Unternehmen in Zorbau

Unternehmen in Zorbau: Weißenfelser Schuhservice GmbH feiert 20-jähriges Bestehen

Zorbau/MZ - Erdmute Clauß knetet ihre Hände. Sie ist aufgeregt. Gleich soll sie eine Rede halten. Die 55-Jährige ist Geschäftsführerin der Weißenfelser Schuhservice GmbH (WSSC), und die feiert ihr 20-jähriges Bestehen. Der Wirtschaftsstammtisch der IHK ist zu Gast. Was erzählt man denen, die selbst in der Wirtschaft zu Hause sind? Die zierliche Frau redet ungeschminkt über zwei Jahrzehnte, die es in sich hatten und fesselt mit dieser spannenden Geschichte ihre Gäste. Der WSSC, ansässig im Gewerbegebiet Zorbau, lässt Arbeitsschuhe fertigen und vertreibt sie als auch ...

Von Petra Wozny

Erdmute Clauß knetet ihre Hände. Sie ist aufgeregt. Gleich soll sie eine Rede halten. Die 55-Jährige ist Geschäftsführerin der Weißenfelser Schuhservice GmbH (WSSC), und die feiert ihr 20-jähriges Bestehen. Der Wirtschaftsstammtisch der IHK ist zu Gast. Was erzählt man denen, die selbst in der Wirtschaft zu Hause sind? Die zierliche Frau redet ungeschminkt über zwei Jahrzehnte, die es in sich hatten und fesselt mit dieser spannenden Geschichte ihre Gäste. Der WSSC, ansässig im Gewerbegebiet Zorbau, lässt Arbeitsschuhe fertigen und vertreibt sie als auch Arbeitsschutzkleidung.

Sieben Mitarbeiter sind bei WSSC beschäftigt. Alle stammen aus der Branche. Clauß selbst hat ihr Diplom in der Lederverarbeitungstechnologie in der damaligen Sowjetunion gemacht. Später arbeitete sie bei „Goldpunkt“ in Berlin, schließlich bei „Banner“ in Weißenfels. 5 000 Paar Kinderschuhe seien hier am Tag vom Band gegangen, erzählt sie ihren Gästen. 1990 kam dort das Ende. Die Fortführung der Produktion von Kinderschuhen wurde zu kostenintensiv. „Nein, das war keine Option für die Zukunft“, berichtet die Unternehmerin. 1993 wird der Weißenfelser Schuhservice gegründet - die Tradition der Schuhproduktion soll bewahrt werden, war der innige Wunsch von Erdmute Clauß. Alte Kontakte nach Polen und Rumänien werden wiederbelebt, doch Lieferschwierigkeiten erschwerten die Zusammenarbeit. Ein Lückenfüller wollte die Schuhproduzentin nicht sein. Was Eigenes musste also her. So wird seit 18 Jahren im rumänischen Dorohoi, einer Stadt im äußersten Nordosten Rumäniens produziert.

„Wir begannen in einer leeren Halle. Zwischenzeitlich sind wir ein Arbeitgeber für rund 60 Beschäftigte geworden“, erzählt sie. Zunächst seien ausschließlich Schäfte dort genäht worden. Durch Qualifizierung und moderne Technologien seien ihre rumänischen Kollegen nun bereits seit über zehn Jahren in der Lage, hochwertige Arbeitsschuhe zu fertigen. Pro Woche treten von Dorohoi aus derzeit rund 2 500 Schäfte und 150 Paar fertige Paar Schuhe die Reise nach Zorbau an. „Begonnen haben wir einmal mit 25 000 im Jahr. Die langjährige Entwicklung macht uns schon stolz“, meint Clauß. Im Publikum nicken die Gäste. Man kennt sich. Die Belegschaft von Schüco, Frischli oder auch Jomo-Citty wird längst von WSSC eingekleidet. Clauß fügt hinzu: „Bei uns kriegt jeder seinen Schuh.“ 900 Kundennummern sind in der Kartei des Unternehmens. Die Schuhe sind weiß, pink, gelb, mit Neonstreifen besetzt, halbhoch und gefüttert, antistatisch und wenn notwendig, eine Stunde wasserdicht. WSSC kann rund 500 verschiedene Varianten für Füße der Größe 33 bis 56 herstellen lassen.

Doch die zierliche Frau macht zur Jubiläumsfeier keinen Hehl daraus, auch Probleme anzusprechen, die ihr Team meistern musste. Die meisten sind nicht hausgemacht. Da war beispielsweise die Fertigung von Korksandalen zu Beginn der Firmengeschichte. Als die Produktion aus den Kinderschuhen war, ging der Kunde in Radebeul in Insolvenz. 1993 - der Betrieb hatte seinen Sitz noch in der Markwerbener Straße, überflutete das Hochwasser das Gelände - der Firmenwagen ging baden. Turbulenzen gab es, als ein Kunde die Rechnung über 135 000 Mark für Lammfellstiefel nicht bezahlte. Dann das Hochwasser 2010 in Rumänien, wo der eigene Betrieb litt. Später folgte die Finanz- und Wirtschaftskrise mit Einbußen von 25 Prozent. 2012 brannte ein Lkw ab.

Genug der Worte. Die Chefin lächelt und lässt den roten Teppich ausrollen. Hinter der Bühne schlüpfen Claudia Göhler, Michael Kupfer und Fait Lopez-Hernandes von einer Leipziger Modelagentur in Latzhosen und setzen sich Schutzbrillen und Helme auf. „Die Klamotten sind von einer Spitzenqualität“, so Michael, der ansonsten Badehosen überstreift oder in Hochzeitsanzügen modelt. Auch Claudia findet Gefallen an der „Arbeitskluft“ und schiebt sich keck ein orangenes Cape über die Haare. Die Show kommt an beim Publikum, zeigt sie doch, dass Arbeitsschuhe längst keine hässlichen Treter mehr sind und der Blaumann ruhig mal grün sein kann.