Grabungen in Weißenfels

Weißenfels: Archäologen stoßen bei Markt-Grabungen auf Jahrhunderte alte Geschichte

Weißenfels - Archäologen begleiten die Bauarbeiten im Weißenfelser Zentrum. Was die Fachleute dabei entdecken und wie sie mit den Funden umgehen.

Von Andreas Richter 11.07.2017, 08:00

Matthias Becker spricht gern in Bildern. Und das ist manchmal ganz gut so. Wenn der Mann vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie zum Beispiel die aktuellen Grabungen auf dem Weißenfelser Markt mit einer Schwarzwälder Kirschtorte vergleicht: „Würde man die Torte einfach auseinander brechen, bliebe da nur Matsch. Schneidet man sie aber sauber durch, dann sind die einzelnen Schichten deutlich zu erkennen.“

Grabungen in Weißenfels: Pflaster aus dem 16. Jahrhundert unter dem Markt entdeckt

Nun ist der Weißenfelser Markt keine Kirschtorte, doch ein höchst aufschlussreicher Ort für Archäologen allemal. „Wir arbeiten Hand in Hand mit der Baufirma“, sagt Madeleine Fröhlich, die die archäologischen Grabungen in der Saalestadt vor Ort leitet.

Matthias Becker schaut in einen der rund 1,30 Meter tiefen Gräben, die die Baufirma zur Verlegung von Leitungen quer über den Markt gezogen hat. Von unten drückt das Grundwasser durch. Wasser sei auf dem Markt in Nähe der Saale schon immer ein Problem gewesen, sagt Becker. Deshalb auch habe der Herzog im 16. Jahrhundert irgendwann befohlen, dass der zentrale Platz der Stadt gepflastert wird.

Grabungen auf dem Markt in Weißenfels: Ein Stück Weißenfelser Geschichte wird dokumentiert

Becker zeigt auf Reste eben dieser Pflasterung, die in einer Tiefe von rund 80 Zentimetern auch für den Laien einigermaßen deutlich zu erkennen sind. Wenig später kommt die Pflasterung an anderer Stelle noch deutlicher zum Vorschein. Es lässt sich nicht mit letzter Gewissheit sagen, doch vermutlich sind diese historischen Reste im Zuge der aktuellen Bauarbeiten auf dem Markt jetzt erstmals überhaupt freigelegt worden.

Mit den Bauarbeiten auf dem Weißenfelser Marktplatz wird zurzeit in Weißenfels ein 13 Jahre altes Projekt umgesetzt. Im Jahr 2004 hatte ein Berliner Büro einen städtebaulichen Wettbewerb zur Gestaltung des zentralen Platzes der Stadt gewonnen.

Die Umsetzung war damals jedoch auf Eis gelegt worden, weil sich der Stadtrat dafür entschieden hatte, begrenzte finanzielle Mittel zunächst für die Sanierung der Gebäude am Markt zu verwenden. Es sollten mehr als zehn Jahre ins Land gehen, ehe das Konzept mit Granitplatten, Wasserspiel und Lichtteppich wieder aus dem Schrank geholt wurde.

In die Sanierung des Marktes sollen insgesamt rund 3,5 Millionen Euro fließen. Die Arbeiten sollen bis Ende 2018 dauern.

Nun werden sie digital vermessen, fotografiert und gezeichnet. Eben dokumentiert, damit sie nach Schließung der Schächte ausgewertet werden können.

Grabungen in Weißenfels zeigen Stadtgeschichte wie ein Puzzle

„Die Beschäftigung mit der Baugeschichte in Weißenfels ist sehr spannend“, findet Matthias Becker und vergleicht das Ganze mit einem großen Puzzle. Denn der Markt ist in der Stadt nur ein magischer Ort für Archäologen. Die Saalstraße, das Umfeld der Marienkirche, bald das Areal am ehemaligen Sparkassengebäude am Niemöllerplatz... Dabei sind es weniger die spektakulären Funde, die bei den Grabungen in der Stadt erwartet werden. „Sollte es sie geben, nehmen wir sie gerne mit“, meint Becker. Doch eigentlich sei es die Kombination aller Einsatzorte, aller Funde, die Stück für Stück ein klareres Bild der Geschichte von Weißenfels ergibt.

Zurück zum Markt. Dort erregt nicht nur die Pflasterung aus der Zeit der Herzöge die Aufmerksamkeit der Archäologen. An einer Stelle sind zwei Fundamente, eines aus Feld- und eines aus Ziegelsteinen, deutlich zu erkennen. Sie liegen höher als das alte Pflaster und sind damit weniger alt. „Das sind Fundamente einer Gas- und einer Elektrolaterne“, erklärt Becker. Der Standort, die rechteckige Form und die gefundenen Zuleitungen seien klare Belege dafür.

Grabungen in Weißenfels: Für die Puzzlearbeit braucht es vor allem Geduld

Neben den Fundamentresten legen gerade die Grabungshelferinnen Jana Recke und Heike Dittebrandt Steine und Holzreste frei, um sie dann weiter dokumentieren zu können. Seit April sind sie schon auf dem Markt dabei. „Ich hoffe, es wird in den nächsten Wochen nicht allzu heiß“, sagt Jana Recke. Bis in den Herbst hinein sollen auf der Baustelle Markt Zeugen der Vergangenheit freigelegt und geborgen werden. Im nächsten Jahr, wenn sich die Bauarbeiten auf dem zentralen Platz der Stadt von der Mitte an den Rand verlagern, werden die Archäologen auch dort dabei sein.

Und vielleicht gibt es ja noch den einen oder anderen besonderen Fund. Matthias Becker ist da allerdings vorsichtig. „Wir brauchen ein gutes Stück historische Geduld“, sagt er. Schließlich müsse alles sorgfältig ausgewertet und die Bedeutung der Funde eingeordnet werden. Und Becker bemüht noch einmal ein Bild. Das Puzzle eben. Immerhin sei es oft die schwierigste Aufgabe, die letzten Teile richtig zuzuordnen. (mz)