Zwist unter Jägern

Zwist unter Jägern: Wird im Burgenlandkreis zu wenig Raubwild erlegt?

weissenfels - Einige Jäger im Burgenlandkreis sind uneins. „Schuld“ daran sind die Füchse. Es müsse eine konsequentere Bejagung des Raubwildes durch die Jäger durchgeführt werden, fordert Martin Krebs aus Kleinkorbetha, der selbst seit vielen Jahren auf die Jagd geht. Diese Sichtweise könnte ja noch angehen, doch er geht mit seinen Kollegen hart ins Gericht: Füchse, Waschbären und viele andere Tiere würden nicht zum Abschussplan gehören, weil „Jäger mit der Bejagung des Raubwildes keinen Cent verdienen.“ Etwa 70 Prozent der Jäger seien auf Trophäen aus, wobei sich Martin Krebs auf einen Jäger beruft, der auf der Zusammenkunft des Landesjagdverbandes gesprochen ...

Von klaus-dieter kunick 13.11.2015, 21:42

Einige Jäger im Burgenlandkreis sind uneins. „Schuld“ daran sind die Füchse. Es müsse eine konsequentere Bejagung des Raubwildes durch die Jäger durchgeführt werden, fordert Martin Krebs aus Kleinkorbetha, der selbst seit vielen Jahren auf die Jagd geht. Diese Sichtweise könnte ja noch angehen, doch er geht mit seinen Kollegen hart ins Gericht: Füchse, Waschbären und viele andere Tiere würden nicht zum Abschussplan gehören, weil „Jäger mit der Bejagung des Raubwildes keinen Cent verdienen.“ Etwa 70 Prozent der Jäger seien auf Trophäen aus, wobei sich Martin Krebs auf einen Jäger beruft, der auf der Zusammenkunft des Landesjagdverbandes gesprochen habe.

Entspannt steht Steffen Hoffmann den Vorwürfen gegenüber, der sich sachlich mit den Vorwürfen auseinandersetzt. „Es stimmt was gesagt wird, wir verdienen mit der Bejagung des Raubwildes keinen Cent“, erklärt der Vorsitzende der Jägerschaft Weißenfels. Dass es einst ein finanzielles Interesse der Jäger gegeben habe, das stimme, aber das habe zu DDR-Zeit gegolten und sei nach der Wende mit herübergeschwappt. Heute würden einige wenige Landkreise noch einen Obolus für einen erlegten Fuchs zahlen, im Burgenlandkreis gebe es das definitiv nicht.

Überhaupt nicht anfreunden kann sich Steffen Hoffmann mit dem Gedanken, dass 70 Prozent der Jäger Trophäensammler seien. „Das stimmt so auf keinen Fall. Jeder Jäger unterliegt einem Abschussplan, der genau regelt, was geschossen werden darf und was nicht“, ergänzt er. Natürlich freue sich ein Jäger über eine Trophäe, aber damit werde er ja nicht gleich zum Sammler. Steffen Hoffmann: „Hier wird etwas total auf den Kopf gestellt.“ Jeder müsse schließlich seinen Jagdverpflichtungen nachkommen. Er habe zudem festgestellt, dass durch solches negatives Gerede über die Jäger immer weniger junge Menschen bereit seien, das Jägerhandwerk zu erlernen.

Ein ähnliches Unverständnis zu den Äußerungen von Martin Krebs äußert auch Armin Deubel. „Ich kann das nicht nachvollziehen“, so der Weißenfelser Stadtjäger. Es handele sich bei den Jägern um eine ehrenamtliche Tätigkeit, die hoch einzuschätzen sei. Was hier passiere, sei eine „unschöne Auseinandersetzung“. Steffen Hoffmann fügt hinzu, dass es auf keinen Fall zu viele Füchse gäbe. Er weist auf die unterschiedliche Sichtweise hin: Wenn ein Fuchs einem Hühnerhalter sein Huhn stiehlt, dann sei dem natürlich schon ein Fuchs zu viel, argumentiert er. Ein Landwirt hingegen, der sich mit tausenden Mäusen auf seinem Feld herumplage, dem seien wahrscheinlich 1 000 Füchse noch zu wenig. Steffen Hoffmann weiter: „Grundsätzlich haben wir im Burgenlandkreis kein Problem mit den Füchsen.“

Dem stimmt Jürgen Koschel uneingeschränkt zu. Er weist die Kritik des Kleinkorbethaer Jägers ebenfalls zurück. Es gebe in diesem Jahr definitiv keinen zu hohen Bestand an Füchsen, so der Sachgebietsleiter der Unteren Jagd-, Fischerei- und Waffenbehörde in der Kreisverwaltung. Wenn hier und da der Eindruck entstehe, dass es zu viele Füchse geben würde, dann habe das mit einer punktuellen Wahrnehmung Einzelner zu tun und rein gar nichts mit der Inaktivität der Jäger. Jürgen Koschel begründet seine Entscheidung: „In den letzten zwei Jahren hat sich der Bestand der Füchse in der Region flächendeckend nahezu halbiert.“ Das gehe vor allem auf eine Krankheit zurück, nämlich der sogenannten Staupe, eine Viruserkrankung sowie auf die Räude, eine Milbenerkrankung. Dass die Tiere bei ihren Streifzügen unter anderem auch in Hühnerställe eindringen, sei normal. Der Sachgebietsleiter erklärt weiter: „Der Mensch muss lernen, seine Tiere zu Hause zu schützen.“ Wer aus dem Grund eine Lebendfalle nutze, müsse wissen, dass die täglich mindestens zweimal kontrolliert werden müsse. Hinzu komme der relativ hohe Preis: Unter 100 Euro sei kaum eine gute Lebendfalle zu bekommen. Und in Betracht ziehen müsse man, dass die, die der Jagd nicht sonderlich freundlich gegenüberstehen, diese oftmals zerstören, so Jürgen Koschel. (mz)