Stichwahl

Christian Tylsch (CDU) wird neuer Landrat im Landkreis Wittenberg

Der Christdemokrat Christian Tylsch (CDU) gewinnt die Stichwahl klar gegen seinen Kontrahenten von der AfD. Die Wahlbeteiligung ist nicht berauschend, liegt aber über der vom letzten Mal.

Von Marcel Duclaud
 Nach dem Wahlerfolg: Ministerpräsident Reiner Haseloff (l.) bietet dem künftigen Landrat Christian Tylsch das Du an.
Nach dem Wahlerfolg: Ministerpräsident Reiner Haseloff (l.) bietet dem künftigen Landrat Christian Tylsch das Du an. (Foto: Thomas Klitzsch)

Wittenberg - Das Auszählen ging diesmal schnell: Schon eine halbe Stunde nach Schließung der Wahllokale gab es ein erstes Zwischenergebnis mit einem deutlichen Trend. Christian Tylsch, der Kandidat der CDU, lag wie erwartet klar vor seinem Kontrahenten von der AfD, Frank Luczak - 80 Prozent gegen 20 Prozent.

Das hat sich im Laufe des Abends nicht mehr grundlegend geändert: Kurz nach 19 Uhr waren 171 von 177 Wahlbezirken ausgezählt, kurz nach 20 Uhr alle - Tylschs Stimmenanteil ist sogar noch gewachsen, auf 81 Prozent. Die Sache ist klar: Der neue Landrat des Kreises Wittenberg ist wieder ein Christdemokrat, nach zwei Amtsperioden mit dem Linken Jürgen Dannenberg.

Bei Christian Tylsch, der bei der letzten Landratswahl Dannenberg knapp unterlag, ist die Freude groß: „Ich bin sehr erleichtert“, sagte er in einer ersten Reaktion. Der Wahlkampf sei anstrengend gewesen, habe sich aber gelohnt. Dass er gute Chancen hat, damit rechnete der Wittenberger. Dass das Ergebnis so deutlich ausfällt, das hingegen überrascht ihn. „Ich bin schon davon ausgegangen, dass wir gut mobilisieren können. Aber so einen Abstand habe ich nicht für möglich gehalten.“

Tylsch, der seinen Sieg in kleiner Runde feierte - neben anderen mit Ministerpräsident Reiner Haseloff, der sich nun einen neuen Büroleiter suchen muss, wird seinen Job in knapp einem Monat antreten - beim Kreistag am 12. Juli erhält er seine Ernennungsurkunde. Bis zum Amtswechsel geht Tylsch seiner Arbeit in Magdeburg nach. Es wird wie auch sonst üblich Übergabe-Termine mit dem scheidenden Landrat geben.

Der unterlegene AfD-Kandidat beglückwünschte Tylsch: „Ich akzeptiere den Bürgerwillen natürlich. Wenn die Wähler so entschieden haben, dann soll das so sein.“ Seine Enttäuschung hielt sich offenbar in Grenzen: „Mir geht es gut.“ Luczak bedankt sich bei seinen Wählern und will die politischen Ambitionen nicht an den Nagel hängen. „Wie es weiter geht, wird sich zeigen. Erst einmal muss ich mich sortieren.“

Die Wahlbeteiligung ist zwar nicht sensationell hoch, aber für eine Stichwahl respektabel - und liegt klar über den 26 Prozent vom letzten Mal. Das hatte sich am Mittag noch nicht abgezeichnet. Gegen 11.30 Uhr hatten im Wahllokal am Neuen Rathaus in Wittenberg gerade mal rund hundert Menschen ihre Stimme abgegeben. 1.700 Personen stehen im Wählerverzeichnis, Briefwahl beantragt hatten laut Wahlvorsteher André Seidig 300 Berechtigte.

Die Stimmung war aber entspannt und freundlich. Das bestätigte nicht zuletzt der Wachmann, der am Eingang stand und darauf achtete, dass coronabedingt nicht zu viele Leute auf einmal ins Wahllokal gehen und dass sie eine Maske tragen. Eine Wählerin hatte die just vergessen und musste noch einmal nach Hause.

Kein Problem, bemerkte sie und fügte hinzu: „Es war diesmal nicht schwierig, eine Wahlentscheidung zu treffen.“ Eine andere kam vorsichtshalber mit Schirm, falls sie doch länger draußen warten muss. Die Sonne knallte beträchtlich. Sie sagte auf die Bemerkung, doch noch Zeit zu haben bis 18 Uhr: „Ich will das schnell hinter mich bringen und später noch in den Garten. Wählen ist diesmal besonders wichtig.“

Auch im Wahllokal, an dessen Eingang ein Strauß mit frischen Rosen stand, war die Stimmung entspannt. André Seidig: „Wir hatten bisher keinen Leerlauf und sind nicht frustriert, wenn nur wenige kommen. Bei Stichwahlen ist das oft so.“ Die Wahlhelfer seien gut drauf, die Wähler bedankten sich nicht selten bei ihnen.

Was die Hitze betrifft, war es im Rathaus-Keller angenehm kühl. „Wir haben genügend Getränke und der Eiswagen kommt zwei Mal. Er fährt alle Wahllokale der Stadt ab.“ Die frischen Blumen übrigens, die erhalten am Abend die letzten Wähler - kurz vor dem Auszählen. (mz)