Projekt

Auf dem Weg zum idealen Quartier in Wittenberg

Fernsehlotterie fördert das Quartiersmanagement der Arbeiterwohlfahrt. Was es damit auf sich hat.

Von Marcel Duclaud
Auf der Terrasse des Neubaus:  Corinna Reinecke,  Reiner Haseloff,  Christian Kipper, Erhard Hellwig-Kühn  (v.l.)
Auf der Terrasse des Neubaus: Corinna Reinecke, Reiner Haseloff, Christian Kipper, Erhard Hellwig-Kühn (v.l.) (Foto: Duclaud)

Wittenberg - Dass sie tief stapelt, das lässt sich von der Awo nicht behaupten. Nichts weniger als ein „Ideales Quartier“ strebt der Wittenberger Kreisverband mit den außerordentlich umfangreichen Aktivitäten in der Altstadt an. Erhard Hellwig-Kühn, der Vorstandschef, spricht schon von einem „Awo-Stadtteil“.

Erste Mieter ziehen ein

In jüngster Zeit sind gleich mehrere Bauprojekte gestemmt worden oder auf dem Weg der Realisierung: Coswiger Straße 31 - sieben barrierefreie Wohnungen, Büro, Arztpraxis; Marstallstraße 16 - acht barrierefreie Wohnungen; Juristenstraße 2a - ein Neubau mit 51 barrierefreien Wohnungen, von denen die ersten dieser Tage bezogen werden. Juristenstraße 5 - dort entsteht eine Tagesstätte für 62 Kinder.

„Wir wären“, bemerkt Hellwig-Kühn, angesichts mancher aktuellen Baustelle, „gerne viel weiter. Der Bauverzug beträgt mehrere Monate und hat mit umfangreichen Grabungen, mit Corona und steigenden Kosten zu tun.“ Man hoffe aber, im nächsten Jahr komplett fertig zu werden.

Darüber hinaus entwickelt die Arbeiterwohlfahrt ein so genanntes Quartiersmanagement: „Die Bauhülle“, sagt Geschäftsführerin Corinna Reinecke, „ist das eine. Inhalte sind das andere. Wir wollen uns öffnen.“ Es gehe etwa um generationsübergreifende Begegnungen oder den Aufbau von Nachbarschaftshilfe. Vom „sozialen Wohlfühlen“ redet Reinecke und davon, dass die Vorarbeiten bestens zur Stadtentwicklung passen: „Wittenberg wird ein Labor“, sagt sie auch.

Fassbar wird das Anliegen beispielsweise am Rikscha-Projekt. Wie berichtet werden Senioren, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, von ehrenamtlichen Rikscha-Piloten kutschiert. Der Radius erweitere sich und reiche inzwischen bis Reinsdorf, so Reinecke, die von derzeit neun fitten „Piloten“ spricht. Sie erwähnt auch Pläne einer Kinder- und einer Senioren-Uni, die im nächsten Jahr verwirklicht werden sollen.

Die Entwicklung des Konzeptes und der Aufbau des Quartiersmanagements werden maßgeblich unterstützt von der Deutschen Fernsehlotterie, die das Projekt für zwei Jahre fördert. Knapp 140.000 Euro fließen nach Wittenberg. Grund genug für einen Besuch, der am Donnerstag stattfand. Gekommen, um sich die Awo-Aktivitäten rund ums „Ideale Quartier“ vorstellen zu lassen, waren neben Fernsehteams der Geschäftsführer der Fernsehlotterie und der Stiftung Deutsches Hilfswerk, Christian Kipper, und Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), der als Bundesratspräsident die Schirmherrschaft über die Lotterie inne hat.

Alte Wunden geheilt

Haseloff freut sich nicht zuletzt über die städtebauliche Aufwertung, wie er bei der Besichtigung sagte: „Alte Wunden werden hier geheilt. Von dem Projekt hat die gesamte Stadtgesellschaft etwas.“

Juliane Nitschke ist die Quartiersmanagerin. Sie berichtet von einer Analyse, die den Plänen vorausging. Auf die Frage nach dem „idealen Quartier“ ist etwa der Wunsch nach Nachbarschaftshilfe, Begegnungen der Generationen und niedrigschwelligen Angeboten geäußert worden. Das bildet nun die Grundlage für die Konzeption im Rahmen des Awo-Quartiersmanagements.

Für starke Nachbarschaften

Deutschlands „traditionsreichste Soziallotterie“, eben die Fernsehlotterie, setzt sich einer Presseinformation zufolge intensiv für starke Nachbarschaften ein. Mittlerweile zähle jedes vierte Projekt zum Förderschwerpunkt Quartiersentwicklung. Im vergangenen Jahr habe die Deutsche Fernsehlotterie allein in Sachsen-Anhalt rund 5,7 Millionen Euro für sechs soziale Projekte gemeinnütziger Organisationen bereitgestellt. „Als Soziallotterie liegt uns eine feste Gemeinschaft am Herzen.

Deshalb ist die Förderung von Projekten und Initiativen, die das Miteinander im Viertel stärken, inzwischen ein wichtiger Schwerpunkt in unserer Arbeit. Hier in Lutherstadt Wittenberg wurde mit dem Idealen Quartier der perfekte Name für ein Projekt gefunden, das Menschen verbindet und ein Vorbild für viele Städte in der ganzen Republik sein kann“, sagt Christian Kipper, Geschäftsführer der Deutschen Fernsehlotterie.