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Ehrgeizige Ziele für Bildung im Landkreis Wittenberg

Der Landkreis gibt sich nach jahrelangem Feilen am Konzept ein Bildungsleitbild. Das enthält allgemeine Aussagen und ganz konkrete Pläne.

22.04.2021, 07:16
Wie soll Bildung im Landkreis Wittenberg in Zukunft gehen?
Wie soll Bildung im Landkreis Wittenberg in Zukunft gehen? Bodo Schackow/zb/dpa

Wittenberg - Der Landkreis Wittenberg hat ein Bildungsleitbild. An dem Konzept ist mehrere Jahre lang gearbeitet worden, die Anfänge liegen bereits im Jahr 2015. Nun ist das Leitbild bei der Sitzung des Kreistages am Dienstagabend beschlossen worden, bei sechs Neinstimmen und einer Enthaltung.

Lebenslanges Lernen

Das Konzept ist ebenso allgemein wie konkret gefasst. Es enthält sechs Leitsätze, aber eben auch einen Maßnahmekatalog. Die Leitsätze lauten wie folgt: Lebenslanges Lernen; Familie als Bildungspartner; Zugang für alle; Gestaltung einer zielgerichteten, koordinierten Bildungslandschaft; Einführung eines Bildungsmanagements; Übergangsmanagement für erfolgreiche Bildungsbiografien.

Die Leitsätze sind noch einmal untergliedert mit Stichworten wie Reduzierung der Schulabbrecherquote, Erweiterung der Berufsorientierung, Erhalt aller Ausbildungsstätten, Stärkung der außerschulischen Bildung, digitales lebenslanges Lernen, Steigerung der Mobilität, Verzahnung von Jugendhilfe und Schule oder „flächendeckende Digitalisierung aller Schulen und aktiven Bildungsakteure im Landkreis“.

Zu den konkret benannten Vorhaben zählen etwa die Etablierung einer bedarfsgerechten Bildungsberatung, die Erarbeitung so genannter „aufsuchender Bildungskonzepte“, der flächendeckende Ausbau von Breitband und Glasfaser, der bessere Übergang von Kindertagesstätte in Grundschule. Debattiert werden soll das Thema Sozialarbeit in Kitas und Jugendhilfe an Schulen. Es gilt Konzepte für Schulverweigerungsprojekte zu entwickeln. Angeregt wird die Förderung leistungsstarker Schüler durch Stipendien. Ökologische Bildungsangebote sollen ausgebaut, kleinere Vereine, Museen, Bibliotheken mehr Aufmerksamkeit erhalten. Und das sind nur Beispiele.

Im Kreistag, der das Leitbild schon einmal zurückverwiesen und auf konkrete Maßnahmen gedrängt hatte, herrschte diesmal überwiegend Wohlwollen. Christian Tylsch (CDU) sagte: „Wenn etwas so lange dauert, muss es wichtig sein.“ Bildung sei eine Generationenaufgabe. Im Übrigen habe gerade die Pandemie gezeigt, wie hoch die Ansprüche sind und wie schnell sich Prioritäten verschieben. Die Anbindung der Schulen an schnelles Internet sei essenziell: „Da sollten wir nicht warten, sondern beschleunigen. Auch wenn mal was doppelt gemacht wird.“

Reinhild Hugenroth von den Grünen lobt die geplante stärkere Verzahnung von Jugendhilfe und Schule, zu kurz komme ihr hingegen die Inklusion: „Darum machen wir einen großen Bogen.“ Sie sei aber verbindlich und ein Menschenrecht. „Wir lassen zu viel Zeit verstreichen und setzen falsche Prioritäten.“ Was indes die digitale Bildung betreffe, so sei die „gekommen, um zu bleiben“. Dass die Zukunft in hybridem Unterricht liegen könne, stellt unterdessen Dirk Hoffmann in Frage: „Wir brauchen den Präsenzunterricht.“ Er erlebe jeden Tag, dass Homeschooling nicht funktioniere, so Hoffmann.

Die Konstruktivität bei der Erarbeitung des Bildungs-Leitbildes würdigte Corinna Reinecke (SPD): „Wir haben uns damit strategisch auf den Weg gemacht. Das ist ein gelungener Anfang.“ Jetzt gelte es nicht zuletzt, das Konzept weiterzuentwickeln. Bedarf zu erkennen und darauf zu reagieren, Kritik aufzunehmen, um besser zu werden.

Keine Schule verlieren

Dass gerade die Pandemie zeige, wie groß die Herausforderungen tatsächlich sind, darauf verwies Stefan Kretschmar (Freie Wähler) und nannte als Beispiel das Leitbild „Familie als Bildungspartner“. Auch dass das lebenslange Lernen eine entscheidende Rolle spiele, spiegele sich in dem Konzept wider. Im Übrigen sei das Thema Inklusion sehr wohl verankert, bemerkte Kretschmar mit Blick auf Hugenroths Kritik. Er mahnte zudem an: „Wir müssen aufpassen, dass wir keine weitere Schule verlieren.“ (mz/Marcel Duclaud)