Asisi-Panorama in Wittenberg

Asisi-Panorama in Wittenberg: Keine Übernahme mit Corona

Wittenberg - Das Asisi-Panorama wird nicht zum 1. April von der Lutherstadt Wittenberg Marketing GmbH übernommen. Damit ist auch ein Weiterbetrieb über 2021 hinaus bis auf weiteres vom Tisch. Grund für die Entscheidung des Stadtrats, der am Mittwoch zu diesem Zweck zu einer Sondersitzung zusammengekommen war, sind die durch die Corona-Pandemie entstandenen wirtschaftlichen Risiken für den Tourismus, den man mit einer Verlängerung des Rundbildes gerade hatte befördern ...

Von Irina Steinmann 26.03.2020, 07:35

Das Asisi-Panorama wird nicht zum 1. April von der Lutherstadt Wittenberg Marketing GmbH übernommen. Damit ist auch ein Weiterbetrieb über 2021 hinaus bis auf weiteres vom Tisch. Grund für die Entscheidung des Stadtrats, der am Mittwoch zu diesem Zweck zu einer Sondersitzung zusammengekommen war, sind die durch die Corona-Pandemie entstandenen wirtschaftlichen Risiken für den Tourismus, den man mit einer Verlängerung des Rundbildes gerade hatte befördern wollen.

Nein ohne Gegenstimmen

Vertreter aller Fraktionen folgten in der Abstimmung den eindringlichen Ausführungen von Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) und dessen Aufforderung, eine „kluge Entscheidung“ zu treffen. Am Ende fiel das Nein zu der Beschlussvorlage der Verwaltung ohne eine einzige Gegenstimme, es gab lediglich zwei Enthaltungen. Die Situation sei jetzt eine völlig andere als vor der Corona-Krise, hatte Zugehör erklärt, es sei alles zum Erliegen gekommen, was mit Tourismus zu tun habe - und keinesfalls absehbar, wann sich dies wieder ändern werde. „Wenn das so weitergeht, kann man sich vom Tourismusgeschäft in diesem Jahr verabschieden“, so Zugehör. Die „Fortführungsprognose“, auf der das Übernahme-Vorhaben des defizitären Panoramas fußte, habe durch Corona „deutlich an Kraft verloren“, mit anderen Worten: Nur Wahnsinnige würden sich jetzt so etwas aufhalsen.

Darüber bestand seltene Einigkeit im überschaubaren Plenum. „Niemand“ könne gegenwärtig eine Prognose zur Entwicklung abgeben, erklärte in der kurzen Debatte etwa Linke-Fraktionschef Horst Dübner. Der Beschlussvorlage sei damit „die Grundlage entzogen“. Mit „Wehmut“ bzw. „Hoffnung“ verabschiedeten sich auch CDU bzw. SPD vom Übernahme-Plan, Grünen-Fraktionschefin Reinhild Hugenroth sprach von einer „180-Grad-Wende einzig durch Corona“, allein die Freien Wähler schwiegen, stimmten am Ende aber ebenfalls mit Nein. „Auch sonst“ - also ohne Corona - wäre es wohl schwierig geworden, mutmaßte Dirk Hoffmann (AfD).

Interesse ja

Ganz vom Tisch sind die Übernahme-Pläne mit der gestrigen Entscheidung freilich nicht. Es besteht der Wunsch, dass es weitergeht - irgendwie, irgendwann. „Wir haben als Stadt bis heute Interesse“, erklärte auch der Oberbürgermeister. Möglicherweise werde es neue Gespräche geben.

Das Panorama des Künstlers Yadegar Asisi wird von einer gemeinnützigen GmbH betrieben, deren Hauptgesellschafter bisher der Verein r2017 war.

Die Sitzung fand unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt. Wegen Corona war der Stadtrat ins geräumige Stadthaus umgezogen, die Einzeltische standen weit auseinander. Es gab zwei Zugänge und festgelegte Wege in den Saal. Bei Ankunft musste jeder ein Formular zu seiner Gesundheit ausfüllen. Das alles gab’s noch nie.

(mz)