Nach archäologischen Grabungen

Nach archäologischen Grabungen in Weißenfels: Kommt historisches Pflaster unter Panzerglas?

Weissenfels - Wie will die Stadt mit den Ergebnissen der gegenwärtigen archäologischen Ausgrabungen auf dem Weißenfelser Markt umgehen?

Von Holger Zimmer 12.09.2017, 14:30

Wie will die Stadt mit den Ergebnissen der gegenwärtigen archäologischen Ausgrabungen auf dem Weißenfelser Markt umgehen? Diese Frage beschäftigte am Montagabend die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses des Stadtrates.

Möglichkeiten für eine Präsentation der Entdeckungen zeigte Matthias Becker vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Halle auf. Letztlich könne das Thema derzeit noch nicht komplex betrachtet werden, weil die Grabungen ja noch im vollen Gange seien. Er sprach lediglich von einem Strauß von Ideen, den es derzeit gebe.

Exkurs in die Nachbarstadt Merseburg

Dabei unternahm Becker einen Exkurs in die Nachbarstadt Merseburg. So verwies er auf die Schwarze Bastion beziehungsweise das Schwarze Tor. Dort werde mit Erklärungstafeln gearbeitet und ein Teil der freigelegten Mauer sei bei der Schaffung von Parkplätzen integriert worden.

Während der Mauerverlauf nicht in einer neu gebauten Straße sichtbar gemacht werden konnte, ist das in der Fußgängerzone aber gelungen. Dort konnte die Mauer im Pflaster dargestellt werden. Er zeigte im Bild einen sogenannten Gabelstein und die Reliefplatte eines Künstlers mit der Rekonstruktion von einer der Entdeckungen.

Fotos von den Tafeln im Weißenfelser Stadtbild

Der Fachmann verwies auf Ähnliches am Parkhaus am Weißenfelser Georgenberg, wo eine Tafel auf das ehemalige Zeitzer Tor aufmerksam macht. Und Becker zeigte Fotos von den Tafeln im Weißenfelser Stadtbild, die den politischen Widerstand gegen die Nazis und die Vertreibung der jüdischen Bevölkerung thematisieren. Teilweise seien sie beschmiert, teilweise zugestellt. Nun gehe es erst einmal darum, die archäologischen Arbeiten zu beenden und zu dokumentieren.

Später könne man darüber reden, was den Weißenfelsern und ihren Gästen wie gezeigt werden soll. Manfred Rauner (CDU) verwies darauf, dass man entscheiden sollte, wenn feststehe, was alles gefunden worden ist. Derzeit wisse man noch nicht alles. Ekkart Günther (CDU) fragte dennoch, ob man die beschlossene Marktgestaltung kippen müsse, um die Ergebnisse der Grabungen zu integrieren.

Rolle des Kaisers wieder im Gespräch

Konkret wurden zwei andere Stadträte. So erinnerte Hans Klitzschmüller (Die Linke) daran, dass man sich gegen die Wiedererrichtung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals entschieden hatte. Sollte man sich das anders überlegen, dürfe das nicht kommentarlos geschehen, müsse im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg die Rolle des Kaisers und die Mitschuld Deutschlands dargestellt werden.

Gunter Walther (Bündnis 90/Die Grünen) verwies auf das freigelegte Pflaster, das unter dem Oberflächenniveau der Gegenwart liegt. Warum sollte so etwas nicht unter Panzerglas zu sehen sein. Es wäre gut, statt an den Kaiser an die barocke Blütezeit von Weißenfels zwischen 1656 und 1746 zu erinnern. (mz)