für die Mediziner eine gute Ausgangslage. Denn, dass es mit der Zeit auch Viruserkrankte im Kreis geben werde, sei so gut wie sicher, so Hable. Da diese aber auf sich warten ließen, gebe es ausreichend Zeit zur Vorbereitung. So habe der Paul-Gerhardt-Stift etwa einen eigenen Eingang für Krebserkrankte eingerichtet, damit sich die oft immungeschwächten Patienten nicht an diesen oder anderen Viren ansteckten. Zudem könne das Personal entsprechend geschult ...

Von Julius Jasper Topp 05.03.2020, 15:46

„Null Infektionen im Land und damit natürlich auch im Landkreis“, vermeldete am Donnerstag der Amtsarzt des Landkreises Wittenberg, Michael Hable. Das bedeute für die Mediziner eine gute Ausgangslage. Denn, dass es mit der Zeit auch Viruserkrankte im Kreis geben werde, sei so gut wie sicher, so Hable. Da diese aber auf sich warten ließen, gebe es ausreichend Zeit zur Vorbereitung. So habe der Paul-Gerhardt-Stift etwa einen eigenen Eingang für Krebserkrankte eingerichtet, damit sich die oft immungeschwächten Patienten nicht an diesen oder anderen Viren ansteckten. Zudem könne das Personal entsprechend geschult werden.

Eine deutlich höhere Gefahr als vom Corona-Virus gehe derzeit von der Grippe aus, so der Mediziner. 200 Menschenleben in Deutschland, so eine Meldung vom Donnerstagmorgen, hatte diese in den ersten Monaten des Jahres gefordert. 17.000 hatten sich hierzulande bereits infiziert. Verglichen mit den wenigen hundert in Deutschland bekannten Corona-Fällen, die meist glimpflich verliefen, sei das weitaus schlimmer.

Dennoch herrsche eine große Unsicherheit in der Bevölkerung beim Thema Corona, ein „riesiges Rauschen“, wie Hable sagt. Großmütter, die sich vor Ansteckung durch ihre Enkel fürchteten, die nur jemanden kennen, der jüngst in Italien war, riefen im Gesundheitsamt an. Treffen mit einigen Dutzend Teilnehmern fühlten sich bemüßigt, eine amtliche Genehmigung einzuholen, Veranstalter bangten um ihre Events - vom Gartenreich bis hin zu Ferropolis. Ein Arbeitgeber verlangte gar einen „negativen Corona-Test“, weil ein Mitarbeiter aus dem Mittelmeer-Urlaub zurückkehrte.

Hable will bei diesem Thema auf Ruhe und Besonnenheit setzen. Großveranstaltungen seien von der Warte des Gesundheitsamtes nach aktuellem Stand nicht in Gefahr. Open-Air-Veranstaltungen seien ohnehin von geringerem Ansteckungsrisiko als solche in Hallen. Die Wahrscheinlichkeit, sich zu infizieren sei nach wie vor gering. „Die meisten Besorgnisse sind unbegründet“, sagt er. So sei bislang etwa kein einziges Kind schwer erkrankt. „Corona ist mehr ein Kopf-Problem“, sagt er. „Wir sind sehr gut aufgestellt.“

Bislang habe es einige wenige Verdachtsfälle gegeben, zu denen Amtsvertreter in Schutzausrüstung gefahren waren. Nur das Amt testet im Kreis auch auf Corona. Hausärzte tun dies derzeit nicht, auch weil ihnen die erforderliche Schutzausrüstung fehlt. Unwahr seien laut Hable übrigens Gerüchte, nach denen die Ärzte nicht testeten, weil Krankenkassen ihnen dafür die Zahlungen verweigere.

Sollte jemand tatsächlich einen begründeten Verdacht haben - sprich: Symptome und Kontakt zu jemanden aus einer Region haben, in der das Virus bekannt ist, solle er sich - das betont der Amtsarzt - telefonisch bei seinem Arzt oder beim Gesundheitsamt melden. Zu den Symptomen gehören laut Robert-Koch-Institut Fieber, trockener Husten, Abgeschlagenheit, manchmal auch Atemprobleme, Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen und Schüttelfrost. Wer solche Symptome habe, solle möglichst nicht in eine Praxis oder ins Krankenhaus gehen, so lange die Beschwerden nicht zu stark würden. Im besten Falle solle man Erkältungen zu Hause auskurieren und mit dem Arbeitgeber sprechen, der sich kulant zeigen und auf eine Krankschreibung verzichten könne, so Hable.