Feuerwehr in Gallin und Mühlanger

Feuerwehr in Gallin und Mühlanger: Kritik an Sparmaßnahmen

Gallin - Wenn die Sirene oder der Pieper ruft, sind sie zur Stelle. Die Kameraden der freiwilligen Feuerwehren Gallin und Mühlanger haben 2019 wieder kein leichtes Jahr absolviert. Beide sind zu je 36 Einsätzen gerufen worden, von denen die Suche nach vermissten Personen jene waren, die den Einsatzkräften mental sehr nahe ...

Von Karina Blüthgen 24.02.2020, 09:31

Wenn die Sirene oder der Pieper ruft, sind sie zur Stelle. Die Kameraden der freiwilligen Feuerwehren Gallin und Mühlanger haben 2019 wieder kein leichtes Jahr absolviert. Beide sind zu je 36 Einsätzen gerufen worden, von denen die Suche nach vermissten Personen jene waren, die den Einsatzkräften mental sehr nahe gingen.

Nicht alles nachvollziehbar

Am Wochenende haben die Wehren auf ihrer gemeinsamen Jahresversammlung Bilanz gezogen. Eines haben die Rechenschaftsberichte der Ortswehrleiter Sven Henze (Gallin) und Jens Höhne (Mühlanger) deutlich gemacht: Die freiwilligen Retter kämpfen nicht nur bei ihren Einsätzen um Leben und Gut der Bürger. Sie kämpfen auch gegen manche Entscheidung, die sie nicht nachvollziehen können.

Die über Jahre bestehende Alarmierungsgemeinschaft beider Wehren finde er gut, so Henze. Allerdings sei die Alarmierungs- und Ausrücke-Ordnung nun so überarbeitet worden, dass die Wehren nicht immer gemeinsam unterwegs sind. Dies sei offenbar eine politische Entscheidung gewesen, jedoch solle man dieses funktionierende System beider Wehren „nicht aufs Spiel setzen, da die Vergangenheit oft gezeigt hat, dass die gegenseitige Ergänzung Sinn macht“.

Jens Höhne erinnert an einen Brand in Zahna im Januar 2019. In dem Mehrfamilienhaus hatte im Treppenhaus ein Verteilerkasten gebrannt. Auch dank des Hubretters konnten 13 Menschen gerettet werden, für eine Person jedoch sei jede Hilfe zu spät gekommen. „Es wurde und wird immer die Anschaffung des Hubrettungsfahrzeuges der Feuerwehr Zahna diskutiert“, sagt Höhne. „Dieser Einsatz hat bewiesen, dass die Anschaffung notwendig war und das Leben von 13 geretteten Personen den Anschaffungs- und Unterhaltungswert des Fahrzeuges rechtfertigen.“ Lob und Kritik liegen an diesem Abend eng beieinander. Von Mühlanger gibt es Lob für die kurzfristige Beschaffung einer Rettungsschere als Ersatz für ein defektes Teil. Unverständnis herrscht hingegen an der Ablehnung der Fassadensanierung des Gerätehauses durch die Stadt mit dem Verweis auf fehlendes Geld. Die Arbeit wurde letztlich von der Feuerwehr selbst und dem Förderverein dank der Unterstützung von Malermeister Steffen Aderhold realisiert.

Ursachen und Wirkungen

Auch dass die Ersatzbeschaffung des TSF-W von 2021 auf mindestens 2023 verschoben ist, stößt nicht gerade auf Begeisterung. Zahnas Bürgermeister Peter Müller (Freie Wähler) nennt den vorhandenen Investitionsstau an Fahrzeugen und Gerätehäusern im Stadtgebiet als Ursache, der in den letzten Jahren nicht abgebaut werden konnte. Er bittet um Verständnis für die Entscheidungen der Stadt, die Anschaffung des Fahrzeugs zu verschieben. Immerhin gebe es eine mit der Stadtwehrleitung erarbeitete Prioritätenliste, „und wenn es Probleme gibt, dann kommt einfach zu mir. Ich habe noch nie jemanden weggeschickt.“

Mühlangers Ortsbürgermeister Hans-Joachim Harm (Freie Wähler) bedankt sich bei den Wehren für die Bewältigung ihrer ureigensten Aufgaben und auch für das Engagement in den Orten, ob beim Dorfputz oder dem Ausrichten von Festen.

Die Wehrleiter gehen mit kritischen Worten auch in die eigenen Reihen. Dass von 18 Atemschutzgeräteträgern nur acht tauglich sind, bemängelt Jens Höhne. Eine bessere Teilnahme seiner Kameraden an Diensten und Ausbildungen fordert Sven Henze.

Dank erhält von allen Seiten Jürgen Pötzsch. 50 Jahre ist er nun Feuerwehrmitglied und wird dafür geehrt, viele Jahre war er Gemeindewehrleiter. Eine „Galionsfigur“ nennt ihn Jens Höhne. Im vorigen Jahr bei der Wahl hat Pötzsch den Posten des Ortswehrleiters in Mühlanger aus Altersgründen frei gemacht - und die Leitung der Alters- und Ehrenabteilung übernommen. Für ihn stehen sie an diesem Abend alle auf und applaudieren.

(mz)