Funkamateure in Wittenberg

Funkamateure in Wittenberg: Ganz besonderes Hobby für Günter Dähne und Ralf Theunert

Wittenberg - Günter Dähne und Ralf Theunert in Wittenberg haben ein spezielles Hobby. Was für sie den Reiz am Funken ausmacht.

Von Paul Damm 25.05.2020, 11:49

„Schhh…“, rauscht es aus dem Lautsprecher. Ganz behutsam dreht Günter Dähne am Frequenzregler, allmählich werden Sprachfetzen hörbar. „Psst, ich glaube, hier ist jemand aus Italien“, mahnt er zur Ruhe. Er justiert den Regler noch um einige Frequenzen. Sein Funker-Kollege Ralf Theunert lauscht mit, doch die Stimmengeräusche bleiben undeutlich.

Die beiden Männer aus Wittenberg sitzen in ihrer kleinen „Funkerbude“. Diese ist nicht einmal 20 Quadratmeter groß, doch zugestellt mit Elektronik, Funkgeräten und Antennenverstärkern. Ein idealer Treffpunkt, um einem gemeinsamen Hobby nachzugehen: dem Funken über Kurzwelle.

Visitenkarte ist Pflicht

Das etwa fünf Jahre alte Funkgerät ist einsatzbereit, eine passende Frequenz in Reichweite. Günter Dähne dreht erneut am Regler. „Schhh… hello “, hört man sein Gegenüber rufen. „Wieder ein Italiener“, stellt der Amateurfunker fest. Dieses Mal ist der Empfang stärker und das Rauschen klingt ab. Ralf Theunert richtet die gigantische Antenne auf dem Dach des Ortsverbandsheims in Piesteritz nach Süden aus.

Die Verbindung ist stark, die beiden Männer können sich nun mit dem Italiener unterhalten. Was bei dem Gespräch auffällt, bei jeder Nachricht nennen die Amateurfunker einen mehrstelligen Code - das sogenannte Rufzeichen. „Das ist unser Rufzeichen vom Verein, das von genau diesem Funkgerät ausgeht. Mit dieser Zahlen-Buchstaben-Kombination ist es auch für andere möglich, uns anzufunken und eine Visitenkarte zu schicken“, erklärt der Vereinsvorsitzende vom Deutschen Amateur-Radio-Club Wittenberg (DARC), Ralf Theunert.

Eine Visitenkarte nach einer erfolgreichen Verbindung an den anderen Funker zu schicken, ist Pflicht. Auf dieser Karte steht das jeweilige Rufzeichen, die Heimatstadt und der Tag des gelungenen Funkkontakts. „Mit Sicherheit werden wir auch in ein paar Monaten Post von dem Italiener bekommen“, mutmaßt Günter Dähne und lacht.

An manchen Tagen verbringen die beiden Männer mehrere Stunden vor ihrem Funkgerät und versuchen neue Kontakte zu knüpfen und sich mit Menschen auf der ganzen Welt auszutauschen. „Wir reden eigentlich nicht über das Wetter, sondern es sind vermehrt Themen zur Elektronik“, erklärt der 37-jährige Theunert, der in Wittenberg eine Hausarztpraxis leitet.

Doch die Amateurfunker müssen nicht zwangsweise im dunklen Keller sitzen, um zu funken. Mittlerweile gibt es auch kleine Geräte, die der Größe einer externen Festplatte ähneln. „Die nehme ich mit, setze mich mit der Antenne aufs Fahrrad, suche mir einen schönen Berg und dann kann ich auch schon funken“, schildert er. Nicht immer liegt es an sprachlichen Barrieren, dass man sich nicht versteht. Oftmals stören große Bäume oder Geräte, die ebenfalls Funkwellen aussenden, die Verbindung zum Gesprächspartner.

Noch ganz genau kann sich Ralf Theunert daran erinnern, wie er es geschafft hat, eine Funkverbindung zur Antarktis herzustellen. „Das war ein ganz besonderes Highlight für mich“, gibt er zu. Denn man könne sich das Land nicht aussuchen, in welches man funken möchte. „Wenn ich die verschiedenen Frequenzen durchgehe, kann ich nicht entscheiden, ob ich jetzt mit einem Deutschen rede oder mit einem Kanadier“, sagt sein Funker-Mitstreiter Günter Dähne.

Je exotischer, desto besser

Beide Männer wissen, dass es sich um ein spezielles Hobby handelt. Zwar könnten sie auch einfach ihr Telefon nehmen, doch es geht ihnen nicht ums unkomplizierte Plaudern, vielmehr um eine selbst hergestellte Funkverbindung - je exotischer, desto besser. Während der Corona-Krise sind auch die Funker unter sich geblieben. Die persönlichen Treffen im Vereinslokal „Teucheler Hof“ entfielen, überall riefen Funker dazu auf, zu Hause zu bleiben.

In diese Zeit der Einschränkungen fiel auch der Weltamateurfunktag am 18. April. „Ganz viele Amateurfunker saßen an dem Tag an ihren Geräten - auch einige aus Wittenberg“, klärt Dähne auf. Eine Funkstille wird es bei Funkern wohl nie geben. (mz)