Stadtbibliothek Wittenberg

Es wird teurer, aber es wird

Der Rohbau an der Schlossstraße ist fast fertig. Jetzt kommt - mit reichlich Verspätung - der Innenausbau.

Von Julius Jasper Topp
Die  Gebäudemanagerin Marina Georgi bei der Baustellenbesichtigung am Freitag
Die Gebäudemanagerin Marina Georgi bei der Baustellenbesichtigung am Freitag (Foto: Thomas Klitzsch)

Wittenberg - Der Rohbau steht weitestgehend, wenn auch nicht so schnell wie erhofft. Die Sanierung der Stadtbibliothek in der Schlossstraße geht voran. Eigentlich, erläutert Marina Georgi, die Sachgebietsleiterin Wittenbergs für Technisches Gebäudemanagement, habe man bereits im Dezember mit dem Rohbau fertig sein wollen. An der Verzögerung von etwa einem halben Jahr sei, wie so oft, die Pandemie schuld. Bauarbeiter gingen in Quarantäne, Baustoffe verteuerten sich binnen kurzer Zeit extrem. Vor allem Stahl und Holz waren so teuer geworden, dass man teils auf Aluminiumprofile wechseln musste, wo es statisch möglich gewesen sei.

Die Kosten hätten sich um etwa 300.000 Euro erhöht, sagt Georgi bei einer Baustellenbesichtigung am Freitag. Auch, weil Ausschreibungen deutlich teurer wurden, als vorab veranschlagt. Für den Rohbau habe sich etwa nur eine einzige Firma beteiligt. Schließlich habe die Stadt, wenn auch mit Bauchschmerzen, den Zuschlag erteilt - aus Sorge vor noch höheren Kosten bei erneuter Ausschreibung. Insgesamt soll der Bau nach aktuellem Stand 1,8 Millionen Euro kosten, hinzu kommt die Ausstattung für 550.000 Euro, die Gestaltung der Außenanlagen für 420.000 Euro sowie die archäologischen Grabungen, die 25.000 Euro kosteten - aber immerhin eine vollständig erhaltene Ofenanlage aus dem 17. oder 18. Jahrhundert sowie einen Teil Gemäuer freilegten, der der alten Stadtmauer zugeschrieben wird.

Eröffnung zu Luthers Hochzeit?

„So Gott will“, wie Georgi hofft, könne im April nächsten Jahres mit dem Umzug begonnen werden. Dann werden Mitarbeiter und Bücher aus dem Zwischenquartier im Alten Rathaus zurück in die Schlossstraße kommen. Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) träumt von einer Einweihungsfeier rund um Luthers Hochzeit, die dann hoffentlich wieder im gewohnt üppigen Rahmen stattfinden kann.

Die aufpolierte Stadtbibliothek soll dann deutlich heller daherkommen als der ursprüngliche Bau, der just in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag feiert. Hohe Glasfenster, helle Räume, ein Atrium im Mittelteil, den die Planer „Lesegarten“ nennen, sowie ein großer Konferenzraum samt Gartenanlage und Parkplätzen auf der von der Schlossstraße abgewandten Seite sollen entstehen. Und auch der aus dem Genre der sozialistischen Arbeitermalerei der DDR entstammende Fries an der Wand des Lesesaals soll bleiben. „Auch wenn die Architekten ihn gerne umgesetzt hätten“, sagt Georgi. Zugehör wirbt noch einmal für den Standort in der Innenstadt: „Wir haben uns bewusst dafür entschieden.“ Es sei wichtig, die Innenstadt zu beleben, da zähle jeder Mosaikstein. Und: 2022 sei bereits viel geplant. Landesliteraturtage, Thementage zur Kraft der Sprache. „Ein wichtiges Jahr“, findet der Oberbürgermeister. (mz)

Oberbürgermeister Zugehör macht sich ein Bild von oben.
Oberbürgermeister Zugehör macht sich ein Bild von oben.
(Foto: Thomas Klitzsch)