Weißenfels muss Lärmaktionsplan aufstellen

Weißenfels muss Lärmaktionsplan aufstellen: „Zahnloser Tiger“ sorgt für Debatten

Weißenfels - Weißenfels muss einen Lärmaktionsplan aufstellen. Warum Bürger mit dem Papier ein Problem haben.

Von Andreas Richter 25.10.2018, 08:03

Wenn Theorie auf Wirklichkeit trifft, wird es kompliziert. Das hat einmal mehr die jüngste Diskussion um den Lärmaktionsplan der Stadt Weißenfels gezeigt, zu der sich Umweltausschuss und der Borauer Ortschaftsrat zusammengefunden hatten.

Es überraschte nicht, dass die Lärmbelastung in der Selauer Straße in Borau zum Schwerpunkt der Debatte wurde. Seit Jahren klagen die Anwohner über unzumutbaren Verkehrslärm in ihrer Lebenswirklichkeit und fordern vor allem ein Durchfahrtverbot für Lkw. Dass diese Forderung nun nicht im aktuellen Lärmaktionsplan der Kommune enthalten ist, hat die Bürger, die zahlreich zur Sitzung gekommen waren, erneut auf den Plan gerufen.

Sachbearbeiter Bauleitplanung in Weißenfels: „Die Voraussetzungen für ein Lkw-Verbot liegen nicht vor.“

Frank Liebold, Sachbearbeiter Bauleitplanung bei der Stadt, hatte da allerdings nur eine behördlich-trockene Entgegnung parat: „Die Voraussetzungen für ein Lkw-Verbot liegen nicht vor.“ Soll heißen: Es macht keinen Sinn, eine von vornherein unerfüllbare Forderung in den Lärmaktionsplan zu schreiben.

Es gebe relativ hohe bundesweit geltende Grenzwerte, die überschritten werden müssen, damit überhaupt ein Lkw-Verbot in Erwägung gezogen wird, erklärte Silvio Höbald von der Ingenieurbüro für Verkehrsanlagen GmbH aus Erfurt. Und er nannte als Größenordnung einen Dauerschallpegel von 70 Dezibel am Tag und 60 Dezibel nachts. Grenzwerte, die nach Berechnungen der Landesstraßenbaubehörde in der Selauer Straße in Borau nicht überschritten werden.

Stadtrat in Weißenfels: Lärmaktionsplan ist ein „zahnlosen Tiger“

Eine Einschätzung, über die die Borauer nur den Kopf schütteln konnten. Und sie dürften Stadtrat Clemens Wanzke (Bürger für Weißenfels/Landgemeinden) Recht geben, der den Lärmaktionsplan als „zahnlosen Tiger“ bezeichnete. Rund 150 Einwände und Anregungen hatten die Bürger, zumeist Borauer, während der öffentlichen Auslegung geltend gemacht - erreichen werden sie damit allerdings kaum etwas.

Immerhin steht in dem Papier, dass die Stadt in der Selauer Straße ein Tempolimit 30 für alle Fahrzeuge erreichen will. Derzeit gilt die Geschwindigkeitsbegrenzung nur für Lkw. Den Lärmaktionsplan als Gesamtpaket hat der Umweltausschuss dem Stadtrat mit knapper Mehrheit zum Beschluss empfohlen. Der Borauer Ortschaftsrat hingegen hat abgelehnt.

Stadtrat Weißenfels tagt am Donnerstag

Während also von dem Papier nicht allzu viel zu erwarten sein dürfte, kommt ein Signal vom Landtagsabgeordneten Rüdiger Erben (SPD). Ein Verbot des Lkw-Durchgangsverkehrs in der Selauer Straße halte er straßenverkehrsrechtlich nicht für ausgeschlossen, schreibt er in einer Mitteilung an die MZ. Im September habe er sich in der Sache an Landesverkehrsminister Thomas Webel (CDU) gewandt und warte nun auf eine Antwort.

Es gehe darum, dass die Ortsumgehung und die Erschließungsstraße in Granschütz „endlich auch die Funktionen wahrnehmen, für die sie gebaut wurden“. Es sei nicht aussichtslos, „die Lkw aus Granschütz und dem Gewerbegebiet Zorbau auf die Umgehungsstraße zu zwingen“, so Erben. Vielleicht ein neuer Hoffnungsfunke für die Borauer, für die Anwohner Jörg Richter versprach: „Uns wird die Stadt nicht los!“

››Stadtrat Weißenfels: Donnerstag, 25. Oktober, 17 Uhr, Ratssaal am Kloster (mz)